Kürbisanbau

Erfolg mit Hokkaido & Co

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Melanie Bäumel-Schachtner
am Dienstag, 17.11.2020 - 08:20

Gerlinde Schreyer bietet 120 Kürbissorten an und hat ihren Hof im Gäuboden zum weitum bekannten Kürbisbauernhof gemacht.

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Der Herbst eröffnet Jahr für Jahr seine ganze Farbpracht. Für Gerlinde Schreyer ist er schon seit einigen Wochen leuchtend orangefarben und knallgelb, er ist intensiv grün oder rauchig-blau. Denn so sehen die Kürbisse aus, die sie im Hof des Schreyerhofes in Atting im Landkreis Straubing-Bogen, den sie zusammen mit ihrem Mann Heiner bewirtschaftet, aufgebaut hat. Seit über 20 Jahren ist die tatkräftige Frau Kürbisbäuerin, geworden ist sie es aber über Nacht. So ist der Bauernhof, der eigentlich Zuckerrüben, Getreide und Kartoffeln produziert, allmählich bekannt geworden und hat als Kürbishof weithin ein Alleinstellungsmerkmal.

Am Anfag war der Saatgut-Katalog

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Es war eines Abends im Jahr 2000, als Gerlinde Schreyers Blick auf einen Katalog mit Saatgut fiel. Die bunten Kürbisse, die einladend abgebildet waren, stachen ihr sofort ins Auge und weckten den Wunsch, auch einmal ein paar davon anzubauen. Sie bestellte das Saatgut, der Ehemann teilte ihr einen kleinen Acker hinter der Halle zu. So wurden im Mai auf 1000 Quadratmetern die ersten Kürbisse gesät. „Und obwohl ich keine Ahnung hatte, war die Ausbeute super, die sind gewachsen wie das Unkraut“, begeistert sich die Bäuerin noch heute. „Ich war blauäugig und ohne Vorkenntnisse, außer, dass ich in ganz jungen Jahren auf dem Misthaufen meiner Eltern ein paar Zierkürbisse angebaut habe. Aber es lief gut.“

Eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt

Kürbisse zählen zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt, weit älter als Mais und Bohnen. In den Kriegsjahren waren sie Hungerstiller für Mensch und Tier, danach gerieten sie bei uns in Vergessenheit, bis sie in den Neunzigerjahren ihre Renaissance erlebten. Gerlinde Schreyer fing mit dem Klassiker Hokkaido an, baute gelbe Zentner- und Muskatkürbisse sowie ein bescheidenes Repertoire an Zier- und Dekofrüchten. „Da die Ernte so reich war, wussten wir nicht, wohin damit“, sagt die heutige Expertin schmunzelnd. „Aber ich habe mir gedacht, dann verkauf ich sie halt.“ Beim Bäcker und im Kindergarten machte sie Werbung, und siehe da, die gesunde Ware kam an. Der erste Verkaufsraum war in einer Garage.

Mit Kürbissen in die Vermarktung gegangen

„Ich bin ein Unternehmergeist und wollte die Produkte vermarkten“, erklärt sie. Deshalb ließ sie sich 2006 zur Gartenbäuerin qualifizieren und schrieb eine Arbeit zum Thema „Vom Korn zum Kürbis.“ Die Anzahl der angebauten Kürbissorten wuchs parallel auf 80 verschiedene Arten an und die verfasste Arbeit lockte die erste Besuchergruppe an, und es wurden immer mehr. Inzwischen bietet die Attingerin - wenn nicht gerade Corona dazwischenkommt - Erlebniskochen an, Kürbisabende, Führungen zum Thema Kürbis, baute 2012 eine Erlebnisgastronomie auf und ist, ebenfalls seit 2012, zertifizierte Erlebnisbäuerin, um ihre Kunden professionell bedienen zu können und „den verschiedensten Zielgruppen auf dem Bauernhof ein Erlebnis zu bieten.“ Ihr ist es wichtig, einen „Einblick und Rundumblick in die Kürbis-Kartoffel-Getreideproduktion“ zu leisten und den Besuchern „ein Stück Heimat mit nach Hause zu geben.“
Absolutes Steckenpferd bleibt natürlich der Kürbis. Mittlerweile gibt es 100 Sorten am Hof, die auf einer vergleichsweise kleinen Fläche von einem Hektar angebaut werden, denn Gerlinde Schreyer will Qualität liefern anstatt Masse. Das Publikum zu den Führungen kommt aus ganz Bayern, der Kundenstamm für die gesunden Produkte aus der gesamten Region. Das Besondere am Kürbis für Gerlinde Schreyer: „Es ist eine Powerknolle, unglaublich gesund, man kann sie toll zubereiten – und außerdem ist der Kürbis die Entschädigung für das Ende des Sommers.“

Immer auf der Suche nach neuen Züchtungen

Auch die Farben liebt sie, und die sind auf dem Schreyerhof besonders vielfältig. Zwar werden klassische Sorten wie der Hokkaido weiter gebaut, immer noch sehr gefragt, doch die Bäuerin sucht ständig nach neuen Züchtungen. So gibt es den blauen, essbaren Crown Prince Kürbis, der innen ein orangefarbenes Fruchtfleisch besitzt, und den blauen Hokkaido. Besonderheit ist auch der Spaghettikürbis, der in zwei Hälften geteilt wird, im Ofen gebacken, und wenn das Fleisch dann abgelöst wird, dann werden daraus Spaghetti-Fäden.

Im Trend auch bei Veganern und Vegetariern

Kürbis sei nicht nur für Fleischesser toll, sie denke auch sehr gern an Vegetarier und Veganer, erklärt Schreyer: „Zum Beispiel kann man den kleinen Kürbis Baby Boo mit Frischkäse in die Röhre geben. Es gibt aber auch Mikrowellenkürbisse, bei denen man den Deckel abschneidet, ihn aushöhlt, füllt und das Ganze acht Minuten in der Mikrowelle gart.“
Aus dem Hobby ist ein richtiges weiteres Standbein für den Gäubodenbauernhof geworden, Chefin der Kürbisse ist Gerlinde Schreyer selber. Sie führt auch den schmucken Hofladen in einem ehemaligen Stallgewölbe, der zur Kürbiszeit von September bis Ende November geöffnet ist. Dort gibt es nicht nur Kürbisse, sondern eigens produzierte, einzigartige Kürbisnudeln, -Prosecco und -Chutney. Und welche Vorlieben hat sie nun selbst in Sachen Kürbis? „Das wechselt immer wieder, derzeit aber mag ich die Exotischen wegen des spannenden Geschmackserlebnisses, ganz besonders die blauen Kürbisse.“ Aber grundsätzlich habe jeder Kürbis seine Eigenart, mancher sei eher mehlig, mancher eher nussig, aber immer lecker und gesund. Vermittelt hat die findige Bäuerin dies auch schon im Fernsehen: Sie war 2015 die niederbayerische Vertreterin bei der BR-Landfrauenküche, was dem Hof noch einmal einen beträchtlichen Werbeschwung gebracht hat. Das Kochen ist ihr in die Wiege gelegt worden: „Ich habe immer schon mit Leidenschaft in der Küche gestanden.“