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Direktvermarktung

Fisch im Vorbeifahren verkauft

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Walter Neugebauer
am Montag, 17.01.2022 - 08:54

Der Fischerhof Schießl hat Erfolg mit einer ungewöhnlichen Idee. Die Pandemie hat sich auf den Absatz der Teichwirte ausgewirkt.

Schwarzenfeld-Asbach - In Coronazeiten ist Erfindergeist gefragt. Das hat Familie Schießl bereits letztes Jahr an der Allerwelt’s Kirwa bewiesen. Auf dem Betrieb in Schwarzenfeld-Asbach wurden Fischgerichte im „Drive-in-Verkauf“ angeboten und dies mit vollem Erfolg. „Über 200 Essen haben wir so verkauft. Es gibt immer gebackenes Karpfenfilet und Forellenfilet im Bierteig mit selbstgemachtem Kartoffelsalat und jeweils ein Fleischgericht“, sagt Johann Schießl (74), Senior auf dem Fischerhof.

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Am 4. Advent wurde auch ein „Drive-in“ ein echter „Renner“. Der Fischerhof Schießl liegt in Asbach, östlich von Schwarzenfeld, am Rande des großen Teichgebietes. Johannes Schießl (32) Teichwirt, bewirtschaftet hier zusammen mit seiner Frau Julia und seinen Eltern Ilse und Johann rund 25 Weiher mit einer Fläche von ca. 65 ha.

Sie halten überwiegend Karpfen und vermarkten sie als Speisefisch direkt ab Hof und in der eignen Gastronomie mit Party-Service. Die Karpfen sowie die Beifische Hecht, Zander, Schleie und Weißfisch verkaufen sie an Fischereivereine als Satzfische in Flüssen und Seen. In der hauseigenen Gaststätte, einer urigen Blockhütte am Hof mit Platz für ca. 65 Gäste, bewirtet die Familie überwiegend geschlossene Gesellschaften wie Familien- und Firmenfeiern oder Busreisen.

Den Kunden etwas Besonderes bieten

Aufgrund der aktuellen Coronalage sind auch hier die Buchungen etwas rückläufig geworden. „Warum also nicht die Küche nutzen und das Essen nach draußen geben, so ähnlich wie den bekannte amerikanischen Restaurantketten“, sagten sich Ilse und Julia Schießl. Ihr Plan: Die Kunden fahren an der Blockhütte vorbei, bekommen die Gerichte durchs Fenster gereicht und bezahlen. Sie brauchen nicht auszusteigen, fahren wie in einem Kreisverkehr durch den Hof wieder hinaus zur Hauptstraße und können zuhause ihr Essen genießen. Unter der Regie von Ilse Schießl half in der Küche und beim Service die ganze Familie mit, um diese Idee umzusetzen.

Frisch zum Verkaufstag wurden dann die Karpfen aus den Hälterteichen am Hof sowie die Forellen küchenfertig geschlachtet beziehungsweise filetiert. Anschließend werden die Fische dann in der Küche von der Küchen-Chefin Ilse eingewürzt.

Werbung auch über die sozialen Netzwerke

Die Idee mit dem Drive-in gerade in der ersten Corona-Phase, in der die Gaststätten geschlossen bleiben mussten, kam gut an. „Geworben haben wir ausschließlich über die sozialen Netzwerke sowie über persönliche Kontakte“, betont die gelernte Bürokauffrau, die bereits seit fast sieben Jahren im Betrieb mitarbeitet und sich um den Vertrieb der Fische kümmert.

„Wir bereiten die Gerichte nur auf Vorbestellung zu, damit können wir besser planen und es werden somit auch keine wertvollen Lebensmittel verschwendet, gerade das ist uns sehr wichtig“, erläuterte Julia Schießl. Die Gerichte werden dem Kunden direkt ans Autofenster gereicht, somit ist der Kontakt so gering wie möglich gehalten.

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„Corona hat sich natürlich auch auf den Absatz der Teichwirte ausgewirkt“, sagt Johann Schießl, der auch Vizepräsident des Oberpfälzer Fischereiverbandes ist. Durch die Schließung der Gastronomie sei der Absatz sehr stark eingebrochen.

Aber auch das Verhalten der Kunden beim Einkauf hat sich verändert, bemerkt Julia Schießl: „Seit die Leute mehr daheim sind und zum Beispiel im Homeoffice arbeiten, befassen sich die Menschen mehr mit ihrer Ernährung und legen mehr Wert auf gesunde und vor allem regionale Lebensmittel.“

Darüber freue man sich in der Direktvermarktung natürlich sehr, „aber vor allem freut uns, dass das Bewusstsein für die Regionalität und die Wertschätzung gerade solcher Lebensmittel wie dem Karpfen dadurch mehr ins Bewusstsein treten“, so Schießl. Diese Entwicklung sei positiv, „vor allem wenn man bedenkt, dass es drei Jahre benötigt, bis so ein Oberpfälzer Karpfen zum fertigen Speisefisch wird“.