Ertragserwartung

Hoffnung auf gute Ernte

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Markus Bauer
am Montag, 27.07.2020 - 11:04

Ostbayern: mehr Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit gefordert

Abhängig von den Wetterfaktoren gestaltet sich heuer die Ernte in der Oberpfalz und im Landkreis Regensburg. Daher sprachen der Oberpfälzer BBV-Präsident Josef Wutz und der Regensburger BBV-Kreisobmann Johann Mayer bei einem Pressegespräch auf dem Hof bzw. auf einem Kartoffelfeld des Landwirts Karl Gröschl in Sarching von regional unterschiedlichen Ernteerwartungen. Insgesamt hoffen sie aber auf eine „durchschnittliche bis gute Ernte“.

In seiner Begrüßung betonte Präsident Wutz, dass ein positiver Aspekt der Corona-Krise die Besinnung auf die Bedeutung der Landwirtschaft und die regionale Versorgung mit Lebensmitteln sei. Landwirt Gröschl stellte seinen seit ca. 1700 bestehenden Betrieb vor, der schon immer nachhaltig gearbeitet und Veränderungen vollzogen habe. So auch – bereits von seinem Vater begonnen – die Umstellung von Misch- hin zu Sonderkulturen: Kartoffeln (für diverse Nutzungen und Abnehmer) und seit sieben Jahren Gemüse (Karotten, Rote Beete), die heute wichtige Standbeine sind.

Gute Ernte braucht es auch für Vertragstreue

Doch bei diesen Früchten sei, so Gröschl, Bewässerung/Beregnung (auch zur Kühlung) nötig, um ausreichende und gute Produkte zu erhalten. „Man ist dazu verdammt, gut zu ernten – bei allen Wetterkapriolen“, merkte der Landwirt auch mit Blick auf vertragliche Verpflichtungen an.

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Diese Aspekte vertiefte Gröschl auf einem seiner Kartoffelfelder. Der Klimawandel sei deutlich zu spüren: mehr Hitzetage über 25 Grad Celsius, so dass früher angelegte Bestände stark abgebaut haben. Aber auch Wintergewitter mit hohen Niederschlägen, was für die Bodenstruktur Probleme bringt. Diese müsse verbessert werden. Eine Möglichkeit sei, auf solchen Flächen erst später zu pflanzen, wo dann aber Niederschläge im Frühsommer schädlich sein können. Trotz einiger kaputter Kartoffelbestände erwartet Gröschl eine bessere Ernte als in den zwei letzten Jahren, da zumindest bisher das Wetter für die Kartoffel gepasst habe. Dennoch könne man mit Oberbayern oder Niedersachsen nicht mithalten, „die Hitze bei uns ist das Problem“, so Gröschl. Daher sind für ihn die Bewässerung und die Zeitfenster der Pflanzung die zentralen Stellschrauben. „Mit dem langjährigen Durchschnitt sind wir zufrieden“, fasste der Landwirt zusammen.

Alle Kartoffel können verwertet werden

Die Verwertung bzw. auch Ablehnung (Lebensmitteleinzelhandel) nicht ganz der Norm entsprechender Kartoffeln oder Karotten sprach Kreis- und Bezirksbäuerin Rita Blümel an. Ein Milchviehbetreib nimmt, so Gröschl, entsprechende Kartoffeln ab, weitere kommen in eine Biogasanlage. „Wir schaffen es, alle Größen durch verschiedene Produkte zu vermarkten. Nur Fünf bis sieben Prozent Abfall können zusammenkommen“, freute sich der Landwirt.

Preisdruck herrscht bereits international

Kreisobmann Mayer wies auf den „Preisdruck, der sich international gestaltet“, hin und auf die durch Corona deutlich gewordene Anfälligkeit der Wirtschaft (Lieferketten, Grenzschließungen, Nahrungsmittelversorgung). „Wir hoffen als Landwirte, wieder eine größere Wertschätzung zu bekommen, da wir vor Ort arbeiten und die Sicherstellung der Ernährung gewährleisten. Den Aspekt der Regionalität betonten Wutz und Blümel.

Beim Getreide gibt es noch „Luft nach oben“

Die Daten zur Ernte im Landkreis Regensburg beschrieb Mayer. Während relativ viel Regen im Winter für Wasserreserven sorgte, brachten starke und späte Fröste Erfrierungen bei einigen Getreidesorten. Der erste Grasschnitt sei, so Mayer, „sehr klein ausgefallen“, der zweite durch Landregen „wesentlich stärker“. Bei seiner Ernteprognose differenzierte er zwischen dem Süden, der durch den Winterregen gute Voraussetzungen habe, und dem Norden mit zum Teil absehbaren „desaströsen Erträgen“. Hinsichtlich der Früchte stehe vor allem der Mais schon jetzt gut da, beim Getreide „könnte es mehr sein“. Insgesamt wird es für den Kreisobmann regionale, ja sogar örtliche Unterschiede geben, „in der Summe durchschnittliche, mancherorts überdurchschnittliche Erträge“. Der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg, Helmut Melchner unterstrich Mayers Prognose einer etwas unterdurchschnittlichen Getreideernte, während bei Zuckerrüben und Kartoffeln durchschnittliche Erträge zu erwarten seien.