Personalie

Ein gefragter Ratgeber geht in Ruhestand

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Externer Autor
am Montag, 22.02.2021 - 13:56

Hermann Wieslhuber geht nach 3000 Beratungen in den Ruhestand. Er beriet in ganz Niederbayern, aber auch in der Oberpfalz.

Es ist fast schon so etwas wie das Ende einer Ära für den Bauernverband in Niederbayern: Hermann Wieslhuber hat sich in den Ruhestand verabschiedet. Er war in ganz Niederbayern, sondern auch im angrenzenden Oberbayern bekannt dafür, dass er selbst in schwierigen Fällen einer Hofübergabe immer wieder Lösungen fand, die den Frieden auf den Betrieben und in den Familien erhalten konnten – auch wenn das nicht immer leicht war, wie er am Ende seiner beruflichen Laufbahn berichtet.

Der gelernte Landwirt und an der Fachakademie in Landsberg ausgebildete Landtechniker ging nach seiner Zeit bei der Bundeswehr zum Bayerischen Bauernverband. Am 1. November 1981 begann seine Einarbeitungszeit beim Bauernverband in Eggenfelden, im Jahr darauf ging es als Berater an die Geschäftsstelle des Verbandes in Straubing, 10 Jahre war Hermann Wieslhuber in der Gäuboden-Metropole für die Bäuerinnen und Bauern tätig. Dann ging es wieder in die Heimat Rottal-Inn erst als stellvertretender Geschäftsführer, dann kam die Übernahme der Leitung der Geschäftsstelle.

Nachfolgeberatung als Beruf und Berufung

Doch seine echte „Berufung“ fand Hermann Wieslhuber im Jahr 2014, als er ganz offiziell die „Übergabeberatung“ in die Hand nahm und dafür auch die Geschäftsführerposition an deren heutigen Inhaber Veit Hartsperger übergab. Wieslhuber war ja schon zuvor gefragter Ansprechpartner, wenn es darum ging, für einen landwirtschaftlichen Betrieb eine Übergaberegelung zu erarbeiten. Für ihn steht heute fest: die sogenannten „Eierverträge“, mit denen festgelegt wurde, wie viele Eier die Hofnachfolger den Altenteiler abliefern mussten, hatten sich überlebt, „obwohl ich das in den 80er Jahren noch erlebt habe, dass Naturalien bis auf das letzte Detail festgelegt wurden“, erinnerst sich Hermann Wieslhuber.

Übergabeplanung muss sehr früh beginnen

Wieslhuber machte in unzähligen Vorträgen und Seminaren klar, was ihm am Herzen lag: „Die Übergabe eines Betriebes darf nicht erst zum Thema werden, wenn es nicht mehr anders geht oder wenn vielleicht sogar schon ein Todesfall eingetreten ist. „Was aus einem landwirtschaftlichen Betrieb wird, damit müssen sich ein Landwirt oder eine Landwirt schon befassen, wenn sie den Betrieb gerade erst übernommen haben“, mahnte er immer wieder. Und dabei muss es gar nicht gleich um einen Todesfall gehen: „Da kann es einen schweren Unfall geben, der einen Landwirt völlig arbeits- und vielleicht handlungsunfähig macht. Es kann Eheprobleme geben, die zur Scheidung führen. Es kann Streit geben unter den Kindern – und das sind nur einige Beispiele“, so der Experte, der selbst rund 3000 Fälle bearbeitet hat, in denen sich bäuerliche Familien an ihn gewendet hatten.

Meistens war die Beratung erfolgreich

Hermann Wieslhuber schildert ein Beispiel, dass ihm in Erinnerung geblieben ist: „Ein schöner und gesunder landwirtschaftlicher Betrieb, die Eltern sind verstorben, die Erben sind ein gelernter Landwirt, ein Lehrer, eine Lehrerin und eine Psychologin. Und dann gibt es noch Grundstücke, die wertvolles Bauland darstellen – das hat zu einem regelrechten Krieg geführt, die Erben waren am Ende völlig zerstritten, haben nicht mehr miteinander gesprochen, am Schluss brauchte es eine gerichtliche Entscheidung, aber der Familienfrieden war unwiederbringlich zerstört“, so Wieselhber, der auch eingesteht, dass dies einer der wenigen Fälle war, in denen er trotz aller Bemühungen nicht helfen konnte.

Doch in den allermeisten Fällen wurde sein Rat gerne angenommen, „die Menschen haben immer gemerkt, dass Hermann Wieslhuber großes Wissen hat, dass er aber auch zuhören und eine Situation richtig einschätzen kann“, bestätigt der Rottaler BBV-Geschäftsführer Veit Hartsperger. Aus ganz Nieder- und Oberbayern seien die Ratsuchenden gekommen, um ihre Fragen, Probleme, auber auch Sorgen und Ängste mit Hermann Wieslhuber zu besprechen.

Manche Probleme gehen auch dem Berater nahe

„Da gab es oft erschütternde Situationen in den Familien, die ich dann auch nach Dienstschluss nicht einfach abschütteln konnte, weil man durchaus auch in Abgründe geblickt hat“, so der scheidende Berater. Umso mehr freut er sich übe rdie vielen positiven Lösungen, an denen er mitarbeiten konnte: „Wenn Menschen, die kritisch oder auch schon zerstritten gekommen sind und dann ihren Frieden miteinander machen konnten – das hat mich schon sehr gefreut“, gesteht er ein.

Mit rechtzeitiger Planung böse Folgen verhindern

Und noch einmal weist er auf den wichtigsten Schluss hin, den aus seiner jahrelangen Erfahrung gezogen hat: „Die Generationenfolge beginnt lange vor einer Übergabe, möglichst viele Dinge sollten möglichst bald geklärt und vereinbart werden, auch und gerade, wenn es um Geld geht“, sagt Hermann Wieslhuber. Denn der Streit um Geld könne zu echtem hass führen, „aber mit rechtzeitiger Planung kann man das vermeiden“.
Was Hermann Wieslhuber freut, das ist auch der Umstand, dass seine Nachfolge gut geregelt ist: mit Josef Blindeneder hat ein langjähriger Berater das Amt Wieslhubers übernommen, „der wird das richtig gut machen“, ist Hermann Wieslhuber überzeugt. Wer selbst wird sich zukünftig um seine Obstbäume kümmern, auch 6 Hektar Wald wollen gepflegt werden und ein passionierter Jäger ist Hermann Wieslhuber auch noch. Auf seine Arbeit wird er aber immer gerne zurückblicken: „Es war mir schon eine Ehre, dass mir so viele Menschen ihr Vertrauen geschenkt haben“.