Ackerbau

Hanf: Erfolg auch ohne Rausch

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Hans Nöbauer
am Montag, 20.07.2020 - 07:43

Pockinger Landwirt erntet nahezu THC-freie Cannabis-Pflanze.

„Ein Frühstücks-Löffel Hanföl steigert Ihr körperliches Wohlbefinden den ganzen Tag“: Spätestens seit dieser unkonventionellen (Rundfunk-)Werbung eines pfiffigen Allgäuer Müsli-Produzenten ist Hanföl buchstäblich zwar nicht in aller, aber immerhin schon vieler Munde.

Das „bekömmliche Speiseöl aus hundertprozentig erster Kaltpressung“ verleihe nach Hersteller-Angaben nicht nur Rohkost und Salaten, sondern auch gekochtem Gemüse eine „ganz besondere Geschmacksnote“.

Uralte Kulturpflanze hält wieder Einzug

Glatter „Null-Anteil“ an Kohlhydraten (Zucker), Eiweiß sowie Salz plus überwiegend mehrfach ungesättigte Fettsäuren: Mit der behördlichen Anbau-Freigabe von THC-freien Sorten wie speziell der „Cannabis sativa“ hält die uralte Kulturpflanze Hanf wieder vermehrt Einzug zur kommerziellen Nutzung auch auf „Rott- und Inntaler Feldfluren“.

Kurgäste schickten schon zwei Mal die Polizei

Bad Füssinger Kurgäste sowie vorbeifahrende besorgte Radlfahrer befürchteten hingegen bereits einen illegalen Rauschgiftanbau des Indischen Hanfes (Cannabis indica) für die Drogen-Produktion im großen Stil.

Bereits zwei Polizei-Kontrollen sahen diesbezüglich beim Pockinger „Hanf-Pionier“ Karlheinz Gruber vom geschichtsträchtigen Berger „Mich‘lbauer-Hof“ (Seit 1734 in Familienbesitz) „nach dem Rechten“ – und wurden dabei mit „Agrar-Expertisen“ über den ganz legalen Anbau einer Hanf-Nutzpflanze statt verbotener Marihuana-Plantage beruhigt: der Tretrahydrocannabinol-Wert liegt gerade mal weniger statt 0,2 Prozent.

Vielfältige Nutzung

„Die Hanf-Produktion erfolgt vorwiegend zur Samen- und Ölgewinnzug, ein geringerer Anteil wird als nachwachsender Rohstoff in der Fasergewinnung verwertet, wobei quasi reißfeste Schiffstaue selbst für Ozeanriesen, aber auch der sogenannte Werg zum Abdichten von Wasserleitungs-Verschraubungen heute noch legendären Charakter besitzen“, konkretisierte der frühere Pockinger BBV-Ortsobmann seine „rein zufällig“ entstandenen Verbindungen zu einer österreichischen Firma, die mit Hanffaser-Produkten experimentiert.

Während Hanf-Samen zur Ölgewinnung verwendet würden, dienten Hanfblüten und -blätter zur Herstellung von ätherischen Ölen. Neue Kaltpress-Verfahren ermöglichten inzwischen auch die Hanfsaft- beziehungsweise Nahrungsmittel-Gewinnung aus dem hochwertigen oberen Pflanzenteil, der früher auf dem Feld verrottet sei, wie Gruber ergänzend anmerkte.

Nutzhanf macht Sauen süchtig

„Nutzhanf macht höchstens meine Sauen regelrecht süchtig auf das wertvolle Raufaser-Futter, das in Büscheln über den Maststand reingehängt und dann von den Tieren wegen ihrer anregenden Duftnote begierig hergefieselt wird“, beschreibt der „Berger Hanf-Bauer eine gleichfalls zufällig gewonnene Erfahrung mit der „urigen Pflanze“.

Hanf bringt 700 PS-Mähdrescher zum stehen

Allerdings: „Hanf zu ernten bedeutet für Mähdrescher-Fahrer häufig keinen Spaß. Schon kleine Bedienungsfehler bewirkten nämlich sogar bei 700-PS-Boliden einen Maschinenstillstand, weil das robuste Stängel-Material die Trommel im wahrsten Sinne blockiert“, weiß der Landwirt, der aber auch die Lösung kennt: Moderate Motor- und Trommel-Drehzahlen verhindern das Abwürgen des Mähdreschers.

Auch die neu geschaffene Zweigstelle der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ruhstorf an der Rott verwendet Nutzhanf bei derzeit laufenden Sortenerprobungen.

LfL-Saatgutexperte Dr. Klaus Fleißner berichtet: „LfL-Kollegen der Mais-Abteilung benutzten auf einer Feld-Versuchsfläche des heutigen Bauernverbands-Ehrenpräsidenten Gerd Sonnleitner in Rottersham eine nicht THC-haltige Hanfsorte zur Isolation bei Mais-Versuchen. Eine LfL-Forschung für den kommerziellen Hanfanbau wird aber derzeit nicht betrieben“.