Grünlandernte

Kitze: Tödliche Mahd verhindern

Lorenz Märtl
am Mittwoch, 24.06.2020 - 08:01

Oberpfalz: Jungbauernschaft startet große Informationsaktion „Mäh kein Reh“

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In diesen Wochen steht der erste Grasschnitt an, ein Termin, der oft mit der Kinderstube von Reh, Feldhase, Fasan und Rebhuhn in den zu mähenden Wiesen, Randstrukturen und Übergängen kollidiert. Um die Jungtiere vor den meist tödlichen Messern der Mähwerke zu retten, kommt mittlerweile modernste Technik zum Einsatz, für die jetzt von der Bayerischen Jungbauernschaft im Rahmen der Aktion „Mäh kein Reh“ auf den Wiesen von Landwirt Richard Götz aus Thann, im Tal der Weißen Laber zu früher Morgenstunde eifrig die Werbetrommel gerührt wurde.

Organisiert hatten diese Demonstration Landesvorsitzender Georg Rabl und sein Stellvertreter Stefan Maget, die dazu neben interessierten Bauern und Jägern auch den Behördenleiter des Landwirtschaftsamtes Neumarkt, Leitenden Forstdirektor Harald Gebhardt, begrüßen konnten.

Es wird schon viel getan für den Tierschutz

Rabl und Maget machten klar, dass man der Öffentlichkeit aufzeigen wolle, was alles für den Schutz von Wildtieren getan wird und Landwirte den Mähtod niemals billigend in Kauf nehmen würden.
Die sicherste Methode, Wildtiere im Gras aufzuspüren und zu retten, ist der Einsatz von Drohnen mit Wäremebildkameras. Diese stellte Dr. Kathrin Umstätter von der Firma Geo-Konzept vor, die Satellitennavigations- und GIS-Technologien für Land- und Forstwirtschaft anbietet. An der im Einsatz gezeigten Drohne ist eine Wärmebildkamera mit einer Auflösung von 320 x 256 Pixeln installiert. Über eine vorab definierte Route flog die Drohne die ausgesuchten Wiesen systematisch in Streifen ab. Umstätter: „Ganz wichtig ist es, in den frühen Morgenstunden zu fliegen. Sobald die Sonne herauskommt erwärmt sich der Boden und macht es schwer, Tiere zu finden.“

Luftüberwachung bringt echten Nutzen für Tiere

Zeichnen sich auf dem Display helle Punkte ab, kann die Pilotin die Drohne stoppen und händisch näher an das Objekt steuern, um es genauer zu sehen. Bei einer Flughöhe von meist 50 m, einer Geschwindigkeit von fünf Metern pro Sekunde und 20 % Überlappung der Flugbereiche braucht die Drohne für einen Hektar etwa 18 Minuten. Dabei muss man den Bildschirm ständig im Blick haben, um Veränderungen wahrzunehmen.
An zwei Stellen scheuchte die Drohne Hasen und ein Reh auf. Zwei weitere Punkte entpuppten sich als Rehkitze, von denen eines schon alt genug war und deswegen das Weite suchte. Das andere wurde gerettet. Rehkitze sind optisch perfekt getarnt, ducken sich wenn Gefahr droht und verharren regungslos, was sie zwar vor natürlichen Feinden aber nicht vor den herannahenden Mähwerken schützt. Hat man ein Rehkitz entdeckt, sollte dieses – geschützt mit zwei Grasbüscheln – außerhalb der Wiese abgelegt werden, wo es dann von der Ricke weiter betreut wird.

Rettung ist möglich auch für andere Wildtiere

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Doch mit dem Einsatz einer Wärmebild-Drohne können auch andere Wildtiere gerettet werden, nachdem Fasan und Rebhuhn am Boden brüten, das Rebhuhn erst jetzt mit der Brut begonnen hat. Die gut getarnten und unauffälligen Nester legen sie gerne in nicht zu dichte extensive Wiesen, an Randbereiche von intensiv genutzten Wiesen und Übergängen zu anderen Strukturen. Oft ist es auch nur der schmale Feldrain, der mit seiner unterschiedlichen Struktur für Deckung sorgt und einziger Lebensraum ist.

Bei der Heumahd und der immer noch üblichen Feldrain-Hygiene durch Mulchen sind die Hühner großer Gefahr ausgesetzt, ausgemäht oder zerschlagen zu werden. Eine brütende Henne wird ihr Nest nicht oder gar im letzten Moment verlassen, so dass der Schlepperführer nicht mehr handeln kann.

Beim Rebhuhn ist die Rettung auch Artenschutz

Balduin Schönberger von der Wildlebensraumberatung der Oberpfalz am Landwirtschaftsamt in Amberg hat deswegen in fünf Gebieten der Oberpfalz, in denen bereits über mehrere Jahre in enger Zusammenarbeit mit Landwirten und Jägern lebensraumverbessernde Maßnahmen durchgeführt werden, einen Versuch gestartet. Unmittelbar vor der Mahd wurde geflogen, um speziell brütende Hennen und Gelege zu finden, den Neststandort zu kennzeichnen und großflächig auszusparen.
Schönberger zum Ergebnis: „Für uns alle war der Versuch eine große Bereicherung, da man diese moderne Technik auch durchaus zur Rettung der bedrohten Rebhühner einsetzen kann und alles Machbare zum Schutz der letzten Rebhühner in der Oberpfalz getan werden muss.“ Aber nicht immer steht eine Drohne mit Wärmebildkamera zur Verfügung.
Auf jeden Fall sollte man Kontakt mit dem Jagdpächter aufnehmen, denn der hat das Wissen und die Beobachtungen wo sich Wildtiere aufhalten. Man kann Pfähle mit Flatterband aufstellen, „die wirtschaftlichste und einfachste Methode Wild zu vergrämen“.

Auch Schallkanonen am Traktor zeigen Wirkung

Zum Einsatz bringen kann man auch einen Rehkitz-Retter, der Mithilfe eines Mikrochips im Inneren des Gerätes Ton- und Lichtsignale in unterschiedlichen Zeitabständen mit unterschiedlicher Dauer abgibt. Das Zufallsprinzip sorgt dafür, dass sich das Wild nicht daran gewöhnt.
Und es gibt auch noch die Schallkanone, die schrille Töne von 160 Dezibel Lautstärke von sich geben und so Wildtiere verscheuchen. Die Schallkanone ist am Mähwerk oder am Traktor angebracht und zeigt durchaus eine befriedigende Wirkung.