Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ermittlungen

Fake-Biohühner aus Niederbayern aufgeflogen

Geflügel
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Mittwoch, 16.11.2022 - 18:13

Ein niederbayerischer Geflügelbetrieb steht im Verdacht, betrogen zu haben. Nun gibt es Ermittlungen und Durchsuchungen.

Landshut - „Geprüfte Qualität Bayern“: Unter diesen renommierten Qualitätsbezeichnungen soll ein Schlachtbetrieb im Landkreis Rottal-Inn konventionelles Geflügelfleisch erst umdeklariert und dann zu den entsprechend höheren Preisen verkauft haben.

In einer Aktion der Staatsanwaltschaft Landshut hatten am Mittwoch 150 Einsatzkräfte der Polizei, mehrere Vertreter der Staatsanwaltschaft Landshut, des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie Beamte der Steuerfahndung unter Einsatzleitung der Kripo Passau zahlreiche Büro- und Geschäftsräume von zwei Geflügelschlachtbetrieben mit Sitz im Landkreis Rottal-Inn und in Baden-Württemberg sowie die Wohnungen mehrerer Tatverdächtiger durchsucht.

Wie die Staatsanwaltschaft Landshut dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt bestätigte, wurden zeitgleich in ganz Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen Durchsuchungen in Geschäftsräumen von anderweitig beteiligten Unternehmen durchgeführt, die mutmaßlich in geschäftlicher Beziehung zu den Geflügelschlachtbetrieben stehen. Insgesamt wurden 24 Objekte durchsucht.

Anzeige brachte Ermittlungen ins Rollen

Eine anonyme Anzeige hatte im Juli 2022 die Ermittlungen ins Rollen gebracht. Erste Ermittlungen hatten den entsprechenden Verdacht dann erhärtet, gegen die Unternehmensverantwortlichen im Alter zwischen 29 und 58 Jahren wird jetzt offiziell wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs und von Verstößen gegen das Lebensmittelrecht ermittelt.

Drei Männer und zwei Frauen sollen bereits seit Anfang 2018 konventionelles Hähnchenfleisch mit neuen Gütesiegeln neu deklariert haben, beim Weiterverkauf konnten so deutlich höhere Preise berechnet werden. Die mutmaßlich irreführend bezeichneten Hähnchen gingen nach ersten Erkenntnissen an eine Vielzahl von Abnehmern. Aus informierten Kreisen heißt es, dass auch beim diesjährigen Oktoberfest entsprechend falsch ausgezeichnete Ware auf den Tellern gelandet sein soll. An wen und in welchem Umfang solche Lieferungen erfolgten, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Keine Gefahr für die Gesundheit

Fest steht aber auch, dass nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen, in die auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eingebunden war, von den falsch etikettierten Hähnchen keine Gesundheitsgefahren ausgingen.

Auf die Polizei in Passau, bei der dafür die Sondergruppe „Gütesiegel“ geschaffen wurde, wartet jetzt viel Arbeit: Die in ganz Deutschland beschlagnahmten Aktenordner, Datenträger und Computer müssen ausgewertet werden. Von der Auswertung der umfangreichen Buchhaltung und der Lieferscheine erwarten sich die Ermittler wertvolle Erkenntnisse, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte.

Auf die im strafrechtlichen Ermittlungsverfahren geltende Unschuldsvermutung wird ausdrücklich hingewiesen.