Vermarktung

Heimischen Fisch auftischen

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Sabrina Melissa Melis
am Montag, 23.09.2019 - 11:48

Der Bezirk Niederbayern will regionale Erzeuger verstärkt fördern.

Gebeizte Lachsforelle, Forellen-Brotaufstrich, geräucherter Saibling: Das waren einige der kulinarischen Köstlichkeiten, die dem Präsidenten des Bezirkstages von Niederbayern, Dr. Olaf Heinrich, und Straubings Landrat Josef Laumer besonders mundeten. Sie kamen zu Thomas Flohr nach Grünmühl, der dort eine Forellenzucht betreibt. Flohr ist Vorsitzender des Fischerzeugerrings Niederbayern und war jetzt auch einer der zehn niederbayerischen Gastgeber beim „Tag der offenen Fischzucht“.
Betriebe in den niederbayerischen Landkreisen Straubing-Bogen, Freyung-Grafenau, Dingolfing- Landau, Passau, Deggendorf und Rottal-Inn beteiligten sich an der Aktion und öffneten einen Nachmittag lang ihre Pforten. Die vielen Besucher konnten u. a. bei Führungen und heimischen Fischspezialitäten einen informativ wie kulinarisch interessanten Nachmittag erleben.

Mehr Wertschätzung
wäre wichtig

82 % der Verbraucher wünschen sich mehr „Bio“, 80 % mehr „Regional“, doch 99 % kaufen einfach da ein, wo sie gerade Halt machen, stellte Flohr kritisch fest. Dabei sei qualitativ hochwertiger Fisch beim Discounter sogar teurer als bei ihm, stellte er fest, um bei dieser Gelegenheit auch die alltäglichen Sorgen der Fischerzeuger zu schildern. Dazu gehört die mangelnde Wertschätzung durch die Verbraucher. Flohr zeichnete aber auch Fehlentwicklungen beim Artenschutz auf und erinnerte daran, dass den Fischerzeugern der Klimawandel ebenfalls zu schaffen mache. Keiner wisse, wieviel Arbeit in einem Fisch stecke, bis er fertig zubereitet an den Kunden verkauft werden kann. Nur wenige honorierten dies mit dem entsprechenden Preis, bedauerte der Fischwirtschaftsmeister.
Seit vielen Jahren unterstützt der Bezirk die Fischerzeuger, unterstrich der Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. Es gebe großes Interesse daran, die Betriebe zu erhalten, aber auch den Strukturwandel zu verlangsamen. Der zentrale Hebel zur Steuerung sei die Qualität der Produktion und die Wertschätzung. Mit dem Tag der Fischerzeuger wolle der Bezirk etwas tun, damit diese in Niederbayern wieder mehr Aufmerksamkeit erfahren. Nicht alles aber könne die Politik regeln, der Verbraucher selbst sei gefordert durch sein Einkaufsverhalten. In Niederbayern gebe es eine Vielzahl von Betrieben, die höchste Qualität produzieren. Auch in den Krankenhäusern des Bezirkes wolle man verstärkt darauf achten, dass diese noch mehr mit Lebensmitteln aus der Region versorgt werden. „Die finanzielle Unterstützung hat der Bezirkstag einstimmig erhöht“, resümierte Heinrich und riss auch die Investitionen in den eigenen fischereilichen Lehr- und Beispielbetrieb Lindbergmühle an, wo es Informationsveranstaltungen und Weiterbildungen für Interessenten und zur Qualifikation gebe. Landrat Josef Laumer freute sich, dass mit diesem Aktionstag für die Besucher die Möglichkeit bestehe, „hinter die Kulissen, oder besser: unter den Wasserspiegel“ zu schauen. In Deutschland werde für Lebensmittel vergleichsweise wenig Geld ausgegeben, bedauerte der Landkreis-Chef.
Die Forellenzucht von Fischwirtschaftsmeister Thomas Flohr in Grünmühl bei St. Englmar ist als Vollerwerbsbetrieb die erste zertifiziert seuchenfreie Fischzucht Niederbayerns. Fischwirtschaftsmeister Flohr züchtet Fische vom Ei bis zum Speisefisch, schlachtet und veredelt sie. Seit über 40 Jahren werden die Fische in diesem Zuchtbetrieb nach den Qualitätskriterien der Forelle aus Niederbayern produziert.