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Umweltprojekt

Wer kennt die Wilde Karde?

17. Juli 2020 Blühfläche
Gabi und Nobert Bleisteiner, Kastl
am Freitag, 18.09.2020 - 05:09

Eine 6200 qm große Ackerfläche mit mindestens 40 blühenden Pflanzen wurde im Gemeinschaftsprojekt von Familie Bleisteiner und der Gemeinde Kastl in Mennersberg angelegt.

Das Projekt wurde mit der Gemeinde schon vor der Initiative „Rettet die Bienen“ und ohne staatliche Förderung gestartet. Der Markt Kastl legte bei der Verpachtung Wert darauf, dass bei der Bewirtschaftung ökologische Leistungen erbracht werden. Die Familie Bleisteiner machte ein Angebot dazu.

Wilde Karde 1

Eine Pflanze, die eine Wuchshöhe von bis zu zwei Metern erreicht, sticht hier besonders ins Auge, die Wilde Karde. Sie lockt vor allem Hummeln und Schmetterlinge an. Die Blätter sind an den Stängeln wie Trichter geformt. In denen sammelt sich Wasser, das als Durstlöscher für Vögel dient. Daher auch ihr botanischer Name „Dipsacus fullonum“. Das griechische Wort „dipsa“ bedeutet „Durst“. Die ganze Pflanze ist mit spitzen Stacheln übersät, das macht sie ziemlich wehrhaft. Bereits im Mittelalter wurde die Pflanze als Heilmittel verwendet. Sie hilft gegen Warzen, Leberbeschwerden, Akne und Gerstenkörner. Ihre Wurzel soll auch gegen die von Zecken ausgelöste Krankheit Borreliose helfen, das ist aber wissenschaftlich nicht belegt. Außerdem wachsen noch viele weitere spektakuläre Pflanzen auf der Fläche.

Bevölkerung gewinnen

Es ist eine Herausforderung, der Bevölkerung die bereits erbrachten Leistungen bewusst zu machen. Deshalb fand bereits im September 2019 ein Biodiversitäts- und Klimaschutztag in Kastl statt. Damals befand sich die Fläche im 1. Jahr nach der Aussaat. Sie hat sich im 2. Jahr fantastisch entwickelt – eine unheimliche Vielfalt an Pflanzen und somit auch an Insekten, Schmetterlingen, Bienen Vögeln usw. befindet sich dort. Ein Augenschmaus dieses Spektakel zu beobachten. Leider hat die Biodiversität aktuell an Bedeutung verloren, der Klimaschutz erledigt sich jedoch nicht von selbst und es liegt noch viel Arbeit vor uns. Um die Wahrnehmung zu fördern, haben Norbert und Gabi Bleisteiner in Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem dortigen Bürgermeister Stefan Braun eine Hinweistafel aufgestellt, wo auf die Fläche und das Projekt hingewiesen wird. Zur Pflanzenbestimmung wurde ein Heft erstellt, das mit Abbildungen und Pflanzennamen die Zuordnung erleichtert. Die Vorstandschaft des Obst- und Gartenbauvereins Kastl hat eine Begehung veranstaltet und war von der Vielfalt begeistert. Obwohl hier viel Fachwissen vorhanden war, gab es doch einen Lernzuwachs über einige unbekannte dort wachsende Pflanzen. Auch unbekannte Tiere konnten dort entdeckt werden. Jetzt kann das neue Wissen zuhause zu Hause weitergegeben werden.

Kamera dokumentiert

Die Lehranstalten Triesdorf stellen eine Insektenkamera zur Verfügung, um quantitativ die Population von Insekten beobachten und dokumentieren zu können. Ziel des Vorhabens ist, für Kommunen aufzuzeigen, wie Biodiversität in der Praxis umsetzbar ist, Beispiele zu geben und Empfehlungen auszusprechen. Eine Grundvoraussetzung ist jedoch die Akzeptanz in der Gesellschaft langfristig zu sichern. Dazu braucht es fachliche Begleitung, um die Effekte der Biodiversitätssteigerung nachzuweisen.