Trockenheit

Dürre - aus der größten Futternot geholfen

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Lorenz Märtl
am Montag, 15.10.2018 - 09:55

DBV DieBiogasVersorger GmbH liefert an zwei Tagen 600 Tonnen Mais aus Oberbayern in die Oberpfalz.

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Hörbar öfter als gewohnt klingelt heuer in der Zentrale der DBV DieBiogasVersorger GmbH in Roth-Belmbrach das Telefon. Am anderen Ende der Leitung Landwirte, verzweifelt auf der Suche nach Futter für ihre Viehbestände, das nach einem trocken-heißen Sommer und einer schlechten Ernte vielerorts mehr als knapp ist. Bisher konnte man allen Anfragen nachkommen und Geschäftsführer Wolfgang Volkert betont, „dass derzeit noch alle Grundfutterarten zur Verfügung stehen, wobei Gras- und Ganzpflanzensilage knapper als Maissilage ist.“ Allerdings werde man 2018/2019 weite Transportentfernungen zurücklegen müssen, um die Futterversorgung sicherstellen zu können.

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Rund 200 km waren es zum Beispiel bei Landwirt Franz Nickel aus Georgenberg im Landkreis Neustadt an der Waldnaab, nahe der Grenze zu Tschechien. Der bekam innerhalb von zwei Tagen 600 t Mais zum Silieren aus Oberbayern geliefert und kann nun futtersorgenfrei mit seinem Tierbestand (rund 100 Milchkühe und 50 trächtige Kalbinnen) dem Winter entgegensehen. „Die haben das super organisiert“, äußert sich Nickel, der im letzten Jahr einen neuen Milchviehstall gebaut hat, voll des Lobes. Auf keinen Fall wollte er seinen im Aufbau begriffenen Milchviehbestand dezimieren und so entschied er sich für Futterzukauf, nachdem er angesichts der miserablen Erträge beim Grünfutter schon ziemlich früh die eigenen Reserven verfüttern musste.

Betrieben, die in Not sind und noch Futter für den Winter suchen, kann weiter geholfen werden, vor allem deswegen – und darauf ist Volkert stolz –„weil uns unsere bisherigen Hauptkunden, die Biogasanlagenbetreiber, dabei toll unterstützen.“ Die würden in den meisten Fällen ihr Futter in die Silos wiegen und könnten so Übermengen schneller erkennen und zur Verfügung stellen. Hier kämen die gepflegte Partnerschaft und das vertrauensvolle Miteinander zum Tragen. Volkert: „Viele Biogasanlagenbetreiber helfen uns derzeit dabei, die größte Futternot bei den Milchvieh- und Mastbetrieben zu lindern und verkaufen uns ihre freien Vorräte.“ Sehr großes Augenmerk wird auf eine transparente Abrechnung gelegt, wofür die Ergebnisse der Futterbeprobung durch ein neutrales Labor die Grundlage sind.
Risikomanagement ist ausschließlich Chefsache. Volkert: „Wir nehmen nur Teilerträge unter Vertrag, um auf Ausfälle gut reagieren zu können. Wir werden auch in einem so anspruchsvollen Jahr wie 2018 unsere Vertragsmengen vollumfänglich erfüllen, egal ob Gras-, Mais- oder Ganzpflanzensilage und selbst unsere Zuckerrüben werden wir vertragsgemäß ausliefern.“
Als Wolfgang Volkert vor fünf Jahren die DBV Die BiogasVersorger GmbH gründete, hatte er die Biogasanlagen und Milchviehhalter in Mittelfranken im Blick, denen er eine echte Alternative bei der Substrat- bzw. Futterversorgung bieten wollte. „Nicht immer sind teure Pacht und weite Transportstrecken für einen landwirtschaftlichen Betrieb der einzige Weg zu expandieren“, betont er im Gespräch und bekräftigt, „dass für mich der überregionale Rohstoffhandel der bessere Ansatz war.“ Regionen ohne viel tierische Veredlung oder Biogasanlagen erhalten so neue Absatzchancen und Betrieben in sehr umkämpften Regionen kann man damit helfen, ihren Rohstoff- bzw. Grundfutterbedarf zu decken.
Zwischenzeitlich erstreckt sich das Geschäftsgebiet auf ganz Franken und Ostbayern, wobei Mittelfranken der Schwerpunkt ist. In seiner Kartei stehen rund 800 Kunden und Lieferanten. Dahinter steht ein großes Netzwerk, das die DBV in die Lage versetzt, alles aus einer Hand anzubieten. Gut 50 Unternehmer sind die Partner in den Bereichen Spedition, Ernte, Verarbeitung sowie Verladung.
Je nach Jahr handelt man den Aufwuchs (Gras, GPS, Mais oder Feuchtmais) von rund 3000 ha. Auch die zusätzlichen Nachfragen aufgrund der Futterknappheit konnten erfüllt werden, wobei kein besonderer Schwerpunkt festzustellen war. „Regional breit verteilt“, bringt es Volkert auf den Punkt.

Partner gesucht

Um den Nachfragen auch in Zukunft gerecht zu werden, ist die DBV ständig auf der Suche nach weiteren Vertragsanbauflächen. Landwirte, die mit der Tierhaltung aufgehört haben, aber ihre Flächen weiter selbst bewirtschaften und die vorhandene Technik und Siloanlagen weiter nutzen wollen, bieten sich so alternative Vermarktungschancen.
Neben der Rohstoffversorgung für Biogasanlagen und dem Handel mit Grundfutter befasst man sich auch ausgiebig mit den Bereichen Bodengesundheit und Ertragsstabilisierung.