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Karpfhamer Fest & Rottalschau

„Irgendeps geht oiwei“

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Interview: Helmut Süß
am Donnerstag, 20.08.2020 - 14:12

In diesem Jahr ist Corona-bedingt alles anders. Kein Karpfhamer Fest, keine Rottalschau – wir haben mit der Vorstandschaft des Vereins Karpfhamer Fest, dem Veranstalter, über diese besondere Situation gesprochen.

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Veranstaltern, Ausstellern und natürlich den sonst so zahlreichen Besuchern blutet das Herz – die Rottalschau fällt heuer aus. Doch das Wochenblatt sorgt zumindest für einen kleinen Ersatz für die Fachinformationen und veröffentlicht einen Sonderteil unter dem Motto: „Karpfham im Hof-Office“.

Stellvertretend und in Abstimmung mit der gesamten Vorstandschaft des Vereins Karpfhamer Fest erklärt Gottfried Kopplstätter, wie sie mit der Situation umgehen.

Wochenblatt: Seit April sind Großveranstaltungen und Landwirtschaftsmessen untersagt. Wie war Ihre erste Reaktion darauf, als feststand, dass Karpfham heuer nicht stattfinden darf?

Kopplstätter: Wir hatten das Glück, dass wir in diese Situation nicht von heute auf morgen geraten sind. Die Aussteller melden sich bei uns bereits im Januar und Februar an. Bis Mitte März versenden wir die Verträge. Wir hatten schon früh die Befürchtung, dass unser Fest möglicherweise nicht stattfinden kann. So haben wir dann auch Zug um Zug reagiert. Als das Verbot von Großveranstaltungen Realität wurde, waren wir mehr als vorbereitet.

Wochenblatt: Wie haben die vielen Aussteller auf die Absage reagiert?
Kopplstätter: Die Reaktionen waren gespalten – von uneingeschränkter Zustimmung bis zu totalem Unverständnis. Aber der Großteil sah die Absage als notwendig an, um Besucher, Aussteller und Beschäftigte größtmöglich zu schützen. Selbstverständlich blutet jedem das Herz, wenn eine traditionelle Veranstaltung wie die Rottalschau nicht stattfinden kann. Zum einen hängen große Emotionen daran. Von den erheblichen Umsatzverlusten gar nicht zu reden.

Wochenblatt: Not macht bekanntlich erfinderisch. Sie haben inzwischen eine kleine Alternativveranstaltung organisiert wie das Traktor-Kino. Wer hatte die Idee und wie waren die Reaktionen darauf bzw. wie wurde das angenommen?
Kopplstätter: Wir wollen uns nicht mit fremden Federn schmücken. Das war nicht unsere Idee. Auf unserem Festplatz wurde vorübergehend ein Autokino betrieben. Die Betreiber hatten zusammen mit Rottaler Landwirten diese Idee, die sehr gut angekommen ist. Was Ersatzveranstaltungen betrifft, waren wir eher skeptisch. Man hat ja von sogenannten Drive In-Volksfesten und so weiter gelesen. Davon haben wir von Anfang an Abstand genommen. Traditionelle Veranstaltungen oder Volksfeste kann man nicht ersetzen. Man könnte diese nur verwässern. Große Feste wie Karpfham, Straubing oder Rosenheim gibt es, oder sie gibt es nicht.

Wochenblatt: Auch das Wochenblatt hat nach Alternativ-Lösungen gesucht, um wenigstens ein bisschen Karpfham-Feeling ins Land zu bringen. Der Sonderteil steht unter dem Motto: ‚Karpfham im Hof-Office‘. Was halten Sie davon?  
Kopplstätter: Finden wir natürlich sehr gut. Damit bleiben wir in den Köpfen. Da denkt jeder daran: ‚Jetzt wäre Karpfham. Da war es immer super. Das fehlt uns heuer.‘ Und jeder hofft und freut sich schon auf das nächste Mal. Im Übrigen zeigt dies auch die seit Jahrzehnten währende, gute Partnerschaft zwischen den Karpfhamern und dem Team des Landwirtschaftlichen Wochenblattes.

Wochenblatt: Auch wenn die Leser über Neuheiten und Aktionen oder Produktvorstellungen lesen können, den gemütlichen Teil kann man nicht ersetzen. Denn die Besucher lieben gerade diese Kombination aus Landwirtschaftsausstellung und Volksfest. Brathendlgeruch und eine kühle Maß Bier bei zünftiger Blasmusik lässt sich schwer ins Wochenblatt transferieren. Wie sind Ihre langjährigen Erfahrungen oder Rückmeldungen zu dem Erfolgskonzept von Karpfhamer Fest und Rottalschau?
Kopplstätter: Nicht auszudenken, wenn dies anders wäre. Dann würden unser Konzept und unsere Anstrengungen nicht Früchte tragen. Ein Landmaschinenhändler, der schon seit Jahrzehnten bei uns ausstellt, hat es auf den Punkt gebracht. Er sagte: Der Bauer kauft keinen Bulldog aus dem Katalog. Er muss ihn erst mal ‚anlanga‘.
Zum Anderen bieten wir dem Besucher ja nicht nur Bier, Brathendl und Schweinswürstl, Schausteller, Fahrgeschäfte oder Landmaschinenschau. Das gibt es auch woanders. Wir bieten Karpfham. Und das ist was anderes. Eben das ‚Karpfham Feeling‘, das Karpfham-Gefühl, das ‚Oans wia koans-Gefühl‘. Und es gelingt uns seit Jahrzehnten, dies auch auf unsere Besucher zu übertragen.

Wochenblatt: Die Veranstaltungsbranche ist wohl die von Corona am meisten gebeutelte Branche. Gibt es schon erste Berechnungen beziehungsweise Zahlen über die finanzielle Situation – Stichwort Ertragsverlust?
Kopplstätter: Das mag wohl stimmen. Ertragsverlust ist immer eine bittere Pille. Er steht aber bei uns nicht im Vordergrund. Wir haben von Anfang an das Hauptaugenmerk auf die Minimierung und Vermeidung von Kosten gerichtet. Durch umsichtige Planung und ein partnerschaftliches Entgegenkommen aller unserer beteiligten Firmen ist es uns gelungen, sehr gut aus der Situation zu kommen. Das hat uns ermöglicht, unsere Ausstellerfirmen bei der Absage kostenfrei zu halten. Ein Umstand, der nicht alltäglich ist und auf den wir besonders stolz sind.

Wochenblatt: Wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus?
Kopplstätter: Wir sind keine Mediziner und auch keine Propheten. Wie lange uns das Virus noch plagen wird, kann heute kaum einer abschätzen. Aber bei einer einigermaßen beruhigten Lage und bei einer Rückkehr zu einer gewissen Normalität sehen wir Karpfham 2021 sehr positiv. Es kann natürlich sein, dass Karpf­ham 2021 anders aussieht als in der Vergangenheit. Aber ‚Irgendeps geht oiwei‘ sagt der Bayer. Wir werden unsere ganze Kraft und Kreativität dafür in den Ring werfen.

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