Kooperation

Eis vom Warzlberger Hof ist ein Erfolg

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Helga Gebendorfer
am Montag, 14.06.2021 - 12:29

Familie Seidl und der Betreiber einer Eisdiele arbeiten eng zusammen. Eisliebhaber schätzen die örtlichen Produkte.

Eis vom Warzlberger Hof in der Gemeinde Furth im Kreis Landshut – diese Spezialität gibt es in der Regel von März bis Oktober. Die Milch dafür liefert Familie Seidl aus dem eigenen Stall und das Eis macht Massimo Ferale, Betreiber eines Restaurants mit Eisdiele im 9 km entfernten Pfettrach, Gemeinde Altdorf. Die Zusammenarbeit der beiden Partner besteht nun schon seit drei Jahren und funktioniert prima. Die Idee wurde geboren beim Abschlussbesuch auf dem Bauernhof von der Spielgruppe, der die Kinder beider Familien angehörten. Die zwei kamen ins Gespräch und die Bäuerin machte Ferale den Vorschlag, für die Eisproduktion statt der pasteurisierten H-Milch die Warzlberger Milch zu verwenden

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„Die Kuh hat mich bei meinem Besuch auf dem Bauernhof angelacht und dann war es passiert“, verrät der Italiener. Für ihn spielen Regionalität, Herkunft und die Haltung der Tiere eine große Rolle. So sagte er der Milchbäuerin zu, für seine Eisproduktion statt der bisher verwendeten H-Milch die Warzlberger Milch zu verarbeiten und holte schließlich bald die erste Rohmilch ab. „Es klappte einwandfrei und der Geschmack war unschlagbar“, erzählt er. Seitdem arbeitet er nur noch mit der Milch vom Warzlberger Hof. Anschließend hatte wiederum Veronika Seidl die Idee für den Eisverkauf auch auf ihrem Bauernhof und es wurde überlegt, wie sich das am besten in die Tat umsetzen lässt. Zunächst hatte Massimo Ferale dazu einige Hürden zu meistern.

Notwendige Voraussetzungen geschaffen

Denn die Voraussetzungen zur Eisproduktion im Restaurant waren nicht optimal. Kurzerhand verlagerte der Eishersteller diese in seinen Wohnhaus-Keller in Furth und beantragte die Zulassung als Molkereiunternehmen, was ihm auch genehmigt wurde. Veronika Seidl schaffte sich unterdessen für den Eisverkauf im Hofladen eine kleine Gefriertruhe an. Außerdem wurden 120 g-Becher aus kompostierbarem Material ausgewählt.

Nach italienischem Rezept produziert Massimo Ferale acht verschiedene Sorten Milcheis, davon zwei Sorten Joghurteis – hergestellt mit selbst gemachtem Joghurt aus der Warzlberger Milch.

Die Eisliebhaber merken den Unterschied

Mit Ausnahme von ein paar Wintersorten für das Restaurant, wie Spekulatius-Eis, läuft die Eisproduktion je nach Witterung in der Regel von März bis Oktober. Einmal pro Woche entsteht aus rund 40 Liter Milch cremiges Eis. In der Hochsaison oder bei besonderen Anlässen produziert der Italiener auch öfter seine Spezialitäten. „Die Investition und der Zeitaufwand waren es mir auf jeden Fall wert“, zieht dieser Bilanz. Die Kundschaften merken den Unterschied im Geschmack und sind begeistert. „Ich bin sehr zufrieden mit der Entwicklung. Der Kundenstamm wächst und die Umstellung war die richtige Entscheidung“, meint er.

Neben dem Eisverkauf in seiner Eisdiele vermarktet Ferale das Eis im Becher aus kompostierbarem Material in den Milchtankstellen Warzlberg und in Stadlers Milchtankstelle in Oberlindhart bei Mallerdorf im Landkreis Straubing-Bogen, in der Bäckerei in Weihmichl und im Dorfladen in Furth. Die Zahlen an allen Verkaufsstellen wachsen stetig. „Ich bin begeistert. Denn ich habe nie damit gerechnet, dass die Kombination Bauernhof und Eis so gut einschlägt und funktioniert“, freut sich der Eislieferant.

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Die Geschichte der Familie am Warzlberger Einödhof geht bis 1769 zurück. Georg und Christine Kreitmayr sind heute die Altenteiler. Ihre Tochter Veronika Seidl und ihr Mann Andreas übernahmen den Betrieb nach der Hochzeit vor zehn Jahren. Der Dipl. Wirtschaftsingenieur und Bankkaufmann und die Bankbetriebswirtin bewirtschaften rund 60 ha, davon 25 ha Grünland. Der Rest ist Ackerbau. Schwerpunkt ist die Milchviehhaltung mit Jungviehaufzucht. „Wir sind der letzte Milchviehbetrieb in der Gemeinde Furth“, verdeutlichen sie.

Irgendwann hatte Veronika die Idee mit Direktvermarktung und Milchtankstelle. Diese wurde 2017 im Januar mit einem Tag des offenen Stalles und großem Erfolg eröffnet. Die Verkaufsstelle ist 3 x 2 m groß und bietet einen 24 Stunden-Betrieb mit der Möglichkeit, beim Milchautomaten frische Milch abzuzapfen. Die Rohmilch gibt es von einem halben bis fünf Liter, wobei sowohl eigene Behälter mitgebracht werden können, aber auch1 l Flaschen vor Ort zur Verfügung stehen.

Für das richtige Konzept entschieden

Vor neun Jahren begannen die Betriebsleiter zudem, ihre Milch zu Käse verarbeiten zu lassen und den Dorfladen in Furth zu beliefern. „Anfangs probierten wir es mit einer kleinen Menge aus, was ein voller Erfolg wurde. Das war für uns eine Werbung, sodass die Kunden zu uns auf den Hof kamen und sich von der Herkunft der Ware überzeugen wollten“, erklärt die 34-Jährige. Die Bäuerin informiert, dass der Schnittkäse in einer 60 km entfernten Lohnkäserei hergestellt wird. Dazu wird die Milch vom Hof abgeholt und dort verarbeitet, portioniert und vakuumiert. Etikettiert wird die Ware anschließend am Hof.

Hinzugekommen ist inzwischen der Camembert „Warzlberger Schneetörtchen“ und der „WarzlBERGkäse“, die von einer weiteren Lohnkäserei „Käse Max“ hergestellt werden. „Alles in allem bieten wir je nach Saison 10 bis 15 verschiedene Sorten an und alle laufen gut“, stellt sie fest. Neben dem Hofladen gibt es den Käse vom Warzlberger Hof auch noch im Edeka in Arth.

„Wir haben nicht geglaubt, dass die Direktvermarktung so gut läuft und die Leute extra auf unseren Hof kommen“, betonen Veronika und Andreas Seidl. Vor allem seit es ihr Eis gibt, finden viele Spaziergänger, Radfahrer und Reiter den Weg zur Einöde. Ein Pluspunkt ist auch der Betrieb rund um die Uhr.

Ab dem nächsten Jahr wird der Betrieb „Bio“ sein

Der Betrieb befindet sich gerade in der Umstellungsphase zum Bio-Bauernhof, die im Januar 2022 endet. Dieses Jahr planen die jungen Betriebsinhaber zum ersten Mal, die Kühe auf die Weide auszutreiben. „Wir sind überzeugt, dass die Tiere neben der Bundesstraße eine Attraktion und ein Hingucker sein werden“, so Andreas Seidl, der davon ausgeht, dass sich das bestimmt positiv auswirkt. Für die Zukunft haben die beiden vor, die Milchtankstelle zu vergrößern und noch mehr Produkte anzubieten. Helga Gebendorfer