Forschung

Erträge sichern ohne teuren Stickstoffdünger

Künstliche Intelligenz
Melanie Bäumel-Schachtner
am Montag, 15.11.2021 - 11:14

Bei der Albrecht-Methode wird das Verhältnis von Calzium, Magnesium, Kalium und Natrium zueinander bestimmt. Werden sie ins Lot gebracht, verspricht das höhere Erträge.

Irlbach/Lks. Straubing-Bogen Es ist ein Spagat, den Bäuerinnen und Bauern schaffen müssen: Er soll weniger düngen, aber er braucht natürlich einen ausreichenden Ertrag aus seinem Anbau. Um die Erntemengen zu steigern, gab es jahrzehntelang nur eine Methode: Die Makronährstoffe Stickstoff, Phosphor, Kali und Kalk auszubringen. Doch dann kamen die Probleme mit dem Grundwasser und die Düngeverordnung, die die Verwendung von Stickstoff strenger reglementiert. Die Forschung sucht nach Lösungen. Eine niederbayerische Initiative hat schon eine: Die Firma Farmtastic Consulting führt in Zusammenarbeit mit der Poschinger Bray’schen Güterverwaltung in Irlbach und der TU München das EIP-Projekt „Düngeoptimierung Niederbayern“ durch. Darüber informierte sich kürzlich Europaabgeordneter und EVP-Fraktionsvorsitzender Manfred Weber bei einem Besuch im Schloss Irlbach eingehend, denn es handelt sich um eine Initiative, die von der EU gefördert wird.

Welche Nährstoffe braucht der Boden?

Bei dem niederbayerischen Projekt geht es darum, herauszufinden, welche Nährstoffe dem Boden wirklich zugeführt werden müssen, um mehr Ertrag zu erzeugen. Das Programm zur Förderung von Projekten im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft (EIP) dient der Verbesserung der Produktivität und Nachhaltigkeit im Hinblick auf Klima-, Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutz in der Landwirtschaft. Franz Dominik Freiherr von Poschinger-Bray, Jürgen Schwarzensteiner und Matthias Stettmer von Farmtastic haben sich darum bemüht, Teil dieses Förderprogramms zu werden und haben den Zuschlag bekommen. Das Projekt mit niederbayerischen Wurzeln läuft bis April 2023, schilderten sie dem Europaabgeordneten.

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Grundlage ist die sogenannte Albrecht-Methode. Dahinter steckt ein Düngekonzept mit ganzheitlichem Ansatz. Und da muss noch Aufklärungsarbeit betrieben werden, sagt von Poschinger-Bray: „Manchen erscheint die Methode esoterisch. Doch wir tanzen nicht auf dem Feld, wir arbeiten wissenschaftlich.“ Dies garantiere die TU München an Bord. Wie Jürgen Schwarzensteiner erläutert, werden die Bodenproben in der sogenannten Managementzone genommen – das sind Teilflächen im Feld mit einheitlichen Eigenschaften wie Ertrag und Nährstoffbilanz. Die Proben sagen aus, was im Boden fehlt oder zu viel ist und wie die Verhältnisse zueinander sind. Dabei werde bei der Albrecht-Methode die Verhältnisse von Calzium, Magnesium, Kalium und Natrium zueinander bestimmt. Nach einer ausführlichen Düngeberatung können diese Nährstoffe oder Nährstoffverhältnisse dann mit Hilfe von Smart Farming wieder ins Optimum gebracht werden.

Weber spricht von hochinnovativem Projekt

Dadurch könne die Stickstoffeffizienz, die Qualität und der Ertrag wesentlich gesteigert werden. „Diese Vernetzung aus Bodenproben, Düngeberatung und Smart Farming mit der Albrecht-Methode ist unsere Innovation und wird sehr gut von der Praxis angenommen“, bilanzieren die Vertreter von Farmtastic. Laut Jürgen Schwarzensteiner sei auf Feldern in Rumänien zum Beispiel binnen weniger Jahre eine Verdopplung des Ertrags auf 12 Tonnen Körnermais möglich.

Manfred Weber (CSU)

Mit Stickstoff könne viel kompensiert werden und das sei jahrelang auch praktiziert worden. Andere Möglichkeiten seien dagegen lange Zeit nicht bekannt und dann vernachlässigt worden. Dies habe sich nun geändert. Farmtastic und seine Partner bewerben sich gerade um eine Folge-EU-Förderung. Das Unternehmen ist weltweit tätig, unter anderem in Russland und Afrika, und hat acht Mitarbeiter.

Weber zeigte sich von der Initiative begeistert, allein schon wegen der positiven Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen, aber auch, weil er eines sieht: „Dass hier die EU-Gelder sehr gut angelegt sind. Es handelt sich um ein hoch innovatives Projekt.“ Er kündigte an, mit den Verantwortliche in Kontakt zu bleiben.