Protest

Keine Schleuderpreise auf dem Rücken der Landwirte!

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Gerd Kreibich
am Donnerstag, 26.11.2020 - 09:52

Frischli-Werkleiter Erwin Stummer wollte aber nicht nur das Schreiben übergeben, er bat auch zum persönlichen Gespräch.

Unter Führung der Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV) hatten in den vergangenen Wochen viele Unternehmen in Ostbayern, die landwirtschaftliche Erzeugnisse verarbeiten, Besuch bekommen: Bäuerinnen und Bauern hatten in einem Schreiben eine Reihe von Forderungen zusammengefasst, deren Erfüllung sie für unabdingbar halten für die Zukunft der Landwirtschaft in der Region – und dies unabhängig von der Art des Betriebszweiges. Jetzt wurde, wie schon beim ersten Termin angekündigt, die Antwort auf den Brandbrief der Landwirte abgeholt.

Frischli-Werkleiter Erwin Stummer wollte aber nicht nur das Schreiben übergeben, er bat auch zum persönlichen Gespräch.

Mehr Planungs- und Einkommenssicherheit gefordert

Bäuerin Manuela Naglmeier, LsV-Sprecherin von Niederbayern, forderte dabei mehr Planungs- und Einkommenssicherheit für die bäuerlichen Familien. Für sie steht fest: „Ohne Kostendeckung funktioniert die Landwirtschaft nicht, wir machen uns große Sorgen um die Zukunft unserer Betriebe.“ Der Einzelhandel schreibe sich immer neue Qualitätssiegel auf die Fahnen, sei aber nicht bereit, die Erzeuger auch entsprechend zu bezahlen.

Den Frischli-Milchwerken sei die aktuell sehr herausfordernde wirtschaftliche Lage auf den Bauernhöfen durchaus bewusst, unterstrich Werkleiter Stummer. Aber auch die Molkereien hätten Probleme: „Uns entfällt derzeit das wichtige Geschäft mit der Gastronomie fast zur Gänze.“ Von den fünf Abfüllstrecken im Werk seien derzeit nur zwei im Betrieb.
Man könne eigentlich nur hoffen, dass sich die Situation bald normalisiere. Es sei aber auch für die Milchverarbeiter momentan nicht einfach, höhere Preise beim Einzelhandel durchzusetzen, erklärte Stummer weiter.

Regionaler Handel ist auf Höfe vor Ort angewiesen

Naglmeier betonte, dass mehr Druck auf den Handel aufgebaut werden müsse: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Handel noch mit regionalen Angeboten werben will, wenn es die angesichts noch mehr geschlossener Höfe nicht mehr gibt“, merkte sie an.

Josef Mühlthaler sprach als Kreissprecher des BDM eine weitere Warnung aus: „Wenn die Milchbauern immer weniger werden, weil sich diese Arbeit für sie so gar nicht mehr lohnt, dann werden auch die Verarbeitungsbetriebe sehen müssen, wo sie bleiben, dann wird es wohl irgendwann ganz sicher auch zu ersten Werksschließungen kommen.“
Stummer, Naglmeier und Mühlthaler waren sich letztlich einig, dass man schnell und gemeinsam handeln müsse. „Wir müssen die Bevölkerung noch weiter und intensiver aufklären, wie wichtig die heimische Landwirtschaft ist. Wir müssen klar machen, dass es nicht mehr weitergeht mit der Flut an Auflagen und der Handel muss wissen, dass wir auf Fairness pochen“, lautete die Bilanz. Es könne doch nicht sein, dass allwöchtlich in den Briefkästen Prospekte mit Sonderangeboten landen, „die auf dem Rücken der Landwirte gemacht werden“, so Naglmeier.