Preiskrise

Ferkelerzeuger klagen ihre Existenzsorgen

Mastschweine-Trog
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Redaktion Wochenblatt
am Donnerstag, 18.11.2021 - 14:27

Die Situation der Ferkelerzeuger ist katastrophal. Die fehlenden Perspektiven bereiten in Ostbayern massive Sorgen.

Taimering/Lks. Regensburg - Auf die katastrophale Situation der Ferkelerzeuger hat der BBV-Kreisverband Regensburg und die Familie Messner in Taimering (Lks. Regensburg) deutlich hingewiesen. Gastgeber Clemens Messner bezeichnete die fehlenden Perspektiven bei einem Besuch von Dr. Leopold Herz, dem Vorsitzender des Landwirtschaftsausschusses im Bayerischen Landtag, als Hauptproblem. „Die Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels steigen weiter an, die Erzeugerpreise sind dagegen regelrecht abgestürzt“, umschrieb er die Lage der Schweinehalter laut einer Mitteilung des Bayerischen Bauernverbandes.

Kostensteigerung machen zu schaffen

Verschärfend kommen massive Kostensteigerungen bei Energie, Futter- und Betriebsmittel hinzu. Es stelle sich laut Messner die Frage, wie die Anforderungen bei den vorhandenen Stallsystemen umgesetzt werden können.

Landwirt Erwin Kabl, selbst ebenfalls Schweinehalter, äußerte sein Unverständnis darüber, dass mit modernster Technik und bestem Futter für das Wohlbefinden der Tiere in den Ställen gesorgt werde und nach langjähriger Praxis nunmehr völlig andere Parameter zählen. „Als Landwirt will ich den Tieren das Beste geben“, sagte Ferkelerzeuger Alexander Sturm und kritisierte die fehlende Honorierung der zusätzlich geforderten Tierwohlleistungen.

Politischer Austausch

Die stellvertretende Kreisbäuerin Rosmarie Messner ergänzte, dass es keinen Spaß mache, wenn man sich ständig anhören müsse, was man als Nutzierhalter falsch mache. Die Landwirte hätten in der Vergangenheit  immer das getan, was die Gesellschaft von ihr gefordert habe und jetzt wäre dies nicht mehr richtig, äußerte sie ihr Unverständnis. Corona habe gezeigt, wie anfällig die Lieferketten sind. Importe könnten nicht die Versorgungssicherheit und die gewünschten Qualitäten gewährleisten.

Heimische Versorgung nicht mehr gewährleistet

„In der Krise baut niemand um oder neu“, sagte Leopold Herz, der für die Freien Wähler im Landtag sitzt, hinsichtlich der geforderten Investitionen in mehr Tierwohl. Deutschland verfüge zudem über die am besten kontrollierte Fleischerzeugung. BBV-Kreisobmann Mayer sieht die heimische Versorgung mit Schweinefleisch aus Bayern nicht mehr gewährleistet. Regionale Qualitätsprogramme könnten zukünftig wegen der dann fehlenden Ferkel nur unzureichend bedient werden. Er forderte ebenfalls Entscheidungen von der Politik ein, unter welchen Rahmenbedingungen die Schweinehaltung in Deutschland noch wirtschaftlich betrieben werden soll. Die Erfahrung habe gezeigt, dass der Markt die höheren Tierwohlanforderungen nicht bezahle, betonte er. Deshalb müssten alle Sonderansprüche von staatlicher Seite finanziert werden.

Ein Ausgleich für höhere Tierwohlstandards sei nur dann möglich, wenn diese nicht gesetzlich festgeschrieben werden, hob Messner hervor. Dr. Herz informierte, dass seine Landtagsfraktion einen Dringlichkeitsantrag im bayerischen Parlament eingebracht habe, wonach mit einer schnellen finanziellen Hilfe die Ferkelerzeuger unterstützt werden sollen. Wie im Wochenblatt berichtet, hatte sich der Bayerische Landtag mit dem Antrag befasst. Doch es gab hierfür nicht nur Zustimmung: Für Christoph Skutella (FDP) habe die Debatte wenig Erhellendes gebracht. Der Antrag sei zunächst einmal nur eine „Zusammenfassung der Aufgaben“. Gut gemeinte Worte reichten nicht aus.

Landwirtschaftsausschuss-Vorsitzender Dr. Leopold Herz verglich in Taimering die Entwicklung in der Schweinehaltung mit der der bereits vollzogenen Abwanderung von Teilen der Geflügelhaltung in östliche Länder. Sein Parteikollege, der Regensburger Abgeordnete Tobias Gotthardt, rief dazu auf, „bayerisch fürs Klima“ zu kaufen. (phs)