Vorbildlich und nachhaltig

Drei Waldpreise im Landkreis Regen vergeben

Landkreis Regen
Eleonore Ladebeck
am Montag, 21.10.2019 - 11:39

Der 1. Preis geht an Johann Kraus.

Bereits seit Monaten ist der derzeitige schlechte Zustand der Wälder im Fokus der Öffentlichkeit. Schädlinge, Stürme, Schneebruch, Klimawandel und die damit verbundene Hitze und Trockenheit setzen dem Wald zu. Für eine zukünftige Bewirtschaftung des Waldes braucht es deshalb neue Ideen, Menschen mit Fachwissen und großer Leidenschaft für Bäume. Gleich drei solche Waldbesitzer sind jetzt vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) Regen mit dem Titel „Waldbesitzer des Jahres“ geehrt worden.

Zu den Feierlichkeiten im Zwieseler Naturparkhaus waren zahlreiche Land und Forstwirte gekommen, unter ihnen Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft, Jagd, Wald und Naturschutzbehörden. „Der Klimawandel ist eine reale Bedrohung“, stellte Dr. Stefan Schaffner, Leiter des Bereichs Forst des AELF Regen, fest.

Trotz der großen Herausforderung sieht Schaffner eine gute Zukunft für den Wald. Seiner Meinung nach wird man Lösungen und Wege aus der Krise finden. „Zwar ist dies wie ein Marathonlauf, aber der Kampf wird auch mit Hilfe der Natur gewonnen werden“, ist der Experte überzeugt. Auch dies sei ein Grund, die „Waldbesitzer des Jahres“ zu ehren, denn nur mit Hilfe der Waldbesitzer könne man einen Weg aus dem heutigen Zustand der Wälder heraus finden.

Die Jury befand die beiden Landwirte Konrad Weiss aus Trametsried (Gemeinde Kirchdorf) und Josef Kopp aus Blachendorf (Gemeinde Drachselsried) für preiswürdig. Beide erhielten jeweils einen 2. Preis. Konrad Weiss arbeitet vorbildlich in seinem Wald, sagte Schaffner in seiner Laudatio. Auch sei es ihm ein großes Anliegen, seine Rücke- und Forstwege ständig in einem sehr guten Zustand zu halten, „nur so ist eine vorbildliche Holzernte gewährleistet“, erklärte der Laudator und verwies auch auf die Devise „Wirtschaften in und mit der Natur“ der Familie Weiss.

Lange Familientradition

Die Preisträger-Familie Kopp kann auf eine sehr lange Familientradition als Waldeigentümer zurückblicken. Ihr Grundsatz ist ein generationsübergreifendes Wirtschaften. „Hier wird der Wald vorbildlich nachhaltig und verantwortungsbewusst bewirtschaftet“, so Schaffner.

Johann Kraus aus Penning (Gemeinde Patersdorf) wurde der 1. Preis zuerkannt. Der Landwirt legt in seinem Wald großen Wert auf handwerkliche Tradition und Perfektion in den Arbeitsabläufen. Wichtig ist ihm die Tanne als zukünftige Wertträgerin, nicht vergessen werden aber die Laubbäume. Familie Kraus nützt dabei konsequent alle Möglichkeiten, um die Naturverjüngung zu fördern.

Johann Kraus arbeitet dabei auch sehr viel mit den Jägern zusammen und legt großen Wert auf den Erhalt der Biotopbäume sowie der Waldränder und Feuchtflächen. „Damit hat die Familie Kraus mit ihrer Arbeit, Fleiß und Können ein Wirtschaften begonnen, das den Herausforderungen der Zukunft gerecht wird“, hieß es in der Laudatio. 
Der ehemalige bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, selbst engagierter Waldbesitzer, erklärte mit Blick auf die Geehrten, dass man dringend solche Vorbilder benötige. Es könne nicht angehen, dass einige Waldbesitzer als Antwort auf den Klimawandel und die damit verbundenen wirtschaftlichen Verluste ihre Wälder stilllegen mit dem Ziel „Natur nur noch Natur sein zu lassen“, denn: „Nur mit einer vernünftigen Waldbewirtschaftung kann man CO2-Bindung erzielen“.

Der Ex-Minister sieht übrigens das 800-Mio.-€-Paket der Bundesregierung zur Rettung des deutschen Waldes skeptisch. Dabei würden 100 Mio. € für Bayern, aufgeteilt auf vier Jahre, anfallen – für die Waldbesitzer ein „Tropfen auf den heißen Stein“, so Brunner. Er fordere die Gesellschaft auf, Holz aus regionalen Produktionen zu nutzen und regte an, von Seiten des Staates mehr Anreize für die Verwendung von heimischem Holz zu setzen: „Holz ist der Rohstoff der Zukunft“, so Brunner.