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Faszination für MB-Tracs

Schlepper
Markus Bauer
am Donnerstag, 19.12.2019 - 14:38

Anton Obermeier besitzt elf Exemplare der legendären Traktorenbaureihe.

Klingen - Heute fahren sie nur noch selten auf Straßen oder Feldern. Die Rede ist von den MB-Tracs, der Traktorenbaureihe von Daimler-Benz, die von 1973 bis Ende 1991 hergestellt wurde. Sage und schreibe elf Exemplare der verschiedenen Baureihen (und einen Unimog Baujahr 1994) besitzt Anton Obermeier aus Klingen.

Obermeier (72) hat auch beruflich einen Bezug zu diesen Fahrzeugen. Der Rentner war bis vor sieben Jahren Nebenerwerbslandwirt. Im Hauptberuf verkauft er in ganz Bayern an Landwirte bis heute Betonbehälter für Gülle und Biogas. In den 80er Jahren schaffte er sich für seine Tätigkeiten einen MB 800 und danach einen MB 1000 an und war damit rundum zufrieden. Als bekannt wurde, dass Daimler-Benz die Produktion einstellt, kaufte Obermeier im Jahr 1991 gleich noch zwei neue MB 1000. Der Grundstock für die Sammlung war damit gelegt.

20.000 Arbeitsstunden mit erstem Motor und Getriebe

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Obermeiers Sammelleidenschaft begann etwa im Jahr 2000. Denn es gab ja nicht nur den MB 800 und MB 1000, sondern viele weitere: den ersten MB-Trac 65/70 (gebaut von 1973 bis 1975) und dann die 700, 800, 900, 1000, 1100, 1300, 1500, 1400, 1600 und 1800. Fast von allen Baureihen hat Obermeier ein Exemplar – lediglich der MB 1800, von dem nur noch 190 Stück gebaut wurden, fehlt in seiner Sammlung. Angesichts des Preisanstiegs seit 2008 ist ein solcher MB-Trac dann doch zu kostspielig.

Doch auf einige der elf MB-Tracs ist Obermeier sehr stolz. Einer war beim Städtischen Gut Karlshof der Stadt München in Betrieb, auf der Tür grüßt immer noch das Münchner Kindl. Ein paar haben eine im Landwirtschaftsbereich bestens bekannte grüne Lackierung und „Family“ zusätzlich in der Typbezeichnung. Das weist auf die im Jahr 1990 geplante und schließlich 1991 geplatzte Kooperation mit Deutz hin. Von dem MB 1000 Family gibt es übrigens nur noch zwei Stück, einer steht in Obermeiers Halle.

„Es ist nicht selten, dass die MB-Tracs 20.000 Arbeitsstunden haben und noch den ersten Motor und das erste Getriebe“, beschreibt Obermeier die Zuverlässigkeit und Robustheit dieser Fahrzeuge. Zu seinen nicht alltäglichen Fahrzeugen zählt er auch den MB-Trac 1000 Silberdistel (silberfarbene Lackierung) und einen weißen MB-Trac 700, der in Fachkreisen „Schneewittchen“ heißt.

Zwei sind noch im aktiven Einsatz

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Zwei der elf MB-Tracs sind auch heute noch für diverse Arbeiten im landwirtschaftlichen Einsatz. Im Vorfeld des Besuchs von Papst Benedikt XVI. 2006 in Bayern, konkret für den Gottesdienst auf dem Feld in Oberisling, brachte die Nittenauer Firma Reil & Eichinger mit zwei MB-Tracs von Obermeier Rindenmulch aus.

Und bei Messen und Ausstellungen präsentieren Landmaschinenhändler und -firmen gerne einige der MB-Tracs. Aber auch als Brautfahrzeug oder Urlaubsfahrzeug (Zugmaschine für Wohnwagen) dienten MB-Tracs. Ebenso waren sie beim Hemauer Frühlingsmarkt ausgestellt. Und natürlich dürfen sie bei regionalen und überregionalen MB-Trac-Treffen nicht fehlen. Daher haben auch alle elf Fahrzeuge Saisonkennzeichen. Denn grundsätzlich gilt auch hier: die Fahrzeuge müssen zwischendurch bewegt werden. Im Wohnzimmer hat Anton Obermeier die MB-Tracs auch als Modelle in einer Vitrine.