Biodiversität

Lebensraum für Rebhuhn & Co.

Gruppenfoto D
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 03.09.2020 - 10:09

In einer Praxis-Aktion schafft die Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen ein Biotop für Feldhühner.

Fleißige Hände waren gefragt beim Sommerschultag im Fach Naturschutz und Landschaftspflege der Landwirtschaftsschule Pfaffenhofen in Kooperation mit dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Schellermühle. 20 Studierende des zweiten Semesters beschäftigten sich in diesem Unterrichtsfach bereits seit fast einem Jahr mit dem Thema Feldhühner und im speziellen mit dem Schutz des in dieser Region selten gewordenen Rebhuhns. Dabei erarbeiteten die jungen Leute in Gemeinschaft mit dem LBV unter anderem einen Flyer zu dieser Thematik.
Um die Theorie in die Praxis zu überführen, optimierten die Studierenden in Kooperation mit LBV und Schellermühle eine etwa zwei Hektar große Fläche südlich von Pfaffenhofen als Lebensraum für Rebhühner, wodurch ein optimales Kerngebiet für deren weitere Ausbreitung in der Gegend geschaffen werden sollte.

Kein Rundumschlag,aber ein genauer Fokus

„Mit diesem Projekt verfolgten wir keinen Rundumschlag, sondern haben uns bewusst die Feldhühner und besonders die Rebhühner ausgesucht und uns auf sie fokussiert“, erklärte Dr. Sebastian Gresset, Lehrer in Naturschutz und Landschaftspflege sowie Leiter des Fachzentrums Agrarökologie Oberbayern.

Gemeinsam mit Wildlebensraumberaterin Claudia Förschler wurde nach seinen Angaben in der Schule das Thema in Gruppen erarbeitet und ein Flyer entwickelt. Das Ergebnis sollte eigentlich auf der Landesgartenschau in Ingolstadt präsentiert werden, die coronabedingt nicht stattfindet.

Nun ist geplant, das Projekt mittels Flyer im Rahmen der Jagdmesse in Grünau sowie in einer Aktion in der Fußgängerzone in Pfaffenhofen zu präsentieren. Zudem liegt der Prospekt auch am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Pfaffenhofen aus.

Ausgleichsfläche ist optimal für Rebhühner

Die Schellermühle stellte dankenswerter Weise die knapp 2 ha große Brachfläche zur Verfügung – eine Ausgleichsfläche, die sich optimal für Rebhühner eignet. „Früher gab es hier viele Rebhühner, doch inzwischen hat sich ihr Bestand im Landkreis um rund 90 Prozent reduziert“, bedauert Gresset und führte als Gründe den Verlust von geeigneten Lebensraumelementen wie Hecken, Feldraine und Brachen, die Versiegelung von Landschaftsflächen, die intensive Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen, mangelnde Deckung und Grenzlinienstrukturen, hohen Brutverlust durch zu frühen Mähtermin und Rückgang der Insektennahrung an.

Nach seiner Auskunft wurde die Theorie im Unterricht ab Dezember behandelt und nun mit der Praxis verbunden. Für diese Aktion wurde extra eine Sondergenehmigung eingeholt.

In vier Gruppen arbeiteten die Studierenden konzentriert für die Natur. Es wurden Zäune abgebaut, Bäume aus den Hecken entfernt und zwei Benjeshecken errichtet. Gleichzeitig wurden mit dem Freischneider Flächen ausgemäht und das Mähgut auf die Benjeshecken aufgebracht.

Weiter wurden das Beet für die Waldstaudenroggensaat vorbereitet und die Kultur ausgesät. Ein anderes Team schnitt die Schlehenausläufer an der bestehenden Schlehenhecke zurück und grub fünf Schlehen-Wurzelausläufer aus, die neu eingesetzt wurden. Schließlich wurden zwei Lesesteinhaufen errichtet.

Großes Lob für die engagierten Studierenden

Gresset zollte den jungen Landwirten großes Lob. „Alle haben sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und gut mitgearbeitet. Ich bin zuversichtlich, dass die jungen Leute davon etwas mit nach Hause nehmen“, meinte er und hofft, dass die Aktion in der Natur etwas bringt.

„Wir würden uns sehr freuen, wenn wir dadurch eine Population schaffen können, die sich hier ausbreitet“, fasste er das Ziel zusammen und war überzeugt, dass die Studierenden selbst auf ihren Betrieben für Möglichkeiten zum Schutz der Feldhühner sorgen wie zum Beispiel Stehenlassen von kleinen extensiven Getreideparzellen an Feldrändern über den Winter, Anbau von Winterzwischenfrüchten, Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln sowie Förderung von Insekten.

Stimmen zum Projekt

Marina Brunnhuber, Irsching: „Es war sehr interessant, das Projekt zu begleiten und zu entwickeln sowie Ideen einzubringen. Um auf unserem Ackerbaubetrieb mit Waldwirtschaft mehr Blühflächen anzubauen, haben wir heuer zum ersten Mal kleinstrukturierte Flächen, die unrentabel zu bewirtschaften sind, in Wiesen umgewandelt und über den Winter Altgrasstreifen für Rebhühner und Hasen stehenlassen. Ich bin offen für weitere Maßnahmen.“

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Andreas Kirzinger, Mitterstetten: „Die Aktion trägt zum positiven Image der Landwirtschaft bei. Das Projekt war Anstoß auf unserem spezialisierten Hopfenbaubetrieb kleine Lebensräume für Tiere zu schaffen. Wir haben Lesesteinhaufen und eine Hecke angelegt, die diesen als Unterschlupf und Nahrungsquelle dient. Für die Zukunft kann ich mir vorstellen, noch mehr Schutzmaßnahmen umzusetzen.“

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Franz Felbermair, Lampersthofen: „Auf unserem Marktfruchtbaubetrieb mit Schwerpunkt Kartoffeln bemühten wir uns bisher schon, durch den Einsaat von Blühwiesen auf wirtschaftlich uninteressanten Flächen in der Flur Lebensräume für Tiere zu schaffen. Heuer folgten weitere. Zudem achten wir bei der Auswahl der Fruchtfolge darauf, verschiedene Kulturen auszuwählen, um den Tieren stets eine Deckung haben.“

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Michael Geltl, Untermantelkirchen: „Umweltschutz gehört dazu und im Rahmen des Projekts haben wir zuhause auf unserem Hopfenbaubetrieb an einigen Ecken für die Rebhühner Sommerroggen angesät, die ihnen als Versteck dienen sollen. Außerdem war Heckenpflege angesagt. Das bedeutet, statt die Gehölze zu häckseln haben wir einen Haufen für die Tiere angelegt. Dort ist schon Leben eingekehrt. Der Blick für dieses Thema wurde verstärkt und wir können uns vorstellen, noch mehr in diese Richtung umzusetzen.“