Jahresversammlung

Ferkelerzeuger: Gute Preise als Schmerzpflaster für viele Probleme

Landshut
Helga Gebendorfer
am Freitag, 10.01.2020 - 10:54

Bei den Fachversdammlungen vom Ferkelerzeugerring Landshut im Gasthaus Luginger in Mirskofen und im Gasthof Rohrmeier in Feldkirchen spiegelte sich die aktuelle Situation in der Branche deutlich wider.

Mirskofen/Lks. Landshut - „Wir haben derzeit super Preise, doch kein Mensch hat mehr den Willen und Mut zum Engagement“, meinte Vorsitzender Fritz Schäffer, der den Besuch der beiden Veranstaltungen als „fast erschreckend“ bezeichnete. Darum konnte er nicht mehr garantieren, ob die Versammlungen in dieser Form aufrecht erhalten werden können, wenn die Mitglieder weiterhin so wegbrechen.

„Die guten Preise sind nur ein Schmerzpflaster für die vielen Probleme“, stellte er weiter fest. Mit Erlösen über 2 € pro Kilogramm im Schlachtbereich seien die Schweine im Moment unglaublich gefragt, doch auf den Betrieben herrschen große Depressionen. So steht das große Damoklesschwert Afrikanische Schweinepest (ASP) vor den Toren. „Wir brauchen Sicherheit für die Vorgehensweise, wenn es so weit ist. Die Seuche ist schon schwer genug, wir brauchen nicht noch mehr Bürokratie“, lautete seine Forderung nach entsprechender Unterstützung durch das Veterinäramt und Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Zu weiteren Problemen zählte Schäffer die Düngeverordnung mit fast 100 % Roten Gebieten im Landkreis Landshut, Kastenstandthema, Kupierverzicht und Kastration. „Es herrscht so viel Unsicherheit auf den Betrieben, Wir brauchen klare Aussagen“ betonte er und appellierte an die Politik, für die Praxis passende Wege zu suchen. „Es ist schwierig, die Strukturen aufrecht zu erhalten. Ich fürchte, dass noch viele Kollegen aufgeben“, erklärte der Vorsitzende, der mitteilte, dass nur 60 Prozent der Betriebe in der Region beim Ferkel-Erzeugerring organisiert sind. „Wir müssen im Schweinebereich noch enger zusammenrücken und den fachlichen Austausch pflegen“, wünschte er sich und wies darauf hin, dass der Ring viele Geldvorteile und eine top Beratung durch die Ringberater bringt.

In den Grußworten beleuchteten Peter Lichtenegger, Bereichsleiter Ferkelvermarktung bei der VVG Oberbayern, und Willi Wittmann, stellvertretender Vorstand der EG Südbayern, die Marktlage. Die Grüße des Bayerischen Bauernverbandes überbrachte Bezirkspräsident Gerhard Stadler, der sich mit dem aktuellen Stand bei der ASP befasste. Er bat die Schweinehalter dringend, entsprechende Hygienevorkehrungen zu berücksichtigen und forderte bei Ausbruch eine Regionalisierung der Sperre sowie Differenzierung zwischen Wild- und Hausschwein.

„Es hat sich nicht viel getan“, fasste Maria Hager vom Fachzentrum Schweinezucht und –haltung am AELF Landshut die Jahresergebnisse der Leistungsprüfung im Wirtschaftsjahr 2018/2019 zusammen.  Demnach folgte nach zwei guten Jahren ein etwas gebremstes, was sich auch in den Zahlen niederschlägt.

Bilanz in Zahlen

Nach ihrer Auskunft sind im Ferkelerzeugerring 20 spezialisierte Ferkelaufzuchtbetriebe mit 19.545 Aufzuchtplätzen und 244 (–11) Ferkelerzeugerbetriebe mit 28.170 (-1906) Zuchtsauen. Ein Ultraschalltest wurde bei nur noch 5120 Jungsauen durchgeführt. Die Zuchtsauen pro Betrieb sind mit 119 stabil geblieben. Insgesamt wurden 72.1218 (–40738) Ferkel aufgezogen, was 24,8 (–0,1) aufgezogene Ferkel pro Zuchtsau ergibt. 

Beim Vergleich des oberen und unteren Viertels machte Hager eine Spanne zwischen 18,2 und 28,5 aufgezogene Ferkel aus. „Das ist ein stattlicher Unterschied von zehn Ferkeln“, kommentierte sie in diesem Zusammenhang. Die Ergebnisse der Wirtschaftlichkeitskontrolle:
direktkostenfreie Leistungen (DkfL) von 612 € bei 30 kg Ferkel und 421 € bei 8 kg Ferkel. Dabei schwankten die Resultate bei den 30 kg Ferkeln von 306 € beim unteren und 882 € beim oberen Viertel der Betriebe. „Es ist wohl ein Punkt erreicht, wo die Luft raus ist“, lautete die Meinung von Hager.

In der folgenden Fachtagung standen eine Reihe von Vorträgen auf dem Programm: Aktionsplan „Kupierverzicht“ mit Dr. Dorian Patzkéwitsch und Dr. Georg-Maximilian Dhom, „Ferkel produziert – und dann?“ mit Maria Hager, „Impfmanagement in der Ferkelerzeugung und derzeitiger Stand der Ferkelkastration“ mit Dr. Astrid Kunert vom Tiergesundheitsdienst Landshut sowie „Stallklima – Basis der Ferkelgesundheit“ mit Ringberater Bernhard Gockeln.