Austausch

Landwirte brauchen vernünftige Perspektiven

Kuhherde in Tutzing
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Donnerstag, 22.07.2021 - 16:46

Die Oberpfälzer BBV-Spitze diskutierte mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Zu viele Betriebe hören auf.

Bei einer Videokonferenz hat die Oberpfälzer BBV-Bezirksvorstandschaft intensiv mit Bayerns Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Michaela Kaniber über die künftige Umsetzung der gemeinsamen europäischen Agrarpolitik diskutiert. Auch Abgeordnete aus Bundestag und Landtag waren der Einladung zur Aussprache mit den Vertretern des Bauernverbandes gefolgt. Die Moderation übernahm der Oberpfälzer Landtagsabgeordnete und Finanzminister des Freistaates Bayern, Albert Füracker.

BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz stellte in seinem Eingangsstatement heraus, dass in den letzten Jahren viele landwirtschaftliche Betriebe in der Oberpfalz aufgegeben haben und auch die Anzahl der gehaltenen Nutztiere, sowohl bei den Rindern als auch bei den Schweinen, seit Jahren rückläufig sei.

„Unsere Bauern brauchen vernünftige Perspektiven, sonst wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren noch verschärfen“, machte Josef Wutz deutlich. Er forderte in diesem Zusammenhang, die Einkommenswirksamkeit der Direktzahlungen gerade auch für kleinere und mittlere Betriebe, wie sie in der Oberpfalz anzutreffen sind, zu erhalten.

Junglandwirteförderung soll erhöht werden

Ministerin Michaela Kaniber berichtete, dass es in den Verhandlungen zur Umsetzung der gemeinsamen Agrarpolitik gelungen sei, die Förderung der ersten Hektare zu verbessern. „Davon werden auch viele Betriebe in der Oberpfalz profitieren“, so ihre Prognose. Auch die Junglandwirteförderung solle künftig erhöht werden und für Schafe, Ziegen und Mutterkühe werde es gekoppelte Zahlungen geben.

Kaniber Oberpfalz_b

Fest steht aber auch: 25 Prozent der Direktzahlungen werden nach den Vorgaben aus Brüssel künftig an besondere Ökoregelungen (Eco-Schemes) gebunden, „dabei sind Überschneidungen mit dem bayerischen Kulturlandschaftsprogramm leider nicht zu vermeiden“, bedauerte Kaniber und wies darauf hin, dass in Bayern bisher über das Kulturlandschafts- und Vertragsnaturschutzprogramm weit mehr Umweltmaßnahmen durchgeführt werden, als in allen anderen Bundesländern.

„Umso größer ist jetzt die Herausforderung, die bayerischen Agrarumweltprogramme zeitnah an die Neuregelungen anzupassen“, erklärte die Ministerin. Sie werde sich dafür einsetzen, dass frei werdende Gelder für die Landwirtschaft erhalten werden und für besondere Umweltleistungen und Anpassungen beim Tierwohl etc. in den Betrieben eingesetzt werden.

Bezirkspräsident Josef Wutz verwies auf die Vorschläge der Landesbauernverbände zur praxisgerechten Umsetzung der Ökoregelungen. So sei zum Beispiel die besondere Speicherung von CO2 auf Grünlandflächen mit einem Grünland-Klima-Bonus zu berücksichtigen. Auch die Vielzahl kleinerer Flächen mit entsprechend hohem Anteil an Feldrainen etc. sollte bei den Ökoregelungen besondere Berücksichtigung finden.

Beim Erneuerbare-Energien-Gesetz nachbessern

Vom stellvertretenden BBV-Präsidenten Ely Eibisch wurden notwendige Nachbesserungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz angesprochen. „Die Vergärung von Gülle und Mist in Biogasanlagen könnte einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, argumentierte Eibisch. Dazu müssten aber die Rahmenbedingungen zur Errichtung dieser Anlagen wesentlich verbessert werden, damit sie sich auch für kleinere und mittlere Tierhaltungsbetriebe rechnen.

Bezirksbäuerin Rita Blümel dankte der Ministerin für ihre Unterstützung bei den Projektwochen „Schule fürs Leben“. Sie stellte heraus, dass sich in der Oberpfalz bereits 120 Bäuerinnen und Bauern bereit erklärt haben, sich in das Projekt mit einzubringen.

Als weitere Themen wurden Schäden durch Wildtiere wie Graugänse und Fischotter, bauliche Auflagen bei der Errichtung von Tierwohlställen, die rückläufige Zulassung von Pflanzenschutzmitteln und die zunehmend notwendige Bewässerung in Zeiten des Klimawandels angesprochen. Die Teilnehmer waren sich abschließend einig, den gegenseitigen Austausch fortzuführen. „Wenn man über Fragen und Probleme rechtzeitig diskutiert, dann ist es immer noch am ehesten möglich, Lösungsansätze zu erarbeiten“, waren sich Kaniber und Wutz einig.