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WBV Hemau

Holzvermarktung: Deprimierend wie noch nie

Holzvermarktung
Markus Bauer
am Freitag, 15.11.2019 - 08:45

Die Herbstversammlung der Waldbesitzervereinigung Hemau zeigt die schlechte Lage auf.

Hemau/Lks. Regensburg - „Noch nie war die Situation so deprimierend wie heute!“ Diese Aussage des Geschäftsführers der Waldbesitzervereinigung Hemau w.V. (WBV) Josef Achhammer bei der Herbstversammlung drückt klar und deutlich die aktuelle Situation in der Holzvermarktung aus. Neben Achhammers Bericht stand ein Vortrag über „Alternative Baumarten und Pflanztechnik“ des Forstassessors Uwe Jeranek von der Baumschule Sailer im Mittelpunkt der Zusammenkunft im Landgasthof Ferstl-Bruckmeier.

Gesellschaft honoriert Leistungen nicht

Auch der 1. WBV-Vorsitzende Andreas Schmid sprach in seiner Begrüßung von einer schlechten Zeit und einer „Situation, die schwierig zu greifen ist.“ Neben Vertretern der Forstverwaltung und dem Referenten hieß er besonders die Jagdvorsteher und Jäger sowie die vielen Mitglieder und die Vorstandschaft wie auch das Team der Geschäftsstelle willkommen.

„Die Wertschätzung für den Wald und für die Leistung der Waldbesitzer – auch im Hinblick auf den Zukunftswald – ist überschaubar“, stellte Schmid zudem fest und verwies auf die bedeutende Funktion des Waldes als CO2-Binder. Zudem habe die WBV in den letzten vier Jahren rund 300.000 Bäume ausgeliefert. „Das ist eine Leistung auch für die Gesellschaft, die aber nicht oder nur wenig gesehen wird“, bedauerte der Vorsitzende und rückte den Zukunfts- bzw. Generationengedanken in den Fokus.

Jeglicher Spaß geht verloren

Neben dem eingangs zitierten Satz beklagte Achhammer zu Beginn seiner Ausführungen das „Fehlen jedes Spaßfaktors“ bei der Waldarbeit und ging auf die Details ein. „Es war ein sehr trockenes Jahr“, wobei spät einsetzende Frühjahrstemperaturen sowie Regen und kühles Wetter im Mai zumindest die Ausbreitung des Borkenkäfers erschwert hätten.

Beim Sägeholz seien im Frühjahr geringe Mengen zur Vermarktung gelangt, das zweite Quartal habe dann einen Preisrückgang gebracht und die kleineren Sägebetriebe hätten eher vorsichtig Holz eingekauft. Schließlich seien die Holzpreise im dritten und vierten Quartal weiter gefallen. Ein Drittel der zuvor geschätzten Menge an Käferholz sei bei der WBV Hemau angefallen, „es gab viele Käferherde, aber keine größeren Einschläge“, so der WBV-Geschäftsführer. Gut genutzt worden seien die neuen Sammellagerplätze – auch angesichts der staatlichen Förderung für die Verbringung von Schadholz aus dem Wald.

Detailliert ging Achhammer auf die diversen Segmente ein: von einem „Katastrophenjahr“ sprach er beim Papierholz, da hier ein Abnehmer eine Maschine stillgelegt hat und sich der Verkauf daher gravierend reduzierte. Eine verminderte Menge wird dieser Partner zwar weiterhin abnehmen, aber der Einbruch bleibt. Bei der Fichte stellte Achhammer trotz des kontinuierlichen Preisverfalls seit 2014 eine „etwas positivere“ Vermarktung fest, während die Kiefer bei den Käufern weniger gefragt sei. Eine „verhaltene Nachfrage“ zeige sich beim Verpackungsholz. Gut nachgefragt seien Buche und Eiche, an Bedeutung gewinne Zaun- und Palisadenholz. Zusammenfassend meinte der Geschäftsführer, dass weiterhin eine Überversorgung mit Kalamitätsholz bestehe und die Nachfrage nach Frischholz verhalten sei. Von „ernüchternden Zahlen und Fakten“ sprach Vorsitzender Schmid, wobei die WBV Hemau aber „im Landesvergleich noch gut“ dastehe.

Holz aus anderen Regionen drängt auf den Markt

Den Holzmarkt insgesamt beleuchtete WBV-Förster Jakob Kiechle. So nannte er Importe auch aus Nachbarländern, höhere Dürrewerte etwa in Franken und Teilen Niederbayerns (bei sporadischen Regenfällen im Gebiet der WBV Hemau). „Die Sägeindustrie ist gut versorgt und kauft auch viel Holz aus ferneren Regionen“, stellte Kiechle fest und verwies auf ein Holzüberangebot etwa in Hessen. Ein Hoffnungsschimmer – trotz der europa- und weltweit sinkenden Konjunktur – sei das Baugewerbe, für das auch für 2020 gute Zahlen prognostiziert werden. Zudem würden die Holzexporte in die USA gut laufen.

In seinem Vortrag „Alternative Baumarten und Pflanztechnik“ stellte Uwe Jeranek zunächst alternative Baumarten für die Fichte und die Esche vor und ging auf die klimatischen Veränderungen sowie die Rahmenbedingungen für die jeweiligen Alternativen (Anpassung an Wärme und Trockenheit, Tiefwurzler, Resistenz gegen Früh- bzw. Spätfrost usw.) ein. Bei der Pflanztechnik zeigte er die Vor- und Nachteile der Handarbeit bzw. des Bagger-Krümlerverfahrens auf.

Mit dem Hinweis an die Waldbesitzer, die neuen Aufkleber für die Rettungstreffpunkte zu nutzen, schlossen Achhammer und Schmid die Versammlung und baten die Mitglieder, auch mit Blick auf zu schließende Vorverträge rechtzeitig ihre Holzmengen zu melden.