Direktvermarktung

Hofladen: Qualität kommt auf kurzen Wegen

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Lorenz Märtl
am Mittwoch, 16.12.2020 - 09:17

Familie Gärtner eröffnet einen neuen Hofladen mit Schlachthaus in Stauf

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Unternehmerischen Mut in schwierigen Zeiten bewiesen Andrea und Michael Gärtner, die nun ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus dem neu erbauten Hofladen am Renauweg 4 im Neumarkter Stadtteil Stauf verkaufen. Sie sehen sich damit am Ziel eines langen Weges. Die Anfänge gehen zurück ins Jahr 1999. Bereits damals suchte man mit den Produkten aus eigener Herstellung in der Großstadt Nürnberg den Weg zum Verbraucher. Verkauft wurde aus einem Bus, mit dem man von Haus zu Haus fuhr. Dann folgte ein Bauernmarkt in Regensburg mit Verkauf unter einem Schirm. Nach einer „Familienpause“ wegen der beiden jüngeren der insgesamt vier Kinder startete man wieder durch.

Gescheit oder gar nicht

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„Entweder gescheit oder gar nicht“, hieß da die Devise der Gärtners und so entschieden sie sich, die alte Hofstelle abzubrechen und – mit Blick auf die Erfordernisse moderner Direktvermarktung – neu zu bauen.

Die ganze Familie stand hinter dem Projekt. Bereits in den Plan, den Michael Gärtner selbst erstellte, flossen die konzeptionellen Vorstellungen für einen reibungslosen Betriebsablauf ein. Auch bei der Realisierung der Baumaßnahmen war er immer der Macher an vorderster Front. Neben dem neuen Hofladen entstand auch ein modernes EU-zertifiziertes Schlachthaus mit Kühl-, Zerlege- und Lagerraum sowie ein schmuckes Blockhaus, in das die Familie demnächst einziehen wird.

Zum Sortiment des Hofladens zählen Fleisch- und Wurstwaren der selbst geschlachteten Rinder und Puten, Bio-Kartoffeln und Saft aus eigenen Äpfeln. Ergänzt wird die Warenpalette durch viele regionale Produkte aus dem näheren Umkreis, wobei besonders das „Landl“ eine Rolle spielt. Das hat auch damit zu tun, dass Andrea Gärtner eine geborene Heiselbetz aus Rocksdorf ist und damit aus einem Betrieb kommt, der im Landkreis Neumarkt zu den Pionieren der Bio-Erzeugung und Vermarktung zählt. Mit der Selbstvermarktung hat sie neben ihrem Mann auch die Kinder Alexander, Thomas, Carina und Maximilian „infiziert“, die eifrig mit Hand anlegen.

Ganzheitliches Konzept

Die Besonderheit liegt vor allem in der Ganzheitlichkeit ihres Konzeptes. „Die Aufzucht der Angusrinder erfolgt direkt neben unserer Metzgerei auf der Weide“, erklärt Michael Gärtner. Das erspare den Tieren weite Transportwege und biete den Kunden direkten Kontakt zum Erzeuger. Diese nutzen gerne die Gelegenheit, einen Blick auf Weide mit den Angusrindern und das Areal mit den Puten zu werfen.
Die speziell auf Kundenwünsche angepassten Fleisch- und Wurstwaren werden entweder auf Vorbestellung oder direkt im Laden angeboten. Zweimal wöchentlich können die Kunden ihre Produkte abholen.
Bei einer Vorstellung des Projekts, coronabedingt in kleinem Kreis, lobten Landrat Willibald Gailler, stellvertretende Kreisbäuerin Rita Götz, stellvertretender BBV-Kreisobmann Konrad Maget und Stadtrat Rainer Hortolani den unternehmerischen Mut der Familie Gärtner und verwiesen auf die Vorteile des regionalen Einkaufens von Lebensmitteln. „Wer beim Direktvermarkter einkauft, unterstützt gezielt die heimische Landwirtschaft und trägt zum Erhalt unserer Kulturlandschaft bei“, betonte Abteilungsleiter Karl Diepold vom Landwirtschaftsamt Neumarkt.

Im Landkreis Neumarkt schon immer von großer Bedeutung

Direktvermarktung hat für die Landwirtschaft im Landkreis Neumarkt schon immer eine große Bedeutung. Bayernweit war man Vorreiter bei den Bauernmärkten und die aktuelle Direktvermarkterbroschüre listet rund 20 Hofläden verschiedenster Größe und zahlreiche weitere Betriebe auf, die direkt ab Hof verkaufen. Und das Interesse scheint ungebrochen: Bei Sabine Pfeiffer vom Landwirtschaftsamt Neumarkt häufen sich die Anfragen nach Beratung für neue Hofläden.

Corona hat trotz aller Einschränkungen für die Allgemeinheit den Hofläden und Selbstvermarktern neue Kunden zugeführt, je nach Angebot und Sortiment verzeichneten manche im ersten Lockdown Kundenzuwächse zwischen zehn und 40 Prozent. Zum Teil musste man sogar die Einkaufszeiten verlängern, um der Nachfrage gerecht zu werden.
Während der Sommermonate lief es wieder normal, wobei vielen Hofläden neue Stammkunden die Treue hielten. Viele Verbraucher haben gerade in diesem Jahr die Qualität und Frische der regional erzeugten Produkte und das Angebot der Hofläden und Direktvermarkter neu entdeckt und schätzen gelernt.
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