Vor Ort

Ein ganzes Dorf wird zur Genussmarke

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Melanie Bäuml-Schachtner
am Montag, 22.11.2021 - 15:37

Die kleine Gemeinde Eppenschlag will zum Zentrum des Genusses in Niederbayern werden. Bäuerliche Direktvermarktung spielt dabei eine besondere Rolle.

Eppenschlag/Lks. Freyung-Grafenau Jeden Freitag ab 14 Uhr zieht der Duft von frischgebackenem Bauernbrot, rahmigen Sengzelten und würzigen Räucherfischen über den Dorfplatz von Eppenschlag. Es ist Bauernmarkt. Erst vor kurzem hat Bürgermeister Peter Schmid mit dem Unternehmer Rupert Kraft dieses Ereignis ins Leben gerufen, bei dem Direktvermarkter 99 Produkte aus der Region an verschiedenen Ständen anbieten. Er will die zweitkleinste Gemeinde im Landkreis Freyung-Grafenau zu einem Zentrum des Genusses in Niederbayern machen.

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Auch der niederbayerische Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich machte einen Rundgang über den Markt und begrüßte die Möglichkeit für Landwirte, ihre Erzeugnisse regional zu vermarkten. Dies passe zur Genussregion Niederbayern, die unter der Trägerschaft des Bezirks etabliert werde.

An den Ständen in Eppenschlag stehen – corona-konform – jeden Freitag die Bürger an. Sie kommen aus dem ganzen Landkreis. Dass der neue Markt einen Besuch wert ist, hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Honig und Wein, Holzdeko und Wurstwaren, Käse und Schnäpse, und das alles aus dem Umkreis. Das kommt an. Eppenschlags Bürgermeister Peter Schmid, seit 2020 im Amt, freut sich über das große Interesse der Bevölkerung. Er ist vom Fach: In seiner alten Heimat Baden-Württemberg war er Hotelier, führte zwölf Jahre den Landesverband des deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) als Landesvorsitzender.

Erfolgreich mit Produkten aus der Region

Nun hat er im Landkreis Freyung-Grafenau eine Heimat gefunden. Dort kaufte er vor fünf Jahren einen Hof, auf dem er mit seiner Familie Feriengäste beheimatet. Er setzt sein Wissen auch in seiner Gemeinde um und wandelt so in den Fußstapfen seiner Vorgänger, die es schon 2012 schafften, Eppenschlag zum Genussort als Marke eintragen zu lassen. „Genau mein Thema“, sagt Peter Schmid.

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Das Thema Genuss verfolgt er konsequent weiter: Im neuen Gemeindehaus, in dem gerade die letzten Arbeiten getätigt werden, entsteht eine regionale Genuss-Akademie. Das frühere „Haus der Bäuerin“, in dem genäht, gewaschen und auch geschlachtet wurde, beherbergt nun bald nicht nur einen Bürgersaal und Räume für einen Jugendtreff, sondern auch Platz für ganz besondere Seminare zum Thema Lebensmittel. „Hier sollen die Menschen zum Beispiel geschult werden, wie sie Fleisch richtig zerlegen. Wir müssen beim Fleischverbrauch umdenken – es gibt tolles Fleisch, das wenig genutzt wird, zum Beispiel aus der Schweineschulter oder der Keule. Dies wollen wir in Kursen vermitteln. Und es soll Seminare zum Thema Wein oder Bier geben“, stellt er in Aussicht. Und einfach alles rund um gesunde Ernährung.

Noch viel mehr ist außerdem in Eppenschlag geplant. So soll eine Genossenschaft einen Bauernmarkt im Inneren des Gasthauses „Beim Alten Bräu“ betreiben, mit dem dazugehörenden Dorfgasthaus. Und als zwei Pilotprojekte sollen ein Strohstall, bei dem die Schweine auf Stroh und mit mehr Platz gehalten werden, sowie, wenn es gelingt, eine Bio-Mutterkuhhaltung in der Gemeinde etabliert werden.

Bewusstsein für Region weiter stärken

„In der Politik wird viel geredet über Tierwohl und regionale Wertschöpfung aus der Landwirtschaft. Wir reden nicht so viel, wir setzen es um“, gibt Peter Schmid die Marschrichtung vor. „Die Menschen sollen nicht nur wegen der schönen Natur kommen, sondern wegen der Produkte.“

Das kommt Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich sehr entgegen. Vor genau einem Jahr wurde die „Genussregion Niederbayern“ gestartet, eine Kooperation zwischen dem Bezirk Niederbayern und dem Amt für ländliche Entwicklung in Landau. Ziel ist es, das Bewusstsein der Verbraucher für regionale Produkte und Dienstleistungen zu stärken. „Wie das geht, zeigt Eppenschlag in beeindruckender Manier. Es ist großartig, was hier binnen kürzester Zeit umgesetzt wurde“, sagte Heinrich bei seinem Besuch.

Diese Initiative begrüßt auch Franz Schreyer. Der Straubinger Bezirksrat war beim Rundgang über den Bauernmarkt begeistert dabei und verkörperte zwei Standpunkte: Den der Politik, aber auch – als stellvertretender BBV-Kreisvorsitzender – den der Landwirte. Er bewertete das Projekt, ebenso wie Innernzells Bürgermeister Josef Kern, als „den richtigen Weg“.
Am Rande des Rundgangs über den Markt kam der Bezirkstagspräsident auch mit Vertretern der Landwirtschaft ins Gespräch. Kreisbäuerin Elke Binder, ihre Stellvertreterin Anita Kaspar-Pleintinger, Kreisobmann Siegfried Jäger und BBV-Kreisgeschäftsführer Stefan Hageneder betonten, wie wichtig die Wertschätzung der regionalen Landwirtschaft für den Bauernstand ist und mit welchen Auflagen man zu kämpfen hat. Die Kreisbäuerin überreichte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich dabei auch ein Kochbuch der Landfrauen aus dem Landkreis, in dem gezeigt wird, wie die Produkte gesund und lecker verarbeitet werden können.