Crowdfunding

Kitze retten mit Drohne

Anett Bauer
am Dienstag, 10.11.2020 - 09:44

Der Rottaler Tierarzt Alexander Horak startet ein Crowdfunding-Projekt zum Kauf einer Wärmesensor-Drohne.

„Jeder kann ein Kitzretter sein“: So lautet der Wunsch und Appell des Eggenfeldener Tierarztes Alexander Horak. Er hat ein ungewöhnliches Crowdfunding-Projekt auf einer Plattform der Sparkasse Rottal-Inn gestartet: Wenn genügend Geld zusammenkommt, dann soll damit der Kauf einer Drohne ermöglicht werden, die mit einem Wärmeerkennungssystem ausgerüstet ist. Mit diesem System ist es möglich, Rehkitze zu retten, die nach Horaks Überzeugung immer noch viel zu oft Opfer von landwirtschaftlichen Maschinen werden.

Kitze sind bei der Mahd nicht gut zu erkennen

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Das Thema bewegt viele Tierfreunde, aber auch Landwirte und Jäger in der Region: Immer wieder werden Rehkitze, die sich im hohen Gras vor Feinden verborgen halten, beim Mähen getötet. „Die Landwirte können von ihren großen Maschinen herab die sehr gut versteckten Tiere nicht rechtzeitig erkennen“, so Tierarzt Horak, der deshalb den Landwirten auch keinen Vorwurf machen möchte: „Es macht ja niemandem Freude, so ein Tier zu töten und es ist kein schöner Anblick, wenn man dann das Muttertier dabei beobachtet, wie es nach dem Kitz sucht“, so Horak.

Doch auch ganz praktische Gründe sprechen dafür, die Kitze zu retten: Das Grüngut, das als Futter gemäht wird, ist für eine Verfütterung nicht mehr geeignet. Deshalb ergreifen Bäuerinnen und Bauern auch selbst die Initiative, Helfer laufen vor der Mahd die Wiesen ab, „aber leider werden dabei immer noch hilflose Tiere übersehen“, weiß Horak.

Drohen kostet rund 12.000 €

Mit einer hochwertigen und rund 12.000 Euro teuren Drohne will Dr. Horak mit seinem ehrenamtlichen Helferteam diesem „Tier- Drama“, wie er es nennt, ein Ende machen. „Viele Landwirte in der Region werden von der Anschaffung profitieren“, wie der Jäger, Tierarzt und leidenschaftliche Naturschützer betont. Horak engagiert sich seit Jahrzehnten für eine intakte Umwelt und schafft mit eigenen Mitteln kleine Naturoasen und Biotope, um den Tieren einen Rückzugsort zu bewahren. „Mir ist es wichtig, dass wir gut mit Flora und Fauna umgehen“, betont er. Sein „Herzensprojekt“ sei jetzt die Drohne, mit deren Hilfe er noch mehr Rehe vor dem Mähwerk retten will.

Unterstützt wird er mittlerweile bei seiner Initiative vom Verein „HeimatUnternehmen zwischen Isar und Inn“. Dieser Verein unterstützt kreative und aktive Menschen, die etwas bewegen wollen in der Region. „Wichtig sind Eigeninitiative und der Wille, für die eigene Sache auch ins Risiko zu gehen“, sagt die Projektleiterin des Vereins, Regina Westenthanner. Zu den Mitgliedern zählen Unternehmen, Direktvermarkter, Startups und Privatpersonen, die etwas „vorwärtsbringen“ wollen in ihrer Heimat. „Wir wollen gemeinsam den Landkreis Rottal-Inn attraktiv mitgestalten, die Natur und ihre Lebewesen gehören da für mich ganz einfach dazu“, sagt Alexander Horak.

Helferteams reagieren auf Wärmeedaten der Drohne

Der Einsatz der Drohne soll dazu beitragen, dass vor dem Mähen keine Kitze mehr übersehen werden: „Die Drohne kann die zu mähende Fläche überfliegen und erkennt dabei die Wärme, die von dem im Gras versteckten Kitz ausgeht. Der Drohnensteuerer kann dann einem Helfer vom Geländerand Bescheid geben, der jetzt das Tier fachmännisch retten kann“, so Horak.
Die Crowdfunding-Aktion von Alexander Horak gehört zu einer Reihe von Projekten, die von der Sparkasse Rottal-Inn auf der Plattform www.einfach-gut-machen.de/rottal-inn ermöglicht werden. Die Plattform steht Vereinen und gemeinnützigen Organisationen kostenlos zur Verfügung und trägt entscheidend dazu bei, gemeinnützige Projekte zu finanzieren und zu realisieren. Anett Bauer