Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Waldbau

Holzpreise: Verärgerung und Enttäuschung

FBG-Aiglsbach_gk
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 14.05.2020 - 08:05

Hauptversammlung der FBG Aiglsbach beklagt schlechte Preise.

Ratzenhofen/Lks. Kelheim - „Wir blicken auf kein leichtes Jahr zurück“, fasste Vorsitzender Georg Huber bei der Jahreshauptversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Aiglsbach (FBG), die noch vor Beginn der Corona-Beschränkungen stattfinden konnte, zusammen. „Bei vielen Waldbauern ist die Verärgerung und Enttäuschung sehr groß und die Stimmung im Keller“, wies der Vorsitzende hin. Zwar ist das Vereinsgebiet hinsichtlich Käferaufkommen mit einem blauen Auge davongekommen, doch die schlechten Holzpreise, die kaum noch die Aufarbeitungskosten deckten, trafen alle Waldbesitzer. „Die Folge war, dass die Waldbauern nur noch die Mengen an Holz eingeschlagen haben, die käferbedingt notwendig waren“, so Huber.

„Sabine“ zog die Preise noch weiter nach unten

Kurz vor Weihnachten sah es nach neuen und besseren Preisen aus, doch dann kam Sturmwind „Sabine“ und der Preis ging wieder nach unten. „Derzeit herrscht ein Käufermarkt“, so Huber, der dafür warb, die Mengen zu bündeln, um mehr Einfluss auf dem Holzmarkt zu haben. Das bedeutet, bei einigermaßen passenden Preisen wieder regelmäßig Holz zu schneiden. Der Vorsitzende bedauerte, dass derzeit nicht mehr viel Partnerschaft mit den Großabnehmern vorhanden ist. Weiter stellte er fest, dass der große Anfall an Kalamitätsholz Folge des Klimawandels ist und forderte die Zuhörer auf, die Förderprogramme in Anspruch zu nehmen und den Rohstoff Holz selber, aber genauso die öffentliche Hand, z. B. in Form von Heizungen oder als Baustoff mehr zu verwenden.

Fichte: ein „Superbaum mit vielen Risiken

Er informierte, dass der Landkreis Kelheim zu einem der vier bayerischen Landkreise mit dem höchsten Waldumbaubedarf gehört. „Die Fichte ist ein Superbaum, doch sie birgt viel Risiko. Deshalb handeln Sie mit Blick in die Zukunft und treiben Sie den Umbau voran“, so Hamberger, der zudem die Waldbesitzer als Multiplikatoren dazu aufrief, über ihre nachhaltige Waldwirtschaft in der Öffentlichkeit zu reden.

Preisverfall in nicht gekanntem Ausmaß

Geschäftsführerin Stephanie Müller bezifferte die gesamte vermarktete Holzmenge der FBG 2019 auf 20171 Einheiten, was deutlich weniger ist als im Vorjahr. Aufgeschlüsselt nach Baumart ergibt sich folgendes Bild: Fichte 16 540 Einheiten oder 82 %, Kiefer 3026 Einheiten oder 15 %, Sonstige 403 Einheiten oder 2 % und Buche 2020 Einheiten oder 1 %. „Das heißt die Fichte ist unser Brotbaum, aber gleichzeitig ist sie auch Kalamitätsholz“, stellte sie fest.
Die vermarktete Menge teilt sich auf in 14 498 fm Rundholz, 770 rm Scheitholz und 1127 rm Papierholz sowie 3423 srm plus 359 t Hackschnitzel. Es fielen insgesamt rund 6000 fm Käferholz an. „Auch wenn die Borkenkäfermenge geringer ausfiel als im Vorjahr, herrschte das ganze Jahr über eine kalamitätsgetriebene Holzvermarktung“, lautete das Resultat der Geschäftsführerin. Zufrieden blickte sie auf die Mitgliederentwicklung. So umfasst die FBG zurzeit 889 Mitglieder mit einer Fläche von 6036 ha. 192 Mitglieder vermarkteten ihr Holz über die FBG.
Müllers Resümee für 2019: „So einen massiven Preisverfall habe ich noch nie erlebt.“ Erfreulich war, dass wesentlich geringere Borkenkäfer-Schadmengen als 2017 und 2018 anfielen. Nach einem Preisanstieg von Januar und Februar auf 70 € kam es für März und April nach Sturmtief „Sabine“ wieder zu einem Preisverfall auf derzeit 62 €. In diesem Zusammenhang appellierte die Geschäftsführerin, das Sturmholz so schnell wie möglich aufzuarbeiten. Ihr Ausblick für 2020 fiel nicht vielversprechend aus: „Es bleibt abzuwarten, was das Jahr bringt. Ich schätze, dass die Preise ähnlich sind wie letztes Jahr und hoffe, dass die anfallenden Käferholzmengen zu bewältigen sind.“