Ernte 2020

Erträge sind wohl zufriedenstellend

Begutachtung
Helga Gebendorfer
am Donnerstag, 30.07.2020 - 13:11

BBV Niederbayern gibt eine erste Einschätzung zur Ernte 2020 ab

Gruppenfoto

Zu einer ersten Einschätzung der diesjährigen Ernte lud der BBV-Bezirksverband Niederbayern ein. Gastgeber war die Familie von Josef Stigler in Oberaichgarten bei Rottenburg. „Insgesamt sind zufriedenstellende Erträge zu erwarten“, sagte Bezirkspräsident Gerhard Stadler, der für Niederbayern von einer durchschnittlichen Ernte ausging – wenn auch mit großen regionalen Unterschieden.

Nach einem sehr trockenen Frühjahr und einzelnen Frostnächten im Mai befürchteten die Landwirte, dass es zu einem dritten Dürrejahr in Folge kommt, was vor allem für die Futterbaubetriebe angesichts fehlender Vorräte eine große Herausforderung gewesen wäre. „Freilich hat die Trockenheit bei manchen Kulturen ihre Spuren hinterlassen und wird zu Ertragseinbußen führen, doch alles in allem wird es voraussichtlich eine durchschnittliche Getreideernte geben“, lautete Stadlers Bilanz. Auch bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben schaut es gut aus. Der Bezirkspräsident machte aber klar, dass alles bis zuletzt vom Wetter abhängig ist und das Ergebnis erst feststeht, wenn die Ernte im Lager ist.

Probleme auch durch politische Entscheidungen

Nach seiner Auskunft werden in Niederbayern über 225 000 ha Getreide angebaut, wobei Winterweizen mit 110 000 ha die Hauptkultur ist, gefolgt von Körnermais und Gerste. „Damit ist unsere Region nach wie vor die Kornkammer Bayerns“, stellte Stadler fest.
Beim Blick auf die Erntesituation lenkte Stadler das Augenmerk auch auf den Pflanzenschutz und den in Niederbayern zunehmenden Schäden durch Insekten, wie Drahtwurm und Fritfliege in Maiskulturen im Landkreis Passau. Den Zuckerrüben machen verstärkt wieder Erdflöhe und Läuse zu schaffen und im Bayerischen Wald haben einige Bauern auf Grünlandflächen mit Engerlingen zu kämpfen, die enormen wirtschaftlichen Schaden verursachen. „Die Ernährungssicherung hat oberste Priorität. Deshalb erhoffen sich die Betriebe von der Politik wirksame und naturverträgliche Bekämpfungsmöglichkeiten“, betonte er.
Josef und Christine Stigler bewirtschaften 130 ha, davon 30 ha Gerste, 50 ha Weizen, 40 ha Zuckerrüben und 10 ha Mais. Zweiter Betriebszweig ist die Tierhaltung mit 150 Zuchtsauen, wobei rund ein Drittel der Ferkel selbst gemästet werden. Der Rest geht in die Vermarktung.
Bis jetzt bildete Stigler 20 Lehrlinge aus. „Heuer habe ich erstmals keinen Auszubildenden bekommen“, bedauerte er und gab zu bedenken, dass viele junge Leute wieder davon absehen, Landwirt zu lernen. „Die Ursache ist die große Unsicherheit in der Branche“, erläuterte der 48-Jährige und verwies unter anderem auf die neue Schweinehaltungsverordnung.

Einstufung als rotes Gebiet ist schmerzhaft

Erleichtert über die Witterung zeigte sich auch Kreisobmann Georg Sachsenhauser. „Für die Kulturen wirkte sich der kontinuierliche Regen positiv aus. Doch im Hinblick auf die Grundwasserneubildung haben wir weiter Nachholungsbedarf“, fasste er zusammen. Sorgen machte ihm die Einstufung fast des gesamten Landkreises als rotes Gebiet. „Das tut uns weh. Wir haben gute Böden und Erträge, doch wir können nicht mehr ordentlich wirtschaften“, beschrieb er die Probleme, darunter die 170 kg N-Regelung für organischen Dünger.

Regionalität ins Bewusstsein holen

„Gerade die Landfrauen werben dafür, den Verbrauchern regionale Lebensmittel näher zu bringen und das beginnt schon bei den Schulkindern“, betonte Bezirksbäuerin Irene Waas. Vor dem Hintergrund der neu initiierten Projektwochen rief sie die Betriebe dazu auf: „Erklären Sie sich bereit, Schulklassen aufzunehmen und ihnen das praktische Leben zu zeigen.“