Konferenz

Landwirte vermissen gesellschaftliche Anerkennung

Traktor
Lorenz Märtl
am Dienstag, 20.07.2021 - 11:01

Bei der BBV-Tagung in Amberg-Sulzbach und Neumarkte bewertete BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz aktuelle Entwicklungen.

Neumarkt/Amberg Online tagten Ortsobmänner und Ortsbäuerinnen der BBV-Kreisverbände Neumarkt und Amberg in einer gemeinsamen Veranstaltung. Dabei stellte sich Harald Gebhardt als neuer Leiter des Landwirtschaftsamtes Amberg-Neumarkt vor. Gebhardt hatte bisher bereits das Amt Neumarkt geleitet. Er informierte über die grundlegende Neuausrichtung der ÄELF seit dem 1. Juli.
Seine Kernbotschaft lautete: Es bleibt vor Ort alles so wie bisher, die bewährten Teams setzen sowohl in Neumarkt als auch in Amberg wie gewohnt ihre Arbeit fort, wobei Bildung und Beratung die zentralen Aufgaben sind. „Wir bieten Ihnen die Zusammenarbeit an, nehmen Sie uns intensiv in Anspruch“, war seine Bitte.

Kritik an Umschichtung von Geld in die 2. Säule

„Die Landwirtschaft ist in Pandemiezeiten zwar als systemrelevant eingestuft worden, was wir aber nicht verspüren, ist die gesellschaftliche Anerkennung“, betonte Josef Wutz, BBV-Bezirkspräsident der Oberpfalz. Er streifte die vielfältigen Themen der Agrarpolitik und nannte dabei den Kompromiss zur deutschen Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik GAP ab 2023 „schmerzhaft, mit etwas Licht und viel Schatten bei den Eckpunkten zur künftigen Agrarförderung“.
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Kritisch sieht Wutz die massive Mittelumschichtung von der 1. in die 2. Säule, die für alle Betriebe hinsichtlich des Einkommens spürbare Kürzungen nach sich zieht. Hier müsse gewährleistet sein, dass diese Gelder im Schwerpunkt an Landwirtschaftsbetriebe in der 2. Säule gehen.

Erfreulich für die bayerische Landwirtschaft ist aus Sicht des BBV-Bezirkspräsidenten dagegen die deutliche Verstärkung der Erste-Hektare-Regelung.

Kritik äußerte Wutz am Entwurf der EU-Forststrategie, der sich einseitig auf Biodiversität ausrichte und die nachhaltige Waldbewirtschaftung mit ihrer Klimaschutzwirkung in Frage stelle. Dies schränke nicht nur die Bewirtschaftungsfreiheit der Waldbesitzer massiv ein, sondern konterkariere eklatant die erklärten Klimaschutzziele. Zudem greife die EU-Kommission auf rechtlich unzulässige Art in die Zuständigkeit der Mitgliedsstaaten für die Forstpolitik ein.

Susanne Schreiner-Janning, Geschäftsführerin des BBV-Bildungswerks, zeigte sich erfreut, dass nach dem langen Lockdown jetzt auch wieder Bildungsveranstaltungen in Präsenz möglich sind. Jedoch werde man auch zukünftig zu gewissen Themen Online-Veranstaltungen beibehalten. Sie informierte über anstehende Seminare und machte zum Thema „Schule fürs Leben“ deutlich, dass dies nicht ein einziger Projekttag im Rahmen des Schulunterrichts sei, sondern eine ganze Woche umfasse. Dafür müsse die Schule ein Konzept entwickeln, vom Kultusministerium genehmigen lassen und dann auf Betriebe zugehen.

Im November beginnen die BBV-Verbandswahlen

Thomas Bayerl, Geschäftsführer der BBV-Kreisverbände Neumarkt und Amberg, informierte über die anstehenden Verbandswahlen, die laut Satzung in Präsenz stattfinden müssen. Der Zeitplan sieht vor, dass von Anfang Oktober bis Ende November dieses Jahres die Wahlen der Ortsobmänner und Ortsbäuerinnen stattfinden, wobei diese erstmals in einer gemeinsamen Veranstaltung über die Bühne gehen sollen.
Dies sei vor allem auch deswegen wichtig, weil über mögliche Fusionen von Ortsverbänden vor den ersten Wahlgängen abgestimmt werden muss. Auf Kreisverbandsebene finden die Wahlen dann im Februar 2022 statt. Zur weiteren Vorbereitung finden in den Kreisverbänden getrennte Präsenzveranstaltungen der Ortsobmänner und -bäuerinnen statt, in denen auf offene Fragen eingegangen wird.