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Landvolkshochschule St. Gunter in Niederalteich

Landvolkshochschule: Zur Landwirtschaft stehen

Niederalteich neue Leiterin_b
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Donnerstag, 02.06.2022 - 07:49

Barbara Schmidt ist neue Leiterin der Landvolkshochschule Niederalteich. Eines von ihr gestecktes Ziel ist, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft zu verdeutlichen.

Die Landvolkshochschule St. Gunter in Niederalteich bei Deggendorf ist ein fester Begriff in der Landwirtschaft Niederbayerns. Viele junge Menschen aus niederbayerischen und oberpfälzer landwirtschaftlichen Betrieben haben hier ihren Grundkurs absolviert. Viele Veranstaltungen und Diskussionen, in deren Rahmen nicht selten auch prominente Vertreter der Agrarpolitik oder des Bauernverbandes referierten, sorgten für eine überregionale Ausstrahlung.

Jetzt hat die Bildungseinrichtung eine neue Leiterin: Zum 15. April 2022 übernahm Barbara Schmidt diese Aufgabe von Elisabeth Simon, die auf eigenen Wunsch eine neue Stelle in ihrer Heimatdiözese München und Freising antrat. Schmidt ist Diplom-Theologin und Trainerin für transkulturelles Lernen und Konfliktbearbeitung und leitete bisher das Büro des kirchlichen Hilfswerkes Misereor in München.

Ganze Kraft und Energie für die neue Aufgabe

Dass sie sich ihrer neuen Aufgabe als Leiterin der Landvolkshochschule in Niederalteich mit ganzer Kraft und Energie widmen will, daran lässt die 38-Jährige, die aus Ruderting im Kreis Passau stammt, keinen Zweifel: Sie freut sich darüber, dass sie wieder „zurück in der Heimat ist, in der meine Wurzeln liegen“, Und sie hat auch schon gut zu tun: „Derzeit arbeiten wir bereits am Programm für das kommende Jahr, da kann ich mich schon sehr gut einbringen mit meinen Vorstellungen“.

Was sagt sie dazu, dass es in den letzten Jahren immer wieder auch Kritik gab an der Ausrichtung der Landvolkshochschule, die sich, so war zu hören, von den Belangen der Landwirtschaft zu weit entfernt habe? Die neue Leiterin der renommierten Bildungseinrichtung betont, dass an sie persönlich derartige Gedanken noch nicht herangetragen wurden, aber sie macht auch deutlich: „Die Landwirtinnen und Landwirte gehören zu unseren wichtigsten Zielgruppen, das ist für mich eine ganz klare Feststellung.“ Und sie sehe es auch als ihre Aufgabe, die gesamtgesellschaftliche Bedeutung der Landwirtschaft durch die Arbeit der Landvolkshochschule noch deutlicher zu machen.

„Wir müssen aufzeigen, dass es ohne Landwirtschaft keine Nahrung gibt, dass die Landwirtschaft aber auch wichtige Aufgabe in den Bereichen des Naturschutzes erfüllt“. Für sie sei klar: „Wir sind als Bildungseinrichtung auf jeden Fall Unterstützer der Landwirtschaft“.

Persönlichkeitsbildung bleibt im Fokus

Schmidt sei aber auch bekannt, dass von vielen Seiten die Einstellung der Grundkurse bedauert wurde, doch dies sei auch der schneller werdenden Zeit geschuldet: „30 Tage Grundkurs, das ist heute fast nicht mehr möglich“, sagt die neue Leiterin. Allerdings habe man in der Landvolkshochschule die Zeichen der Zeit durchaus erkannt und setze deshalb nun verstärkt auch auf andere Kurse zur Persönlichkeitsbildung. So seien alljährlich aus mehreren Landwirtschaftsschulen junge Leute im Klassenverbund in Niederalteich zu Gast, dann gehe es um Bereiche wie Rhetorik ebenso wie die Reflexion der betrieblichen Situation auf den heimischen Höfen.

Schön sei es aber, dass die Ehemaligen-Treffen der Niederalteicher Grundkursteilnehmer immer noch auf große Resonanz stoßen: „Während der Corona-Pandemie war es leider nicht möglich, diese Treffen durchzuführen, doch jetzt geht es wieder los“. Ebenfalls gerade für die Landwirtschaft wichtig sei beispielsweise auch das Angebot an Informationsveranstaltungen zur außerfamiliären Hofübergabe, hier sei der Informationsbedarf groß.

Resilienz: Auch in der Landwirtschaft ein Thema

Besondere Bedeutung misst Barbara Schmidt den „inneren Belangen“ der Bäuerinnen und Bauern zu, hier nennt sie das Stichwort „Resilienz“, ein Begriff, der ihrer Überzeugung nach noch wichtiger werden wird, vor allem auf den bäuerlichen Betrieben: „Die Menschen stehen insbesondere in der Landwirtschaft vor immer neuen Herausforderungen, da ist es durchaus wichtig, dass man nicht vergisst, auch auf sich zu achten und mit sich selbst gut umzugehen“, hält sie fest.

Chancen aufzeigen für die Landwirtschaft, die Möglichkeit für den Dialog zu bieten, von dem alle Seiten profitieren: das sind ebenfalls Ziele, die sich Barbara Schmid gesetzt hat. Dabei will sie auch weiterhin auf die christliche Grundlage der Einrichtung setzen, denn: „Viele Menschen sind auf der Suche nach Werten, der christliche Bildungsansatz kommt dem sicher sehr entgegen.“