Prävention

Gemeinsam gegen die Schweinepest

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Gerd Kreibich
am Donnerstag, 19.11.2020 - 10:38

Der Landkreis Landshut bereitet sich intensiv auf Afrikanische Schweinepest vor

Auch wenn die fortschreitende Corona-Pandemie derzeit die Schlagzeilen beherrscht, hat der Ausbruch einer Tierkrankheit ebenfalls bereits große Auswirkungen auf einen Bereich der heimischen Wirtschaft genommen.
Nachdem in Brandenburg und mittlerweile auch in Sachsen bei über 100 verendeten Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen worden ist, ist der internationale Markt für deutsches Schweinefleisch merklich kleiner geworden: Mehrere Länder in Asien und Südamerika haben bereits Import-Verbote ausgesprochen für Schweineprodukte aus ganz Deutschland. Ein herber Einschnitt für die Landwirte, auch in der Region Landshut.

Hohe Schweinedichte in der Region Landshut

So haben der Landrat des Kreises Landshut Peter Dreier und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, selbst Landwirt und Jäger, Vertreter der beteiligten Veterinär- und Landwirtschaftsbehörden, des Bauernverbandes und der Jagd ins Landratsamt Landshut eingeladen, um Koordinierungsmaßnahmen zu besprechen und die Kommunikationsstrukturen zu klären.

„Denn am Tag X zählt jede Stunde“, stellte der Veterinäramtsleiter Dr. Josef Yun klar, zumal im Kreis Landshut – je nach Ausbruchsort – hunderte schweinehaltende Betriebe mit ihren insgesamt rund 450 000 Tieren betroffen sein könnten. Bei einer Infektion in einem Hausschweinbestand wären Maßnahmen der Tierseuchenbekämpfung anzuwenden, was auch die massenhafte Keulung im infizierten Bestand bedeutet.
„Im Landkreis Landshut spielen mehrere Faktoren zusammen, die vor allem im Hinblick auf die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest problematisch sein können“, erklärte Yun. Laut dem Veterinär herrscht eine hohe Dichte an schweinehaltenden Betrieben im nördlichen Landkreis mit einer gleichzeitig hohen Schwarzwildpopulation. „Und leider ist auch im südlichen Landkreis die Zahl der Wildschweine in der Vergangenheit angestiegen“, so Yun weiter. Deshalb hat das Veterinäramt Landshut bereits in großen Übungsszenarien geprobt, was im Ausbruchsfall zu veranlassen ist und die verschiedenen Akteure behörden- und branchenübergreifend an einen Tisch gebracht.

Schwarzwildbestand muss weiter reguliert werden

Die Regulierung des Schwarzwildbestandes wird von Experten als eine wirksame Präventionsmethode angesehen, weil die Wildschweindichte einer Region den Ausbruch maßgeblich beeinflusst. Dabei bewege sich die Schwarzwildbejagung im Landkreis Landshut auf Rekordniveau, konnten die Vertreter der Jägerschaft berichten. Der Einsatz von Drohnen, um die Wildschweine zu lokalisieren, habe sich sehr bewährt: Denn die Erfahrung zeigt, dass es kaum möglich ist, die Tiere auf dem Ansitz zu erlegen. Hier kam auch die „Abschussprämie“ zur Sprache, also eine Art staatliche Aufwandsentschädigung für den Jäger für jedes erlegte Tier.
Während in den Grenzlandkreisen vom Bayerischen Umweltministerium höhere Prämien eingeführt wurden, sind in den anderen Landkreisen die Prämien seit Jahren quasi unverändert. „Auch wenn die Abschussprämie vom Landratsamt ausbezahlt wird, handelt es sich um staatliche Gelder, die wir nicht beeinflussen können“, teilte Landrat Dreier mit. Er plädierte hier für eine Angleichung der Zahlungen.
Der Erfahrungsschatz der Jäger ist nach Meinung des Landrates aber viel wert: „Kaum jemand kennt doch die einzelnen Gebiete so gut wie die Revierpächter, niemand weiß so genau wie die Jäger, wo die Wildschweine sich bevorzugt aufhalten, wo auch möglicherweise verendete Kadaver zu finden sind, die schnellstmöglich fachmännisch geborgen und untersucht werden müssen“, sagte Dreier.

Landwirte müssen aktuell und gut informiert sein

„Sollte die Seuche bis in unsere Region kommen, wäre wirtschaftlich mit weiteren umfassenden und großräumigen Handelsbeschränkungen bei lebenden Tieren, aber zusätzlich bei deren Fleisch und verarbeiteten Produkten zu rechnen – auch wenn ausschließlich bei Wildschweinen in der Region die Krankheit festgestellt werden würde“, betonte der der Landshuter BBV-Kreisobmann Georg Sachsenhauser.
Er bietet dem Landkreis die enge Zusammenarbeit mit der Berufsvertretung in Sachen ASP an. Die Bauern seien auf richtige und aktuelle Informationen angewiesen, deshalb habe der Bauernverband entsprechende Veranstaltungen durchgeführt und versorge die Landwirte auch schriftlich mit den notwendigen Hinweisen, damit sie immer auf dem aktuellen Stand sind.