Ackerbau

Frühkartoffeln machen Freude

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Rudolf Hirsch
am Montag, 06.07.2020 - 09:25

Oberpfalz: Direktverkauf läuft gut, Probleme dagegen beim Absatz von Pommes.

„Die Frühkartoffel will gehegt und gepflegt sein“, sagt Anton Dobler. Der 60-jährige Landwirt aus Nabburg-Perschen stellte schon im Februar die Vorkeimkisten im Hauskeller auf, schichtet die Keimlinge regelmäßig um, bringt sie schließlich mit einer halbautomatischen Maschine in die Erde und deckt das Pflanzgut zum Schutz vor Frost mit einem Vlies ab. Mit einer Beregnungsanlage fördert er das Wachstum des Saatguts. Die Mühen haben sich auch heuer wieder gelohnt. Stolz präsentiert der Landwirt die Ergebnisse.

Liefervertrag und Direktvermarktung

Zur Eröffnung der Frühkartoffelsaison wählte der BBV-Kreisverband Schwandorf diesmal den Hof von Maria und Anton Dobler aus, die auf 6,8 ha Ackerfläche Kartoffeln anbauen. Bei den „frühen“ Sorten sind es die „Valetta“ (vorwiegend festkochend) und die „Annabelle“ (festkochend). Die Landwirtsfamilie betreibt einen Hofladen und hat einen Liefervertrag mit der Veredelungsfirma „Burgi“.

Der Wettergott meinte es bisher gut mit den Kartoffelerzeugern. Wenn Anton Dobler den „Kral“ ansetzt, kommen schöne große Knollen zum Vorschein. Die Stimmung wird durch die Coronakrise allerdings getrübt. Es kam bei den Knödelteig- und Pommes-Herstellern zu Absatzproblemen, weil die Gastronomie und vor allem das Oktoberfest wegbrachen.

Deutscher knabbern mehr

Gewinner sind dagegen die Chips-Fabriken. „Die Leute sitzen jetzt viel mehr zu Hause und knabbern“, bemerkt der Vorsitzende der Erzeugergemeinschaft für Qualitätskartoffeln, Josef Reitinger. Er zieht einen weiteren Vorteil aus der aktuellen Situation: „Die Leute setzen verstärkt auf regionale Produkte und holen sich ihre Lebensmittel bei den Direktvermarktern.“

Zum bei Familie Dobler, die ein Selbstbedienungskonzept entwickelt hat. „Die Leute sind ehrlich“, erklärt Maria Dobler. Und: „Wenn jemand Fragen hat oder Hilfe braucht, es ist immer jemand unterwegs auf dem Hof.“

Niederschläge haben Kartoffeln gut getan

„Die eher kühleren Temperaturen und die Niederschläge haben den Erdäpfeln gut getan“, stellt Sebastian Betz vom Erzeugerring Oberpfalz fest. Wichtig sei auch die Bodenbeschaffenheit. Anton Doblers Ackerböden sind lehmhaltig und speichern die Feuchtigkeit länger als sandiger Untergrund.

In Deutschland werden auf 235 000 ha Ackerfläche Kartoffeln angebaut. Bayern ist mit 45 000 ha nach Niedersachsen das zweitgrößte Kartoffelland. Knapp 1100 ha entfallen auf den Landkreis Schwandorf.

Nach dem Feldeinsatz lud die Gastgeberin zu „Kartoffelschmankerln“ ein und servierte gefüllte Kartoffeltaschen, -puffer und -schmarrn. BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher gab noch einen Tip dazu: Er gestand, großer Fan zu sein von Kartoffelgulasch mit Zwiebeln, Paprika und Tomaten und, wenn es besonders deftig schmecken soll, mit grober roher Bratwurst.