Hofbesuch

Landwirte erläutern Abgeordnetem ihre Probleme

Hofbesuch
Florian Zach
am Donnerstag, 28.11.2019 - 15:15

So manche Vorschrift widerspreche jeder fachlicher Praxis, sei nicht begründbar und entspreche nur ideologischen Vorstellungen, so die Erfahrung der Landwirte.

Cham - Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Alois Mühlbauer in Zettisch bei Cham versammelten sich die stellvertretenden BBV-Kreisobmänner Franz Holzapfel und Thomas Frank, Kreisbäuerin Rosmarie Maier mit ihren Vertreterinnen Gertraud Zollner und Brigitte Luger sowie Franz Kerscher, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Cham, um dem örtlichen Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft vorzutragen.

Der Betriebsinhaber führte zu Beginn des Gespräches die Anwesenden durch seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Besichtigt wurden vor allem die Güllelager und die Fahrsiloanlage: Alois Mühlbauer wollte damit aufzuzeigen, dass auch von den schon vor Jahren gebauten Anlagen keine Flüssigkeiten austreten und die derzeit strengen Vorgaben der Anlagenverordnung beim Bau von Güllegruben und Fahrsilos „völlig überzogen“ seien.

Futterqualität beeinträchtigt

Bei der anschließenden Aussprache erklärte Mühlbauer den Anwesenden, vor allem aber dem Bundestagsabgeordneten Karl Holmeier, welche Auswirkungen die Auflagen der neuen Düngeverordnung für seinen Betrieb bedeuten. Bereits vor der Ausbringung von Düngemittel muss eine schlagbezogene Düngebedarfsermittlung erstellt werden. „Eine weitere Schwierigkeit stellt jetzt die Obergrenze von 170 kg Stickstoff pro Hektar für ausgebrachten organischen Dünger dar“, so der Betriebsleiter. Er führte aus, dass die Pflanzen einen höheren Stickstoffbedarf haben, dies aber aufgrund der neuen Verordnung durch die Gülle nicht ausgeglichen werden darf. Mit  Mineraldünger dürfe diese Unterversorgung zwar ausgeglichen werden, aber: „ Diese Vorgehensweise widerspricht jeder fachlichen Praxis, ist nicht begründbar und entspricht nur ideologischen Vorstellungen“, so der erfahrene Landwirt.

BBV-Geschäftsführer Franz Kerscher erklärte dazu, dass die Gülle und alle organischen Dünger ein schlechtes Image haben, obwohl es sich um eine wertvolle Bodennahrung handle.

Eine weitere Änderung und Verschärfung bei der Düngeverordnung kommt auf die Landwirte mit der bodennahen Gülleausbringung durch Schleppschuhverfahren oder Schlitztechnik zu. „Vor allem in den trockenen Sommermonaten bringt dies auf den Grünlandflächen große Probleme mit sich, weil die ausgebrachte Gülle am Grasaufwuchs antrocknet und dadurch zu einer schlechten Futterqualität führt“, warnten die stellvertretenden Kreis­obmänner Klaus Holzapfel und Thomas Frank. Die Landwirte favorisieren hier das „Möscha-Verteilsystem, das aber nicht als bodennahe Ausbringung anerkannt ist. Holmeier sicherte zu, sich hier mit entsprechenden Informationen zu versorgen und diese dann auch in die Fraktionsarbeit einzubringen.

Auch die neue Anlagenverordnung führt zu weiteren Problemen und hohen Zusatzkosten für die Landwirte. Beim Bau von Güllegruben und Fahrsilos müssen diese mit zusätzlichen Folien abgedichtet werden. Von Experten wird diese Maßnahme aber als Unsinn erachtet, da während den Bauarbeiten eine Beschädigung der Folie nicht ausgeschlossen werden kann. Mühlbauer berichtete, dass eine Gemeinde in der Region einen Klärbottich gebaut habe und dabei keine Folie einbauen musste. „Da entsteht bei uns Landwirten dann schon der Eindruck, dass mit zweierlei Maß gemessen wird“, machte er deutlich.

Weitere Themen waren das Agrarpaket und der Borkenkäfer. Vor allem durch den massiven Käferbefall befindet sich viel Schadholz auf dem Markt, was große Auswirkungen auf den Holzpreis hat. Hier spielt vor allem das sich ändernde Klima eine große Rolle. Den Schaden im Waldbereich durch schlechte Holzpreise und Kosten für Wiederaufforstung haben aber die Waldbesitzer alleine zu tragen, „obwohl die Klimaänderung von allen verursacht wird“, waren sich die Vertreterinnen und Vertreter des BBV einig.

Der Bundestagsabgeordnete versprach den Landwirten, sich zu den verschiedenen Themen zu informieren und nach tragbaren Lösungen oder Erleichterungen zu suchen. Er ermutigte aber die Anwesenden auch, sich für die berechtigten Interessen einer modernen Landwirtschaft einzusetzen und immer wieder bei passender Gelegenheit die Wichtigkeit der Landwirtschaft, vor allem als Nahrungsmittelproduzent und Pfleger der Kulturlandschaft der breiten Bevölkerung zu verdeutlichen.