Konzept

Erst nachlesen, dann aussäen

Saatgutbibliothek1
Melanie Bäumel-Schachtner
am Montag, 12.04.2021 - 17:51

In der Bücherei in Salching gibt es nun auch Samen für Tomaten, rote Beete, Ringelblume und Rittersporn. Die Idee dahinter ist kreativ und innovativ.

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen beginnt das Gartenjahr. Und auch die Besitzer von Bauerngärten machen sich Gedanken, was im Frühjahr ausgesät wird, um es dann später zu ernten. Blumen, Gemüse, Kräuter – die Qual der Wahl ist groß.

Wer etwas Neues ausprobieren und gleichzeitig etwas für Artenschutz tun möchte, der hat jetzt in Salching im Landkreis Straubing-Bogen eine ganz neue Möglichkeit. Denn: Nicht nur Liebesromane, Krimis und Kindergeschichten gibt es in der neuen Bücherei in Salching – nein, auch Samen für Tomaten, rote Beete, Ringelblume und Rittersporn sind im Herzen der kleinen Gemeinde zu bekommen, und das völlig kostenlos.

Die Idee kommt aus den Vereinigten Staaten

Was in den USA schwer in Mode, bei uns aber überhaupt noch nicht bekannt ist, haben Bücherei-Leiterin Sabine Schlosser und Hans Niedernhuber, Kreisfachberater für Gartenbau und Landespflege am Landratsamt Straubing-Bogen, ins Leben gerufen: Eine Saatgutbibliothek.
Der große Tisch inmitten der Bücherei in Salching ist liebevoll dekoriert. Bücher über Garten- und Gemüsebau säumen kleine Holzkistchen mit wertvollem Inhalt. Darin befinden sich kleine, nachhaltige Teebeutelchen, ordentlich beschriftet, mit Saatgut für Blumen und Gemüse. Sie alle dürfen umsonst mitgenommen werden, wenn sich derjenige, der sich daran erfreut, zu einer Sache verpflichtet: Dass er im Herbst selber wieder Saatgut aus dem eigenen Garten mitbringt, das er dann anderen Gartenfreunden ebenfalls kostenlos zur Verfügung stellen wird.

Ein ungewöhnlicher Beitrag zur Biodiversität

Fachberater Niedernhuber hat diese Idee gerne unterstützt. Denn damit werden gerade die alten Blumen- und Gemüsesorten erhalten und weitergegeben. „Die Saatgutbibliothek ist also ein Beitrag zur Biodiversität“, freut er sich. „Und die Idee hat Alleinstellungscharakter. Es gibt sie in Dresden, Leipzig, Hamburg – und in Salching.“
Ende Februar wurde gestartet. „Zu diesem Zeitpunkt durfte unsere Bücherei noch nicht geöffnet haben. Wir haben die bestellten Tütchen mit dem Saatgut vor die Tür gelegt und die Gartenfreunde konnten sie dann abholen“, blickt Schlosser zurück.
Inzwischen dürfen die Besucher wieder unter Beachtung der Hygieneregeln ins Innere und können sich auf dem bunten Tisch umsehen. Die erste Resonanz sei enorm positiv gewesen. Derzeit gibt es auch einen großen Renner: „Die Tomatensamen, die sind fast aus. Und Paprika ist auch sehr beliebt“, gibt die Ideengeberin Einblick.
Das Prinzip lautet: Wer etwas nimmt, der bringt auch wieder etwas. Jetzt, im Frühjahr, beginnt die Aussaat. Im Herbst kann dann das neue, gewonnene Saatgut wieder gebracht werden, damit auch andere Gartler profitieren und stets genügend verschiedene Pflanzensorten im Umlauf sind.