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Engerlinge

Das große Fressen beginnt

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Gerd Kreibich
am Donnerstag, 23.06.2022 - 16:30

Engerlinge ruinieren wieder viele Grünlandflächen im Bayerischen Wald

Siegfried Jäger

Auch in diesem Jahr haben die Landwirte im Bayerischen Wald keine Ruhe vor den Engerlingen: die Maikäfer-Larven haben sich ihre Plätze unter der Grasdecke in den Grünlandregionen wieder erobert, was allerdings nicht unerwartet kam: das Jahr 2021 war ein echtes „Käferjahr“ gewesen, abendliche Heimfahrer mit Auto oder Fahrrad hatten an manchen Abend den Eindruck, durch einen Horrorfilm zu fahren: die Käfer umschwirrten sie zu Hunderten oder Tausenden.

Die Landwirte im Bayerischen Wald finden deshalb jetzt keine Ruhe: Nach der Maikäferplage letzten Sommer fressen sich nun Larven durch ihre Wiesen. Denn die Käfermassen vom vergangenen Jahr haben sich natürlich fortgepflanzt und deshalb sind in der Region Bayerischwer Wald jetzt die Erträge in Gefahr: die Larven der Käfer leben im Boden und ernähren sich von Graswurzeln – und gefährden so die Futterversorgung des Milchviehs.

Die Larven legen jetzt erst richtig los

„2022 kann es wieder richtig schlimm werden“, warnt Siegfried Jäger, BBV-Kreisobmann des Landkreises Freyung-Grafenau. Der erste Grasschnitt sei zwar gut gewesen, aber: „Die Larven fangen jetzt erst richtig an zu fressen.“

Und das lässt schlimme Erinnerungen wach werden bei den Bäuerinnen und Bauern, die in der Milchwirtschaft dringend angewiesen sind auf ausreichendes Futter – gerade jetzt, wo Zukäufe immer teurer werden. Vor zwei Jahren war es schon einmal so schlimm: viele Wiesen waren mehr braun als grün, von nicht wenigen Flächen konnte man die Grasnabe in einem Stück abziehen wie bei einem Rollrasen, darunter fanden sich riesige Mengen an Larven, die keinen Wurzelrest übrig ließen.

Dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium zufolge ist nach dem Hauptflugjahr 2021, in dem tausende Maikäfer ihre Eier abgelegt haben, heuer wieder ein Hauptschadensjahr. „Es wird erwartet, dass die Engerlinge die Wurzeln des Grünlands bis zur völligen Zerstörung schädigen können“, teilte das Ministerium mit. Besonders betroffen seien die Landkreise Freyung-Grafenau, Passau und Regen, aber auch der Landkreis Deggendorf.

120 Engerlinge pro Quadratmeter bei Probegrabung

Bei einer Probegrabung fand Jäger 120 Engerlinge pro Quadratmeter. Die Schadensschwelle auf dieser Fläche liegt bei 40 Engerlingen. Da die Larven noch klein sind, kann Jäger das Ausmaß erst in ein paar Wochen einschätzen. Aber die Futtererträge kommen schon jetzt nicht voran: „Trotz idealer Witterungsbedingungen wächst das Gras nicht richtig her“, beschreibt Kreisobmann Jäger die Situation. Und die Flächen, die schon im vergangenen Jahr durch die Larven beschädigt worden seien, würden nun natürlich auch wieder braun.

„Gerade für unsere Milchbauern bedeutet das richtig heftige Verluste“, erklärt der BBV-Kreisobmann. Am 27. Juni soll jetzt eine Videokonferenz mit Umwelt- und Landwirtschaftsministerium zum Thema „Flächenumwandlung“ stattfinden, denn zumindest könnte bei entsprechender Änderungen das ruinierte Grünland durch Umackern genutzt werden. Jäger setzt jetzt auf die Vernunft der beteiligten Ministerien und ihrer Experten, denn: „Die Situation wird sonst richtig bedrohlich“.