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Grünland: Landwirte kritisieren Fünf-Jahres-Regel

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Externer Autor
am Dienstag, 07.07.2020 - 11:14

Um den Ackerstatus nicht zu verlieren, ist bei als Grünland genutzten Äckern ein Umbruch und dann wieder eine Neuansaat nötig.

Um seine Kühe nicht ganzjährig im Stall halten zu müssen, hat Landwirt Markus Dillinger aus Saal-Einmuß vor knapp zehn Jahren mit der Weidehaltung angefangen. Zu diesem Zweck hat er auf dem benachbarten Grundstück seines landwirtschaftlichen Betriebs von seinem Nachbarn eine Ackerfläche gepachtet.

„Es gibt bei uns in der Region zu wenig Grünland, daher müssen wir für die Weidehaltung Ackerflächen verwenden, welche wir mit Gras ansäen. Mit dem Risiko, dass der Ackerlandstatus für das Grundstück verloren gehen könnte“, berichtet Landwirt Dillinger im Gespräch mit der Kelheimer CSU-Landtagsabgeordneten Petra Högl.

Zwangsumwandlung bedeutet Wertverlust

Denn bekanntlich wurde seitens der Europäischen Union festgelegt, dass Ackerflächen, auf denen Gras wächst, nach spätestens fünf Jahren zu Grünland werden und somit deutlich an Wert verlieren. Dies habe zur Folge, dass Dillinger, will er mögliche Strafzahlungen an den Verpächter aufgrund des Wertverlustes durch den eintretenden Grünlandstatus für das Grundstück vermeiden, spätestens nach fünf Jahren die Weidefläche umpflügen muss. „Nachdem ich die Grasnarbe zerstört habe, säe ich im gleichen Zuge wieder Gras an. Das kann doch nicht sein“, so Dillinger weiter.

Diesen Umstand hat Petra Högl, Mitglied im Landwirtschaftsausschuss des Bayerischen Landtags, zum Anlass genommen und eine Gesprächsrunde mit Vertretern des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Abensberg und der LfL sowie Saals Bürgermeister Christian Nerb und weiteren betroffenen niederbayerischen Landwirten initiiert. „Wir wollen ausloten, welche Möglichkeiten es kurz- und langfristig gibt, um diesen Umstand für die Landwirte zu verbessern“, so die Kelheimer Landtagsabgeordnete.

Zum Wohle der Tiere

Auch Siegfried Steinberger von der LfL warb dafür, eine Lösung für dieses Problem zu finden. „Eine bessere Imagewerbung für die Landwirtschaft wie weidende Tiere gibt es nicht“, ist sich Steinberger sicher. Seiner Ansicht nach gebe es bei der Weidehaltung nur Gewinner. Die Tiere seien durch die Weidehaltung gesünder und auch der Verbraucher honoriere diese sehr artgerechte Haltungsform.

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Und nicht zuletzt der Landwirt profitiert nach Dillingers Worten von der Weidehaltung. Es werde kein Kraftfutter benötigt, da die Tiere nur Gras fressen und er spare sich zudem Diesel- und Stromkosten in seinem Betrieb.
Eine mögliche kurzfristige Lösung der Problematik könnte sein, die geltende 5-Jahresfrist für den Erhalt des Ackerlandstatuses für Weideflächen vorerst bis zum Inkrafttreten der neuen GAP zu verlängern. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass in einem ersten Schritt eine schnelle Lösung gefunden werden solle. „Langfristig müssen wir alles daran setzen, dass diese EU-Regelung geändert wird“, sagte Högl, die ihren politischen Einsatz zusicherte.