Behörde

Den Lebensraum Land stärken

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Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Mittwoch, 10.11.2021 - 08:52

Das Amt für ländliche Entwicklung Niederbayern wurde vor 70 Jahren eingerichtet. Zahlreiche Projekte wurden seitdem erfolgreich angepackt.

Vor 70 Jahren nahm das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) Niederbayern, damals noch als Flurbereinigungsamt bezeichnet, seinen Dienstbetrieb in Landau a. d. Isar auf. Aus diesem Anlass pflanzte Amtsleiter Hans-Peter Schmucker zusammen mit seinem Stellvertreter Michael Kreiner sowie den Abteilungsleitern Thomas Schöffel, Reinhard Reif und Hartmut Hofbauer einen Apfelbaum auf dem Dienstgelände. Von einer Festveranstaltung wurde aufgrund der unverändert bestehenden Gesundheitsgefahren infolge der Corona-Pandemie Abstand genommen.

„An unserem Grundauftrag hat sich nichts geändert. Wie vor 70 Jahren leisten wir auch heute einen wesentlichen Beitrag, den ländlichen Raum in Niederbayern zu stärken und ihn auf die aktuellen und künftigen Herausforderungen vorzubereiten“, so Hans-Peter Schmucker. Jedoch habe sich das Aufgabenspektrum stark erweitert – was sich nicht zuletzt auch im Namen der Behörde widerspiegele.

Am Anfang ging es um Nahrungsmittel

Zur Geburtsstunde des Landauer Flurbereinigungsamtes war ein Jahrzehnt des Hungers zu Ende gegangen. Die Zielsetzung der damaligen Bodenordnung war deshalb davon geprägt, die Nahrungsmittelproduktion zu erhöhen und die Arbeitsbedingungen in der Landwirtschaft zu verbessern. So ließ der damalige Bayerische Landwirtschaftsminister Dr. Alois Schlögl auf die Urkunde der Grundsteinlegung folgenden Text schreiben: „Dieses Amt soll der Ernährungswirtschaft des ganzen bayerischen Volkes dienen. Es soll eine bessere Bewirtschaftung von Grund und Boden mit modernen Maschinen ermöglichen und damit dazuhelfen, dass der Bauer aus seinem Besitz erhöhte Erträge erzielen kann. Das walte Gott!“

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Als Antwort auf die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen im ländlichen Raum hat die Bayerische Staatsregierung einen reichhaltigen Instrumentenkoffer geschaffen, um Themen wie Ortskernentwicklung und Flächensparen, Sicherung der Grundversorgung, demografischer Wandel, Wasser- und Bodenrückhalt, Ökologie und Artenvielfalt, Klimaschutz oder Nutzung erneuerbarer Energien zukunftsorientiert gestalten zu können. „Die Verwaltung ist zu einem kompetenten und modernen Servicepartner für Kommunen und Bürger im ländlichen Raum sowie für die Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung geworden“, betonte Hans-Peter Schmucker.

Rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten derzeit als Geodäten, Geographen, Agraringenieure, Architekten, Landschaftsplaner, Bauingenieure, Regionalmanager, Juristen und Verwaltungsfachkräfte zukunftsorientierte Hilfe zur Selbsthilfe, erklärte Hartmut Hofbauer, der als Abteilungsleiter für die Sachgebiete Personal und Verwaltung, Recht sowie Vermessung und Informationstechnik verantwortlich ist.

450 Projekte werden derzeit begleitet

Aktuell betreut das Amt für Ländliche Entwicklung Niederbayern rund 450 Projekte, darunter etwa 150 Flurneuordnungen. „Hauptziel dieser Verfahren ist es, die Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft zu verbessern und mit den zahlreichen anderen Anforderungen an Natur und Landschaft in Einklang zu bringen“, führt Thomas Schöffel, Abteilungsleiter Land- und Dorfentwicklung, aus.

In rund 240 Dorferneuerungsprojekten erarbeiten derzeit die Beschäftigten des ALE zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie externen Fachplanern Lösungsmöglichkeiten für die vielfältigen Herausforderungen in etwa 380 Dörfern Niederbayerns. Dabei legen die Verantwortlichen das Hauptaugenmerk darauf, den eigenständigen Charakter der Dörfer und der Kulturlandschaft zu erhalten. Sie leisten Beiträge zum Klimaschutz, zur Energiewende, zur Anpassung an den Klimawandel, zur Grundversorgung, zur Mobilität, zur Digitalisierung und zur Barrierefreiheit. Die Innenentwicklung und der damit verbundene sparsame Umgang mit Grund und Boden hat Vorrang. „Das Dorferneuerungsprogramm findet große Resonanz bei den Kommunen und auch bei Privatpersonen. Es kann heuer auf eine 40-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken“, betont Reinhard Reif, der als Abteilungsleiter für die Sachgebiete Dorferneuerung und Bauwesen, Landwirtschaft und Landnutzung, Landespflege sowie Förderung verantwortlich ist.

Am besten geht es mit guter Zusammenarbeit

Die Erfahrung zeigt, dass sich manche Themen am besten in der Zusammenarbeit von mehreren Gemeinden lösen lassen. So wurde 2004 das Instrument der Integrierten Ländlichen Entwicklung ins Leben gerufen. Das ALE begleitet aktuell die Zusammenarbeit von 22 kommunalen Allianzen mit insgesamt rund 200 Gemeinden. Dabei leistet es fachliche, personelle, finanzielle und organisatorische Unterstützung.

Der stellvertretende Amtsleiter Michael Kreiner erklärt: „Aus dieser Zusammenarbeit sind bereits zahlreiche gute Projekte entstanden.“ Mit der 2017 ins Leben gerufenen Initiative boden:ständig engagieren sich zahlreiche Kommunen und Landwirte mit Unterstützung des ALE, um in erosionsgefährdeten Naturräumen bei Starkregenereignissen den Boden auf der Fläche zu halten, den Wasserabfluss aus der Flur temporär zwischenzuspeichern und zu bremsen sowie die Siedlungen und Gewässer vor Schlammeinträgen zu schützen.