Vor Ort

Hütehunde sind seine Leidenschaft

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Helga Gebendorfer
am Mittwoch, 07.07.2021 - 17:48

Herbert Sehner aus Thurndorf in der Oberpfalz züchtet bekannte Hütehunde. Der Schäfer ist ein Fachmann, wenn es um die Zucht von Hütehunden geht.

Aus der Zucht von Herbert Sehner aus Thurndorf im Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab kommen Hütehunde, Schafe und Fleischrinder, die weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt sind. Seit drei Jahren widmet sich der Schäfermeister nun auch der Haltung und Zucht von genetisch kurzschwänzigen Finnschafen.

Gelernter Schmied, Landwirtschafts- und Landmaschinenmechaniker- sowie Schäfermeister und Diplom-Maschinenbauingenieur – Herbert Sehner kann auf eine Reihe von Ausbildungen und ein bewegtes Arbeitsleben zurückblicken. Der 76-Jährige lebt mit seiner Frau Vivienne, einer gebürtigen Engländerin, auf einem Hof einen Kilometer außerhalb von Thurndorf in der Oberpfalz. Diesen hat er vor 40 Jahren gekauft – eigentlich gedacht als Altersruhesitz. Der Betrieb mit 85 Hektar Mähweide und 10 Hektar Wald – seit 20 Jahren Naturland-Biobetrieb – ist inzwischen an Sohn Philipp und Tochter Rebekka verpachtet, die ihn im Nebenerwerb führen. Dieses Jahr sind zwei Drittel der Weideflächen im Vertragsnaturschutzprogramm.

Vom Maschinenbauerzum Meister der Schäferei

Mit der Landwirtschaft kam Sehner über seine Großeltern, die einen kleinen Betrieb bewirtschafteten, in Berührung. Schon als Kind hatte er deshalb mit Schafen und mit der Tierzucht allgemein zu tun. Nach der beruflichen Ausbildung und einer fünfjährigen Auslandstätigkeit absolvierte er noch ein Maschinenbaustudium.

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Nach einer weiteren langjährigen Tätigkeit, die vorwiegend mit einem Auslandsaufenthalt verbunden war, schloss Sehner schließlich auch noch die Ausbildung zum Schäfermeister ab. Die Schafhaltung startete er im Jahr 1974 mit drei Lämmern. Schritt für Schritt baute er die Herde auf 300 Mutterschafe aus. Mit der Anschaffung von Fleischrindern wurde die Schafhaltung aber reduziert. Sie besteht aktuell aus 100 Mutterschafen: bestehend aus Merinoland-, Finn- und Finnmerino-Mutterschafen.

Seit 35 Jahren widmet sich Sehner der Herdbuchzucht von Schafen, wobei im Moment 15 Merinolandschafe und 40 Finnschafe im Herdbuch sind. Die Tiere stehen das ganze Jahr über auf der Weide. Nur im Winter gehen die Mutterschafe mit ihren neugeborenen Lämmern in den Stall – als Schutz vor Fressfeinden wie Fuchs, Seeadler und Milan. Wenn Zeit ist, praktiziert der Schäfermeister die Hüteschäferei – zur Entspannung und Ausbildung der Hütehunde.

Als Futter dient die Weide mit Zufütterung von Heu oder Grassilage – als Vorratsfütterung alle zwei Tage. „Ich versuche, Tiere zu haben, die im Freien schlachtreif werden. Sobald Stallhaltung ins Spiel kommt, gibt es, besonders mit der Biohaltung, keine Rentabilität mehr“, bekräftigt der Schäfermeister. Jährlich werden ab Hof rund 20 Lämmer zur Zucht verkauft. Der Rest geht in die Fleischvermarktung, an Bio-Direktvermarkterkollegen oder an die Erzeugergemeinschaft bayerischer Schafhalter. Der Zuchttierverkauf und die Selbstvermarktung stellen eine gewisse Stütze dar.

Ohne staatliche Förderung geht es nicht mehr

„Doch ohne Förderung“ wäre eine extensive Haltung, so wie wir sie betreiben, nicht möglich. Sehner ist der Meinung, dass es ohne staatliche Förderung keine bäuerliche Landwirtschaft in Zukunft in unseren Breiten mehr geben würde. Für seinen Betrieb zählt er folgende Fördermöglichkeiten auf: Vertragsnaturschutzprogramm, Bio-Haltung, benachteiligtes Gebiet, Weideprämie und Mutterschafprämie.

Die Rinderhaltung ist der zweite Betriebszweig auf dem Hof. Dabei hat es Sehner die Rasse Limousin angetan, mit der er seit etwa 25 Jahren Herdbuchzucht betreibt. „Ursprünglich war eigentlich das Erkunden der Einsatzmöglichkeiten für die Arbeit von Hütehunden an Rindern der Auslöser für die Anschaffung von ersten Fleischrindern. Inzwischen sind aus den Einzeltieren mehr als 150 Rinder geworden. „Doch wir widmen uns außer der Herdbuchzucht auch heute noch der Fleischerzeugung mit diesen Rindern“, erzählt der Landwirt. Einige der Rinder werden über die Selbstvermarktung verkauft. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit soll die Herde aber Schritt für Schritt auf unter 100 abgebaut werden. Für den Eigenbedarf stehen noch sechs Duroc-Schweine auf der Weide.

Schließlich gehört die Zucht von Hütehunden zu Sehners großer Leidenschaft. Der Schäfer ist ein bekannter Fachmann, wenn es um die Zucht von Hütehunden geht. „Durch meine Frau, die englische Wurzeln hat, kam ich auch mit dem dortigen Hütekonzept in Berührung. Ich habe dann vor 40 Jahren als einer der Ersten die englischen Border Collies in Deutschland eingeführt sowie auch das dortige Hütesystem übernommen, das ich bis heute praktiziere.“

Schönheit ist bei Hunden nicht das Wichtigste

Jahrzehntelang gab der Experte sein Wissen in Kursen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz weiter und ist auf diesem Gebiet nicht mehr wegzudenken. „Aktuell gebe ich noch zweimal jährlich Kurse für die Schäferausbildung und andere interessierte Teilnehmer.“

In diesem Zusammenhang macht er deutlich, dass inzwischen die Mehrheit der Border Collies auf Schönheit gezüchtet wird. Im Gegensatz zu dieser Entwicklung ist sein Ziel, Gebrauchshunde zu züchten, die auf entsprechende Arbeitsvorfahren zurückgehen. „Ich halte mich an die Arbeitslinie und meine Tiere werden fast ausschließlich gute Hütehunde. Das heißt, sie sind stark genug zum Arbeiten mit Schafen und Rindern“, macht er klar. Die Auswahl der beiden Elternteile sei bei der Zucht entscheidend für das Ergebnis.

Umgang mit dem Hund in Seminaren vermitteln

„Die Paarung muss stimmen, das bedeutet, Eigenschaften wie Temperament, Hüteinstinkt sowie Körperbau und Wesen müssen gezielt auf die geforderte Hüteleistung abgestimmt werden. Die Welpen werden im Alter von acht Wochen abgegeben. „Die Abnehmer müssen deren Ausbildung selbst übernehmen und sich natürlich auch das entsprechende Wissen dazu aneignen – entweder in einem Kurs oder durch Einzelanleitung von Sehner, der diesen Service auf Wunsch auf seinem Hof anbietet. Hier erläutert der Fachmann dann vor allem erst einmal das System, das in rund einer halben Stunde erklärt werden kann. „Dann heißt es: zu Hause üben, üben und nochmals üben“, so Sehner, der bei Fragen zu Ausbildung und Haltung seiner gezüchteten Hunden gerne kontaktiert werden kann.

Parallel dazu übernimmt der Schäfermeister auch selbst die Ausbildung seiner Hunde für die Hüteprüfung, die Voraussetzung für einen Teil der Züchter für eine Sonderankörung ist, die speziell für Hütegebrauchshunde angeboten wird. Mit ungefähr einem Jahr ist laut Sehner der Hund soweit ausgebildet, dass er für den Alltag eine Hilfe ist. Dann ist er etwa zwölf Jahre einsatzfähig.

„Alles in allem ist ein Hütehund für den Landwirt eine unverzichtbare Unterstützung und das wichtigste Hilfsmittel bei seiner täglichen Arbeit“, stellt Sehner fest. Ihn hat der Ehrgeiz nie verlassen, „gute Hunde“ zu züchten, denn er ist überzeugt: „Gute Hunde für die Hütearbeit werden immer wieder gebraucht.“