Fleischmarkt

Importe drücken auf den Fleischpreis

Fleischtheke
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Gerd Kreibich
am Mittwoch, 09.09.2020 - 09:46

Erzeugermeinschaft Südbayern übt auf ihrer Vertreterversammlung massive Kritik an der Politik. Den Tierhaltern geht die Luft aus.

Relativ sichere Fahrt in einem schwierigem Umfeld; so lässt sich die Bilanz der Erzeugergemeinschaft Südbayern für das abgelaufene Wirtschaftsjahr zusammenfassen. Bei der Vertreterversammlung in Staudach im Kreis Rottal-Inn berichtete Vorstandsvorsitzender Hans Auer von einem soliden Geschäftsjahr. Doch ihm lag hier vor allem die Situation der Erzeuger am Herzen: „Das Stimmungsbild bei den Tierhaltern ist geprägt von einer Vielzahl negativ wirkender politischer Entscheidungen, die eine Reglementierungswut ohne Sinn und Verstand ausgelöst hat.“

Billigfleisch aus dem Ausland

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Es sei schlicht nicht mehr nachvollziehbar, dass der heimischen Landwirtschaft ständig neue und meist kostentreibende Auflagen gemacht werden, während aus dem Ausland Fleisch in großen Mengen ohne Rücksicht auf die in anderen Ländern geltenden Standards importiert werden könne. Habe die Politik noch vor wenigen Wochen die „Systemrelevanz“ der Landwirtschaft beteuert, so sei davon schon nichts mehr zu spüren, einziger Gewinner der Coronakrise sei letztendlich der Lebensmitteleinzelhandel.

Das wirtschaftliche Umfeld, auch unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie, ist laut Auer noch „vergleichsweise günstig“, aber: „Sollte alles, was schon beschlossen wurde und noch diskutiert wird, so auch umgesetzt werden, wird sich insbesondere die bäuerliche Tierhaltung sehr zeitnah massiv verändern und mit weiter hohen und noch steigenden Zahlen an Betriebsaufgaben quittiert werden“, warnte er.

Bayerns größte Erzeugergemeinschaft

Diese „niederschmetternde Erkenntnis“ ist, auch das unterstrich Auer, die tägliche Realität in der Rinder- und Schweinevermarktung, der sich die Erzeugergemeinschaft Südbayern täglich zu stellen habe im Interesse der Landwirte, die sich auf die Gemeinschaft als starken Partner verlassen: „Mit Engagement und guter, partnerschaftlicher Zusammenarbeit ist es gelungen, für das abgelaufene und auch für das laufende Geschäftsjahr respektable Kennzahlen zu erreichen“, so Auer. Der Vorstandsvorsitzende zeigte die Zahlen exakt auf: 1,24 Mio. Schlachtschweine, 1,30 Mio. Qualitätsferkel sowie 72.091 Schlachtrinder und 57.368 Kälber und Fresser konnten im Jahr 2019 abgesetzt werden. Die Erzeugergemeinschaft Südbayern ist damit die größte Erzeugergemeinschaft in Bayern und gehört auch deutschlandweit zu den „Top 3“.

Dividende liegt für 2019 bei 2,5 Prozent

„Unsere leistungsfähige Gemeinschaft von Rinder- und Schweinehaltern hat auch wirtschaftlich die notwendige Stabilität, die in schwierigen Zeiten erforderlich ist“, erklärte Auer. Mit einem Jahresergebnis von 422.000 € bei einem Umsatz von 425 Mio. € zeigte sich Auer zufrieden, die bilanzielle Stärke wird nochmals untermauert mit einer Eigenkapitalquote von 51 % und einem Bilanzgewinn von 1,16 Mio. €.

Damit könnten auch größere Unwägbarkeiten, die sich aus dem Markt ergeben, abgefedert werden. Dies sei von größter Wichtigkeit für die Mitglieder, sich auf die Stabilität ihres Vermarktungsunternehmen voll verlassen zu können und damit sei auch sichergestellt, dass auf die Geschäftsguthaben der Mitglieder eine Dividende in Höhe von 2,5 % ausgeschüttet werden kann.

12 % der Ferkelerzeugerbetriebe haben 2019 aufgegeben

Vorstand Willi Wittmann, verantwortlich für den Bereich der Ferkel- und Schweinevermarktung, konnte in wirtschaftlicher Hinsicht von überdurchschnittlichen Ergebnissen für Ferkelerzeuger und Schweinemäster berichten. Ausgelöst durch die zusätzliche Nachfrage aus China konnten 2019 durchaus kostendeckende Schweinepreise erzielt werden. Allerdings konnte dies insbesondere die Ferkelerzeuger nicht abhalten, diesen Produktionszweig einzustellen. „66 Mitgliedsbetriebe und damit fast zwölf Prozent der Erzeugerbetriebe in unserer Genossenschaft haben 2019 die Ferkelerzeugung aufgeben“, so Wittmann.

Er wertet dies als „klares Signal für einen zweifelhaften Erfolg“ für die Politik, die dazu beigetragen hat, diese nach hohen Standards wirtschaftenden Betriebe aus der Produktion zu drängen. „Gleichzeitig werden elf Millionen Nutzferkel, die unter unbekannten Standards produziert wurden, nach Deutschland importiert, um die Mastställe füllen zu können. Das ist doch ein Widerspruch in sich“, kritisierte Wittmann, der vor weiteren Betriebsaufgaben warnte.

Bayerisches Rindfleisch durch Importe verdrängt

Vorstand Erwin Hochecker stellte klar, dass seit drei Jahren bei Jungbullen die Preisspitzen von über 4 € nicht erreicht werden konnten, womit die Wirtschaftlichkeit der Bullenmast für die landwirtschaftlichen Betriebe deutlich geschwächt wurde. „Natürlich müssen wir uns die Frage stellen, wo denn die Gründe dafür liegen, dass bayerisches Rindfleisch preislich schwächer bewertet wird“, betonte Hochecker.

Maßgeblich seien hierfür zwei Gründe: Der sehr niedrige Erzeugerpreis in Polen, der momentan 70 ct unter dem bayerischen Wert liegt und dafür sorgt, das 33.000 t polnisches Rindfleisch in Deutschland abgesetzt werden konnten. Dazu kommt der relativ niedrige Erzeugerpreis in Irland und die EU-Mittel in Höhe von 50 Mio. €, die auf der „grünen Insel“ für Absatzförderung eingesetzt wurden. Damit wurde vielfach, gerade in der Hochpreisschiene bayerisches Rindfleisch aus den Verkaufstheken verdrängt.

Schlachtbetriebe sind noch gut ausgelastet

Franz Beringer, Vorstand und verantwortlich für den Schlachtbetrieb in Landshut konnte von einer positiven Entwicklung am Standort berichten. Durch innerbetriebliche Optimierung konnte jetzt eine nun kontinuierlich hohe technische Leistung erreicht werden, „die in Süddeutschland bislang unerreicht ist“, so Beringer.

Revisorin Kristina Aberle vom Genossenschaftsverband stellte die Bilanz für das Jahr 2019 vor und leitete die Wahlen. Einstimmig in den Aufsichtsrat wiedergewählt wurden Willi Haslbeck, Alois Nagl, Karl Wippenbeck und Michael Wittmann. Ausgeschieden sind Vorstand Clemens Ganghofer und Aufsichtsratsvorsitzender Johann Wagner. Friedhelm Dickow aus Mamming wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt.