Deko-Plätzchen

Kunstvoll verzierte Weihnachtsplätzchen

Kunst
Melanie Bäumel-Schachtner
am Mittwoch, 23.12.2020 - 16:11

Eine Weihnachtswunderwelt ganz aus Butterteig lässt Cathi Reichel entstehen.

Straubing - Glitzernde und funkelnde Sterne, perlenbesetzte Herzen, reich verzierte Schlitten, Weihnachtshäuschen mit Tannenzweigen und Lichtergirlanden, der bärtige Nikolaus und sein Rentier mit der roten Nase – diese Weihnachtswunderwelt ist ganz aus Butterteig. Jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit lässt Cathi Reichel – wie so viele Landfrauen -  diese Köstlichkeiten zusammen mit Freundin Bettina in der heimischen Küche entstehen. Die beiden Deko-Begeisterten aus Straubing backen zwar gern, noch lieber aber verzieren sie die Plätzchen mit bunter Lebensmittelfarbe in stundenlanger mühevoller Kleinarbeit und erschaffen so wahre Kunstwerke. Die Leckereien sind heiß begehrt, aber nicht zu kaufen – sie werden nur an liebe Menschen verschenkt.

Reichel

Cathi Reichel sitzt am großen Tisch in ihrer „guten Stube“, vor sich eine Backunterlage. Sie hält einen flachen Stern, der aus zwei ebenmäßig gebackenen, mit Marmelade sorgfältig zusammengeklebten Hälften besteht, in der Hand und streicht ihn mit dunkelblauer Lebensmittelfarbe ein. Dann nimmt sie einen mit dickflüssiger, weißer Flüssigkeit gefüllten Spritzbeutel und zieht dünne weiße Linien, die zu Eiskristallen werden. In die Spitzen des Sterns kommen winzige Punkte und in der Mitte eine Perle. Ihre Miene ist konzentriert. Dann hält sie das Plätzchen ein wenig von sich weg, lächelt zufrieden und legt es auf eine hölzerne Unterlage.

Auf dem Holzbrett tummeln sich bereits bereits viele verschiedene Sterne und Herzen mit den verschiedensten Dekors. Von jedem dieser Plätzchen gibt es nur zwei gleiche Stücke – eine für Cathi, eine für ihre Freundin Bettina. Stundenlang sitzen die beiden Straubingerinnen fast jeden Tag sechs Wochen ab Mitte Oktober zusammen und verzieren die vorher gebackenen Plätzchen. „Das ist unsere große Leidenschaft und macht uns riesig Spaß“, sagt Cathi Reichel, die als Bürokauffrau arbeitet und einen Ausgleich zur Excel-Tabelle und dem Word-Dokument in ihrer Freizeit sucht. „Die Zeit und den Aufwand darf man dabei nicht rechnen, es ist alles Liebhaberei.“

Als Clique gestartet

Seit vielen Jahren geht das schon so in der Vorweihnachtszeit. „Damals fand sich eine Clique von rund zehn Leuten zusammen. Denn wir hatten gemerkt, dass jeder etwas anderes gut kann – der eine backen, der andere dekorieren. Und wir waren der Meinung, dass wir nur zusammen Plätzchen hinbekommen, die nicht nur gut schmecken, sondern auch schön aussehen“, blickt Cathi Reichel zurück. Da dieses Hobby Unmengen von Zeit in Anspruch nimmt, blieben bald nur noch Cathi und Bettina übrig - die beiden betreiben nun seit neun Jahren gemeinsam ihre Kunst auf Plätzchen und haben ihre Fertigkeiten immer mehr perfektioniert.

„Man sagt uns, dass unsere Platzerl jedes Jahr schöner werden“, sagt Cathi Reichel stolz und umrandet ein weiteres Herz, das sie zuvor mit dunkelroter Lebensmittelfarbe gefärbt hat, mit einer zarten, goldenen Linie. Bis der Nikolaus mit Sack, gelocktem Bart, rotem Mantel und aufwändiger Gürtelschnalle fertig ist oder ein Weihnachtshäuschen mit bunten Lichtern und kunstvollen Fensterrahmen, kann schon einmal 20 Minuten pro Plätzchen vergehen. Die beiden Freundinnen lassen sich nicht hetzen und genießen es, jedes Plätzchen in aller Seelenruhe zu verzieren. Vieles ist Phantasie, manchmal holen sie sich Anregungen von Youtube-Videos, die sie inspirieren, die aber weiter verfeinert werden. „Aber grundsätzlich sind wir immer auf der Suchen nach neuen Ideen und auch neuen Ausstechern“, sagt Reichel.

Aufwändige Verzierung, lustige Elche und Tannenbäume

Weihnachten

So gibt es aufwändige Christbaumkugeln in Grüntönen mit aufwändiger Verzierung, lustige Elche mit mächtigem Geweih, Tannenbäume mit kunterbunten Kugeln auf Eisgirlanden, filigrane Bärchen mit Latzhose und Halstuch und den Kopf vom Weihnachtsmann mit roter Pudelmütze und einem dicken Rauschebart. Verwendet werden seit einiger Zeit sogenannte Icing-Farben. Das sind Lebensmittelfarben auf Eiweiß-Basis, die von den Freundinnen angerührt werden und noch einige Geheimzutaten hinzugefügt bekommen, damit sie sich besser streichen lassen und langanhaltend glänzen – aber die werden nicht verraten. Es gibt sie in verschiedenen Konsistenzen: Flüssiger für die Grundierung, fester für die Zierbordüren und Tupfen. Weitere Hilfemittel sind lediglich feine Pikser, mit denen die Perlen aufgenommen und platziert werden können, und Zahnstocher, um Linien zu verwischen. Damit die Zeit nicht lang wird, hören Cathi und Bettina bei der Arbeit gemeinsam Hörbücher – gerne historische Romane mit einem Tick Fantasy.

So entstehen innerhalb von sechs Wochen rund 500 Plätzchen. Die Freundinnen backen auch weniger aufwändige Sorten wie Nougatstangen und Marmeladenplätzchen, um eine Auswahl nicht nur fürs Auge parat zu haben, die sie dann Anfang Dezember verschenken. „Wir verkaufen sie nicht, sie gehen an die Familie und Freunde, die sich riesig freuen“, so die Plätzchen-Künstlerinnen. Dass die süßen Kunstwerke zu schade zum essen sind, finden beide übrigens nicht: „Das sind dennoch immer noch Lebensmittel. Unsere Devise lautet: Ansehen, bewundern und genießen.“