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Kontroverse

Nach Glyphosat-Ärger: Klarstellung oder Drohung?

Goldsteig Cham neu
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Freitag, 22.04.2022 - 14:39

Der Ärger geht nach der Kehrtwende von Goldsteig weiter: Auch der zweite Goldsteig-Brief sorgt bei Landwirten für großen Unmut.

Cham - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage haben die über 2600 Lieferanten der Goldsteig Käsereien GmbH Post des Molkereiunternehmens bekommen – und einmal mehr ist der Ärger groß. Denn ob unglücklich formuliert oder mit Absicht so verfasst: nicht wenige Bäuerinnen und Bauern fühlen sich mit dem Schreiben unter Druck gesetzt, empfinden es sogar als „Bedrohung“.

In der vergangenen Woche hatte Goldsteig das seit vier Jahren geltende Glyphosat-Anwendungsverbot bei seinen bayerischen und auch bei den tschechischen Lieferanten aufgehoben (wir berichteten). Grund für diese Aufhebung war, so hieß es in einem Schreiben an die Milcherzeuger, dass man den Betrieben in Zeiten steigender Kosten bei der Milcherzeugung die Möglichkeit schaffen wollte, aus den eigenen Flächen mehr Futter mit weniger Kosten zu beziehen. Diese Entscheidung war aber nicht auf den erwarteten fruchtbaren Boden gefallen: Landwirte protestierten entscheiden, sahen den guten Ruf der Goldsteig-Produkte, die aus ihrer Milch gefertigt werden, in Gefahr und auch die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und damit auch seiner Lieferanten werde auf´s Spiel gesetzt.

Einen Rückzieher gemacht

Nachdem eine Gruppe von Erzeugern mit der Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung gedroht hatte, in deren Rahmen man die Entscheidung hätte rückgängig machen können und nachdem auch entsprechende Unterschriftenlisten schnell im Umlauf waren, kam der Rückzieher aus der Goldsteig-Zentrale: das Glyphosat-Verbot wurde mit sofortiger Wirkung wieder in Kraft gesetzt.

Dies wurde den Bäuerinnen und Bauern in einem zweiten Schreiben mitgeteilt, doch auch dieser Brief stößt vielen sauer auf. Denn Goldsteig erklärt in dem Schreiben zwar, warum man sich doch jetzt doch wieder für ein Verbot des Pflanzenschutzmittels entschieden habe, führt aber auch eine Reihe von Konsequenzen an, die die Nicht-Anwendung des Mittels haben könne. Größtes Risiko in der aktuellen Situation sei für das Unternehmen, dass „nennenswerte“ Milchmengen verloren gehen könnten. So ein Rückgang hätte für das Molkereiunternehmen dann gravierende Folgen: eine sinkenden Auslastung der Produktion, steigenden Koste und vielleicht sogar der Verlust von Handelskunden stünden im Raum. Am Ende könnten unter dem Strich sogar sinkende Milchpreise für die Bauern stehen.

Derr Landwirt Josef Hackl, der sich auch im Landwirtschaftlichen Wochenblatt vehement für den Erhalt des Glyphost-Verbots eingesetzt hatte, sieht in dem Hinweis auf möglicherweise sinkende Milchpreise eine Drohung durch das Unternehmen Goldsteig: Es könne aber nicht sein, so Hackl, das man Landwirte gewissermaßen „vorbeugend“ für eine Absenkung des Milchpreises selbst verantwortlich mache, „so kann das nicht laufen“, meint Hackl.

Im Jahr 2018 hat sich die Molkerei dazu entschieden, den Einsatz von Glyphosat zu verbieten. Ein Video von damals sehen Sie hier:

Derartige Vermutungen weist man in der Goldsteig-Zentrale zurück: Geschäftsführer Andreas Kras nannte das Schreiben im Bayerischen Rundfunk eine „Situationsbeschreibung“, man habe die aktuelle Situation klargemacht, auch dies sei man den Landwirten schuldig, insbesondere vor dem Hintergrund stetiger und massiver Steigerungen der Produktionskosten auf den Betrieben.Diese Steigerungen könnten dazu führen, das Erzeuger Einsparungen vornehmen, die aber zu Lasten der Milchleistung führen können.

Spekulationen, wonach die tschechischen Landwirte aus den Milchlieferverträgen mit Goldsteig aussteigen würden, wenn sie kein Glyphosat ausbringen dürfen, wollte Kraus nicht kommentieren. Er machte aber deutlich, , dass diese Betriebein deutlich größerem Umfang wie die bayerischen Betriebe Ackerbau betreiben, das von der Goldsteig GmbH ausgesprochene Glyphosatverbot träfe sie daher stärker. Dass ein Abgang der tschechischen Erzeuger für Goldsteig schwer zu verkraften sei, das bestritt Kraus aber nicht: die 150 Lieferanten aus Tschechien liefern aufgrund ihrer Betriebsgrößen und Tierzahlen fast ein Drittel der Milch, die von Goldsteig verarbeitet wird.