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Ermittlungen

Dreister Bioschwindel? Schlachtbetrieb wehrt sich lautstark

Grillhendl (Symbolfoto)
Gerd Kreibich Portrait
Gerd Kreibich
am Donnerstag, 17.11.2022 - 17:51

Nach den Durchsuchungen meldet sich der betroffene Geflügelschlachtbetrieb zu Wort. Doch die Staatsanwaltschaft sieht das anders.

Massing/Ertingen Der Betreiber der Geflügelschlachtbetriebe Gross GmbH in Massing im Rottal und Oberschwäbische Geflügel GmbH weist die Vorwürfe, in seinen Betrieben seien konventionell erzeugte Hühner durch Umetikettierung zu Bio-Ware gemacht worden, scharf zurück. Über eine Münchner Marketingagentur ließ er an das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt eine ausführliche Stellungnahme verschicken, in der er die Vorwürfe „vollumfänglich und mit Nachdruck“ zurückweist.

„Wir sind ein langjähriger, zertifizierter Familienbetrieb mit Tradition. In Zusammenarbeit mit unseren Landwirten produzieren wir tierschutzgerechtes, regionales und nachhaltiges Geflügelfleisch. Wir sind stolz auf die hohe Qualität unserer Produkte“, heißt es in der Stellungnahme. Das Geflügel stamme von bäuerlichen Familienhöfen aus Bayern und Baden-Württemberg, man stehe mit dem Namen Gross für Regionalität, Glaubwürdigkeit und Verantwortung. „Wir haben in unserer gesamten Firmengeschichte, weder in etwaigen Hygienefragen noch in Zertifizierungsfragen, uns je etwas zuschulden kommen. Wir haben immer erstklassige Ware in den Verkehr gebracht. Und dabei haben wir stets alle Kennzeichnungsvorgaben eingehalten“, wird in der Erklärung ausgeführt. Deshalb werde vom Unternehmen alles getan, um die Vorwürfe gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft zeitnah vollumfänglich aufarbeiten und aus der zu Welt räumen.

Akten und Datenträger sichergestellt

Bei der Razzia der Polizei unter Leitung der Landshuter Staatsanwaltschaft waren sowohl die beiden Betriebe der Firma Gross in Massing und Ertingen als auch eine Reihe von Privatwohnungen durchsucht worden, große Menge an Akten und Datenträgern wurden sichergestellt, sie sollen jetzt geprüft werden.

Dabei scheint das Ungemacht für das Unternehmen Gross in Ertingen größer zu sein als in Massing. Hier hatten sich Mitarbeiterinne und Mitarbeiter sowohl an die Polizei als auch die Medien gewandt. Dabei wurden auch viele Fotos übergeben, die, wenn sie der Situation vor Ort entsprechen, auf schwere Hygienemängel in dem Betrieb hinweisen würden. „Mitarbeiter des Unternehmens haben uns berichtet, dass Fleisch, das tagelang unsachgemäß gelagert wurde, weiterverarbeitet und in den Verkauf gebracht wurde“, sagt ein Journalist des Wochenblatt Ertingen dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt.

So soll das Fleisch, dass tagelang nicht gekühlt wurde, auf Anweisung der Betriebsleitung würzig mariniert und dann verkauft worden sein, heißt es. Von den Mitarbeitern stamme auch die Information, dass nur zwei Frauen am Fließband eingesetzt waren, um die Hühner vom Band einzusammeln. „Das war nicht zu schaffen, viele Hühner fielen auf den Boden, das waren hunderte. Da wurde nichts weggeschmissen, das kam alles in den Verkauf“, so lauten Aussagen, die das Wochenblatt Ertingen dann auch veröffentlicht hat.

Keine Gesundheitsgefahr

Aus Niederbayern liegen derartige Berichte nicht vor, vom zuständigen Landesamt wurde mitgeteilt, dass nach derzeitiger Kenntnis von den ausgelieferten Hühnern in Niederbayern keine Gesundheitsgefahr ausgehe. Der Schwerpunkt der Ermittlungen liegt laut Staatsanwaltschaft Landshut auf dem Verdacht, dass aus konventionell erzeugten Hühnern durch die Anbringung falscher Etiketten Bioware wurde. Genutzt worden sei auch das Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“.