Positionspapier

KLB äußert sich zu Landwirtschaft und Klimaschutz

Landvolk_gk
Theresia Wildfeuer
am Montag, 23.09.2019 - 10:50

KLB Passau stellt ihr neues Positionspapier für eine Agrarwende vor

Passau „Die Landwirtschaft kann als Betroffene, Verursacher und Teil der Lösung mit einem nachhaltigen Ansatz einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“ Das hat der Arbeitskreis (AK) Landwirtschaft der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) in der Diözese Passau auf einem Pressegespräch zu seinem Positionspapier „Landwirtschaft und Klimaschutz“ betont. Die KLB fordert schnelle, zählbare Schritte zur Agrarwende, etwa in Form eines CO2-Preises. Klimaschutz gehe alle an. Die KLB habe sich schon 2016 für eine CO2-Bepreisung ausgesprochen, sagte Arbeitskreisleiter Alfred Hainthaler. Diese habe eine Lenkungsfunktion.

Die Landwirtschaft sei von der Erderwärmung stark betroffen, betonten Hainthaler sowie die Biobauern Dankesreiter und Tutsch zu Beginn. Die Sommer würden heißer und trockener. Starkregenfälle sowie Wasser- und Winderosion nähmen zu. Damit verschlechterten sich die Bedingungen für die Landwirtschaft zusehends. Es gelte daher, durch Fruchtfolgen, gute Humuswirtschaft und weitere ackerbauliche Maßnahmen für einen „lebendigen Boden“ zu sorgen, damit möglichst viel Wasser versickern kann und gespeichert wird. Das Wasser müsse vor Ort bleiben, denn es sei positiv für das örtliche Klima, binde CO2. Dies sei von der öffentlichen Hand zu fördern. Das bayerische Kulturlandwirtschaftsprogramm reiche jedoch nicht aus.
Die Landwirtschaft werde das Klima nicht retten, sagte Hainthaler. Klimaschutz gehe die gesamte Gesellschaft an. Alle müssten ihre Hausaufgaben machen. Wie die Agrarwende gelingen kann, zeigte der AK anhand verschiedener Punkte auf. Er hofft bei der Umsetzung auf staatliche Unterstützung. An erster Stelle stehe die Steigerung der Stickstoffeffizienz und die Reduktion der Stickstofüberschüsse, die rund 100 kg/ha betragen, sagte Tutsch. Sie belasteten das Klima und die Ökosysteme. Die KLB tritt daher für eine flächengebundene Tierhaltung nach dem Richtwert zwei GV/ha und für einen verstärkten Einsatz von tierischem Dünger in Biogasanlagen ein. Nährstoffkreisläufe seien zu schließen, um klimabelastende Stoffausträge zu minimieren, erläuterten die AK-Mitglieder.
Als zweiten wichtigen Punkt nannte der AK den Erhalt und die Steigerung der organischen Substanz im Boden. Der Humusgehalt sei nicht nur für die Fruchtbarkeit der Böden entscheidend, sondern auch für die Wasserspeicherung. Böden seien zudem wichtige Kohlenstoffspeicher. Die KLB fordert ein restriktives Grünlandumbruch-Verbot, auch für Ökobetriebe, den Schutz der Moore, Förderprogramme für die Wiedervernässung von Mooren sowie eine humusmehrende Bewirtschaftungsweise.
Der KLB sei wichtig, eine sachorientierte Diskussion um verantwortungsvolle Ernährungsstile anzustoßen, sagte Tutsch und verwies auf Punkt drei. Konsumenten und Handel freuten sich über billige Produkte. Doch ökologisch erzeugte Lebensmittel erforderten einen höheren Preis. Die Mitglieder mahnten zudem an, weitgehend auf Nahrungsmittel zu verzichten, die mit dem Flugzeug transportiert werden und stattdessen regionale und saisonale Lebensmittel zu kaufen.
Tierische Lebensmittel wiesen außerdem einen größeren ökologischen Fußabdruck auf als pflanzliche, führte Hainthaler aus. Der AK wolle niemandem vorschreiben, was man essen soll. Die Produktion von tierischen Lebensmitteln erfordere aber mehr Fläche und Intensität, gab er zu bedenken. Der zunehmende Import von Sojaschrot als Futtermittel bewirke, dass verstärkt Regenwald abgeholzt wird, ergänzte Schmidt. Heimische Bauern könnten mit billigem Fleisch aus Argentinien nicht mithalten. Umgekehrt zerstörten Agrargüter aus der EU Märkte in Afrika.
Die KLB wolle keineswegs konventionelle Landwirte als Sündenböcke hinstellen und angreifen, unterstrich Heumilchbauer Martin Höfler. Es gelte vielmehr, gemeinsam Verbesserungen zu erreichen. Hauptaufgabe der Bauern sei, gesunde Lebensmittel für die Verbraucher auf den Markt zu bringen. Er appellierte an die Konsumenten, auf Regionalität zu achten.