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Waldumbau

Forstsaatgut: In den Baumwipfeln wird geerntet

Keine Höhenangst: Ganz oben erntet Thomas Emslander die Zapfen der Küstentanne.
Helga Gebendorfer
am Mittwoch, 28.09.2022 - 08:18

Die Zapfen von Douglasie und Küstentanne werden für regionales Saatgut benötigt.

Auf den Arbeitsschutz achten: Mit der Hebebühne ist eine sichere Arbeit gewährleistet, denn gerade bei der Zapfenernte wird auf die Sicherheit am Arbeitsplatz in luftiger Höhe großer Wert gelegt.

Mainburg/Lks. Kelheim Zapfenernte in der Hallertau – das ist schon eine Besonderheit. Zwei Wochen lang ging es mit der Hebebühne hoch hinaus in die Baumwipfel. Thomas Emslander senior und junior aus Unterglaim im Landkreis Landshut nehmen sich gerne Zeit für diese Möglichkeit, die über die übliche Holznutzung hinausgeht. Wichtig ist ihnen, regionales Saatgut zu gewinnen und zur Verfügung zu stellen.

„Alle zwei bis drei Jahre blüht der Wald, das heißt es ist ein sogenanntes Mastjahr.“ Heuer war es wieder so weit, informieren die Waldbauern. Eigentlich haben sich die beiden auf ihrem Betrieb auf die Christbaumanbau spezialisiert. Doch zudem bewirtschaften sie insgesamt 170 ha Wald – einschließlich der 65 ha großen Waldfläche bei Mainburg im Landkreis Kelheim, die der Senior vor 26 Jahren gekauft hat. Hier wachsen neben Fichten, Kiefern und Laubholz auch sogenannte „Fremdländer“, das heißt Baumarten, die nach 1492 in unsere Breiten gekommen sind. Dazu gehören unter anderem die Douglasie und Küstentanne.

Zum ersten Mal auch Douglasie beerntet

Die Ernte eingefahren: Mit der diesjährigen Zapfenernte sind Thomas Emslander senior (r.) und junior in diesem Jahr durchaus zufrieden.

Während die Küstentanne bereits seit elf Jahren beerntet wird, war es bei der Douglasie in diesem Jahr eine Premiere. „Heuer rentiert sich der Aufwand, weil die Befruchtung zum größten Teil sichergestellt ist“, sagt Thomas Emslander senior.

Die Erntemenge variiert von 5 bis 200 kg pro Baum. Wegen der genetischen Vielfalt müssen mindestens 20 Bäume beerntet werden. Außerdem nehmen die Waldbesitzer von jedem der beernteten Douglasien von 15 Zapfen eine sogenannte ZÜF-Probe, also eine Rückstellprobe. „Auf diese Weise wird die Rückverfolgbarkeit gesichert und die Probe kann jederzeit später im Labor untersucht werden“, berichtet Thomas Emslander junior.

Ganz offiziell ein Ernteunternehmen

Familie Emslander ist offiziell als Ernteunternehmen registriert. Die Zapfenernte wird nach Hause transportiert, wo sie in einer Halle locker aufgeschüttet wird und zwei bis drei Monate trocknen kann. Dann geht das Erntegut an zwei abnehmende Saatgutfirmen in Dänemark, die es aufbereiten und deren Keimfähigkeit überprüfen. Anschließend wird es an Baumschulen in ganz Europa vermarktet.

Die Kosten für die Ernte übernehmen die Emslanders, die Kosten für die Aufbereitung die Abnehmerfirmen. Der spätere Erlös wird gerecht aufgeteilt. In diesem Jahr sind die Waldbesitzer zufrieden. Sie ernteten von den Douglasien ca. 1,5 t Rohware und von den Küstentannen rund 3 t Rohware.

Am Ende ergibt sich daraus 4 bis 5 Prozent Verkaufsware. Vater und Sohn bedauern, dass sich bisher nur wenige Waldbesitzer mit der Zapfenernte beschäftigen: „Es wäre aber auch absolut notwendig, für die künftigen Herausforderungen regionales Saatgut auch vor Ort zu verwenden.“

Denn fest steht: in Zeiten des Klimawandels und der immer wieder geforderten Anpassung der Wälder an die diskutierten Entwicklungen der Zukunft kann es wertvoll sein, beim Saatgut genauer hinzusehen, davon ist Thomas Emsalnder überzeugt. Nicht ohne Grund sei das Saatgut aus Bayern auch weit außerhalb der Landesgrenzen sehr gefragt. Die Zapfenernte könne einen wertvollen Beitrag zum Waldumbau leisten.