Seminar

Die Landnutzung radikal verändern

Direktsaat
Lorenz Märtl
am Dienstag, 08.06.2021 - 14:00

Die BBV-Verbände Amberg und Neumarkt beschäftigen sich mit Landwirtschaft und Nachhaltigkeit. Doch es benötige massive Veränderungen.

Neumarkt/Amberg Die Online-Seminarreihe „Landwirtschaft und Nachhaltigkeit“ der Öko-Modellregionen und der BBV-Kreisverbände Amberg-Sulzbach und Neumarkt stieß mit einer gut aufeinander abgestimmten Themenvielfalt auf großes Interesse.

Zum Auftakt formulierte Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Agrarwissenschaftler, Biolandwirt und Vorstandsvorsitzender des BÖLW (Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft), drei Thesen, welche die Richtung vorgaben: Produktivität ist nicht der alleinige Schlüssel zur globalen Ernährungssicherung; die industrielle Landwirtschaft wird auf Dauer nicht funktionieren und es gibt eine ökologische Alternative, die es erlaubt alle Menschen auf diesem Planeten zu ernähren.

Massive Änderung nötig

Seine Überzeugung: „Mit Bio können wir Ernährung und Landwirtschaft so umbauen, dass wir die Herausforderungen der Zeit, wie Klimakrise, Welternährung und die Endlichkeit natürlicher Ressourcen meistern.“

Der Referent ließ aber keinen Zweifel daran, dass dafür massive Veränderungen notwendig sind. Zuversichtlich stimme ihn die Tatsache, dass dies immer mehr Akteure erkennen. Das bayerische Ziel, bis 2030 den Ökoanteil auf 30 % zu steigern, sei dabei ein richtiger und wichtiger Schritt, aber zugleich müsse klar sein, dass auch die restlichen 70 % Landwirtschaft nicht so weitermachen können wie bisher. Die Lösung liege in stabilen Systemen, die sich durch Vielfalt auszeichnen. Bio müsse dabei der „Pfadtrampler“ für einen breiten Weg sein, dem dann viele folgen.

Im Einklang mit der Natur

Einer dieser „Pfadtrampler“ ist Sepp Braun, Urgestein der bayerischen Bio-Szene, der mit Prinz von Löwenstein der festen Überzeugung ist, dass es auf Dauer Lösungen nur im Einklang mit den Gesetzmäßigkeiten der Natur geben wird. „Wir müssen Landnutzung radikal verändern“, formuliert es der eine, „gezielt Vielfalt herstellen, die Biodiversität schafft“, der andere.

Die Funktion natürlicher Systeme müsse man verstehen und nicht bekämpfen. Einigkeit herrscht auch in dem Punkt, dass die Landwirtschaft das Potenzial zur Lösung hat, wenn man sich gemeinsam überlegt, wie man den Herausforderungen gerecht wird.

Alte Tugenden nutzen

Eine dieser zentralen Herausforderungen ist „lebendiger Boden“. Der braucht Humus und für dessen Aufbau sieht Sepp Braun wichtige Stellschrauben im Ackerbau. Er berichtete aus seiner praktischen Arbeit und die Wissenschaftler Dr. Martin Wiesmeier und Florian Ebertseder von der LfL trugen ihre Erkenntnisse bei. Angesichts der Klimaveränderungen und der damit verbundenen Trockenperioden und Starkregenereignisse müssten Land- und Forstwirtschaft sowie Städtebau den Bodenschutz gemeinsam bewältigen. Nur die alten Tugenden der landwirtschaftlichen Bodenpflege, wie Bodenleben, keine Verdichtung und dauerhafte Bedeckung, mit der man das Wasser in der Fläche halte, wären die Garantie für dauerhaft stabile Erträge.

Landwirte Teil der Lösung

Humusaufbau sei auch deswegen so wichtig, weil dadurch CO2 in großen Mengen gebunden werde. Dies sei in den Händen der Landwirtschaft ein enormes Potenzial zum Klimaschutz, das man nutzen müsse.
Dr. Anette Freibauer, ebenfalls von der LfL, beleuchtete die durch das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung und die bayerische Klimaschutzoffensive gesetzten politischen Rahmenbedingungen. Herausforderungen sind die Senkung der Stickstoffüberschüsse, die energetische Nutzung von Wirtschaftsdünger, der Ausbau des Ökolandbaus, Emissionsminderungen in der Tierhaltung, Erhöhung der Energieeffizienz, Humusaufbau im Acker, Erhalt von Dauergrünland und Schutz der Moorböden.

BBV-Umweltreferent Andreas Puchner zeigte auf, dass diese Vorgaben die Landwirtschaft enorm fordern, Klimaschutz aber zugleich ein neues Geschäftsmodell sein kann. „Wir Landwirte sind keine Klimakiller, sondern Teil der Lösung, denn Land- und Forstwirtschaft können CO2 langfristig binden“, betonte er.