Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Forschung

Düngung tief und effektiv

Düngung_b
Eleonore Ladebeck
am Montag, 11.05.2020 - 10:59

Testlauf für Cultan-Verfahren hat gutes Echo bei Landwirten und Versorgern

Für das „Waldwasserbrot“, das im Herbst auf dem regionalen Markt in der Region Deggendorf erhältlich sein soll, wird Weizen verwendet, der aus dem Wasserschutzgebiet Moos kommt. Die Landwirte, die das Getreide anbauen, müssen deshalb bestimmte Auflagen einhalten, vor allem sollte der Nitratwert besonders niedrig gehalten werden. Die beiden Landwirte Robert Wild und Hans Ammer aus Moos haben sich deshalb Gedanken darüber gemacht, welche Lösungen es gibt, um den Anforderungen zu entsprechen, weil sie ihre Felder nicht im gewohnten Maß düngen dürfen.

Wild und Ammer besitzen Felder im Wasserschutzgebiet, hier führten sie jetzt einen Düngeversuch mit dem sogenannten Cultan-Verfahren (Cultan steht für „Controlled Uptake Long Term Ammonium Nutrition“) durch.

Interessante Technik nicht nur für Schutzgebiete

Dieses Düngeverfahren dürfte nach Ansicht von Experten nicht nur für Wasserschutzgebiete interessant sein, sondern soll es leichter machen, die neuen Düngevorschriften zu erfüllen, mit denen sich die Landwirtschaft konfrontiert sieht.
Organisiert hatte den Versuch Robert Wild und dazu Siegfried Mantel, Wasserschutzberater aus Donnersdorf in Unterfranken und Geschäftsführer einer Agrartechnikfirma, als Partner gewinnen können. Mantel befasst sich bereits seit 15 Jahren mit dem Cultan-Verfahren. Hierbei wird der mineralische Flüssigdünger mit einem Spezialgerät bis zu sechs Zentimeter tief in den Boden injiziert. Üblicherweise wird mineralischer, granulierter oder flüssiger Stickstoffdünger breitflächig auf den Äckern oder Wiesenflächen verteilt.

Trockenheit spricht für Cultan-Verfahren

Dabei ist der Landwirt davon abhängig, dass Niederschläge die Nährstoffe lösen und die Pflanzen den Dünger verstoffwechseln. „Die Trockenperioden der vergangenen Jahre zeigen aber, dass die Pflanzen ohne ausreichende Niederschläge nicht ausreichend versorgt werden“, erläutert Siegfried Mantel. In Regenperioden bestehe dagegen das Risiko einer Überversorgung.

Einsparungspotezial ist durchaus vorhanden

Im Cultan-Verfahren wird der Flüssigdünger ASL (Ammonium-Sulfat-Lösung) gewissermaßen als Depot angelegt, das die Mikroorganismen meiden und es aus diesem Grund nicht in Nitrat umwandeln, sondern in Ammonium, das im Gegensatz zu Nitrat nicht ausgewaschen wird.
„Die Pflanzen stellen ihre Ernährung von Nitrat auf Ammonium um und ernähren sich auch in Trockenperioden aus dem Depot immer genau mit denjenigen Nährstoffen, die sie brauchen“, erklärt Wild, der auch unterstreicht: „In Zeiten zunehmender Trockenperioden und des fortschreitenden Klimawandels muss ein Umdenken in den Düngesystemen stattfinden.“ Er ist davon überzeugt, dass durch die Cultan-Technik der Wirkungsgrad des Düngers weitaus höher ist. Damit sei langfristig ein Einsparungspotenzial vorhanden, „weil die Pflanzen weitaus gesünder sind“.
Der Augenschein vor Ort gibt dem Landwirt Recht: 10 Tage nach der Vorführung ist eine gesunde grüne Farbe der Pflanzen nicht zu übersehen, „das steht schon im Gegensatz zu üblichen Düngungen ohne Niederschlag, wo sie nicht selten zu einer gelben Farbe tendieren“, meint Wild.

Hohe Kosten setzen Grenzen für Rentabilität

Ein weiterer Vorteil des Verfahrens sei, dass man den Pflanzenschutz reduzieren kann und nur einmal im Jahr gedüngt werden muss – im Gegensatz zur Streutechnik, wo eine drei- bis viermalige Gabe bei Getreide üblich ist.
Doch da ist auch noch der Kostenfaktor: Das bei dem Versuch zum Einsatz gekommene Gerät kostet rund 180 000 Euro, rentabel für einen Einzelbetrieb ist es rechnerisch erst ab 400 Hektar. Daher wäre es eher für einen Maschinenring oder eine Lohnbetrieb sinnvoll.

Wasserversorger sieht Versuche sehr positiv

Agraringenieur Wolfgang Hutterer vom Ingenieurbüro für ressourcenschonende Landwirtschaft in Hohenlinden, der den Versuch für die Versorgungsgemeinschaft Waldwasser begleitet, sieht hier ein nicht zu unterschätzendes Problem: Viele Landwirte würden nicht gerne auf die gewohnte Selbstständigkeit in der Düngung verzichten, denn dies würde eine Abstimmung und Organisation mit dem Lohnunternehmer oder der Maschinengemeinschaft nach sich ziehen, vor allem im Nebenerwerb sei das nicht immer einfach.
Für den Einsatz im Wasserschutzgebiet wäre das Cultan-Verfahren jedoch „eine Win-Win-Situation für Wasserversorger und Landwirte“, ist Landwirt Wild überzeugt. Und auch Waldwasser-Werkleiter Hermann Gruber, der an der Vorstellung des Düngeversuchs teilnahm, zeigte sich sehr beeindruckt. Er betonte dabei zwar ausdrücklich, dass es derzeit keine Nitrat-Probleme im Wasserschutzgebiet gibt. „Damit es auch so bleibt und das Wasser aus Moos in den kommenden Jahren nicht an seiner hohen Qualität verliert, braucht es einen achtsamen und vorsorglichen Umgang.“ Ausdrücklich lobte er die Initiative und das Engagement der Landwirte. Als Wasserversorger werde man diesen Einsatz weiterhin unterstützen, „denn je weniger gedüngt werden muss, desto besser für die Umwelt und das Wasser“, betonte Gruber. Deshalb wolle man zum Ende des Jahres auch einen Vergleich mit dem klassischen Düngeverfahren ziehen und die Erkenntniss überprüfen.