Nahrungsmittel

Ernährung auf 2000 Quadratmetern

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Bezirk Niederbayern
am Dienstag, 24.11.2020 - 09:40

Landshut: Bezirk Niederbayern unterstützt Projekt ‚Weltacker‘ mit eigener Fläche

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich traf sich kürzlich mit zwei Gründungsmitgliedern des jungen Vereins ‚Weltacker Landshut‘ an einer landwirtschaftlichen Fläche des Lehrguts für ökologischen Landbau am Agrarbildungszentrum (ABZ) Landshut-Schönbrunn. Markus Roos und Klaus Karg erläuterten dem Bezirkstagspräsidenten und ABZ-Direktor Thomas Schneidawind ihr ambitioniertes Projekt „Weltacker Landshut“, dem es noch an einer geeigneten landwirtschaftlichen Fläche fehlte – ein Problem, das jetzt vom Bezirk Niederbayern gelöst wurde.

Welternährung wird begreifbar gemacht

Vorbild für die Landshuter Initiative ist die ‚Zukunftsstiftung Landwirtschaft‘ in Berlin, die den weltweiten landwirtschaftlichen Anbau durch einen beispielhaften ‚Weltacker‘ begreifbar macht. Eine einfache Rechnung bildet die Basis für das Projekt: Derzeit leben etwa 7,8 Milliarden Menschen auf der Erde – bei 1,4 Milliarden Hektar Ackerfläche. Daher muss jeder Mensch rund gerechnet mit 0,2 Hektar bzw. 2000 Quadratmeter Ackerland auskommen – eine Fläche, die im Grunde für die Ernährung eines einzelnen Menschen reicht. Auf ein einziges Nahrungsmittel reduziert, würde die Fläche beispielsweise für 8500 Kilogramm Kartoffeln pro Jahr ausreichen.

Auch Energieverbrauch wird mit eingerechnet

In der Praxis teilt sich die bewirtschaftete Fläche auf viele verschiedene Kulturen wie etwa Getreide- und Gemüsesorten auf. Hinzu kommen Pflanzen, die nicht oder nur indirekt der Lebensmittelversorgung dienen, stattdessen der Tierfütterung und der Produktion von Energiepflanzen zur Herstellung von Bio-Ethanol bzw. Biodiesel.
Je häufiger ein einzelner Mensch mit dem Auto fährt und Fleisch isst, desto mehr muss er dafür von „seinen“ 2000 Quadratmetern aufwänden. Je weniger regional und saisonal sich der Mensch ernährt, umso mehr ‚persönliche‘ Fläche geht zusätzlich verloren, denn auch die Energie für Lagerung und Lebensmittel-Transporte muss angerechnet werden. „In der Realität ist die deutsche Bevölkerung aber bestens versorgt mit allem, was das Herz und der Magen begehren – allerdings sind dazu deutlich mehr als 2000 Quadratmeter nötig, was aber auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit geht, also der Menschen in ärmeren Regionen“, erklärt Markus Roos. In ärmeren Ländern bleibe durch die Ernährungsgewohnheiten in den Industrienationen weniger Fläche für den eigenen Lebensmittelanbau.

Weltacker bisher einzigartig in Bayern

„Wir wollen nicht missionieren, sondern den Menschen verdeutlichen, was unsere Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bedeuten“, betont Klaus Karg im Gespräch mit dem Bezirkstagspräsidenten. Weltweit gibt es derzeit zehn Weltäcker. Der Landshuter Weltacker wird der erste in Bayern sein. Dabei möchten wir die globale Landwirtschaft möglichst maßstabsgetreu auf 2000 Quadratmetern Anbaufläche abbilden“, ergänzt Markus Roos, Vorsitzender des im Juli dieses Jahres gegründeten Vereins. Knapp die Hälfte der Fläche entfielen zum Beispiel auf Getreide, ungefähr 15 Prozent auf Ölfrüchte und rund sieben Prozent auf Gemüse und Wurzelfrüchte. Naturgemäß ließen sich nicht alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse der Welt in Niederbayern anbauen. „Für Pflanzen, die in unserer Klimazone nicht gedeihen, werden wir Alternativen pflanzen. So ersetzen wir beispielsweise Kaffee durch Hagebutte“, erklärt Roos.
Sobald der Weltacker entsprechend bewirtschaftet sei, also voraussichtlich 2021, sind öffentliche Führungen für alle Altersgruppen geplant sowie unterschiedliche Veranstaltungen wie Vorträge, Seminare und ‚Koch-Wertstätten‘. „Neben dem geeigneten Acker brauchen wir noch helfende Hände für den Anbau und die Pflege der Kulturen, Hilfe bei der Bildungsarbeit und Organisation, auch Sachspenden bzw. Leihgaben von Werkzeugen und Maschinen zur Ackerbearbeitung würden uns sehr helfen“, so Roos. Wer das Projekt monetär unterstützen möchte, könne dies durch eine Mitgliedschaft im Verein, Spenden oder eine Acker-Patenschaft (20 Euro pro Quadratmeter und Jahr).

Bezirkstagspräsident wird auch selbst zum Paten

„Das Projekt Weltacker wird vielen Menschen veranschaulichen können, dass jeder etwas zur Nachhaltigkeit der Lebensmittelerzeugung, zu mehr Umweltverträglichkeit und zur sozialen Gerechtigkeit beitragen kann,“ so Heinrich. Die unterstütze der Bezirk gerne mit einem geeigneten Acker des landwirtschaftlichen Lehrbetriebs hier im Agrarbildungszentrum. Ich möchte Sie darüber hinaus auch persönlich unterstützen und eine einjährige Patenschaft für 25 Quadratmeter Acker übernehmen.“
Weitere Informationen zum neuen Projekt gibt unter www.weltacker-landshut.de