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Kundenbindung

Direktvermarkter als Botschafter für die Region

Beispiel für erfolgreiche Vermarktung: im Kloster Plankstetten wurde für Produkte aus der Region ein eigener Laden eingerichtet, der auch in den sozialen Medien beworben wird.
Lorenz Märtl
am Dienstag, 24.01.2023 - 09:20

Amberger Direktvermarkter informieren sich über neue Wege und Strategien.

Amberg Direktvermarktung ist mittlerweile ein wichtiges Standbein vieler Landwirte, Erzeuger und Verarbeiter. Dabei werden auch digitale Wege der Vermarktung immer bedeutender. Das Regionalmanagement des Landkreises Amberg-Sulzbach, die Öko-Modellregion und das AELF Amberg-Neumarkt hatten deswegen für ein Treffen des regionalen Erzeuger- und Verarbeiter-Netzwerks das Thema „(Online)-Kommunikation mit Kunden und erfolgreiche Kundenbindung - wie kann das gelingen?“ gewählt.

Eine gute Story weckt das Kundeninteresse

Carolin Nuscheler, Chefin einer Marketing-Agentur, verdeutlichte in einem Impulsvortrag welche Wirkung ein „Starker Auftritt für Direktvermarkter“ online und offline hat, wie man zielgerichtet kommuniziert und so über Website, Social Media und im echten Leben potenzielle Kunden erreicht. „Authentizität ist der Schlüssel“, betonte die Referentin und stellte fest: „Sie sind nicht nur Direktvermarkter, sondern auch Botschafter für regional erzeugte Lebensmittel.“ Wer seine Kunden langfristig an sich binden wolle, der müsse ein Gesamtbild schaffen: Wer bin ich, was kann ich, wo sind wir, wo liegen die Schwerpunkte des Betriebs, was sind die Stärken und vor allem: gibt es ein Alleinstellungsmerkmal?

Als weitere wichtige Punkte nannte die Expertin die Prüfung der Wertschöpfung, das Erkennen von Trends, welche Zielgruppe will ich ansprechen, einen Leitsatz formulieren und festlegen, Logo gestalten für diverse Werbemittel und Hinweisschilder zum Hof, „denn die Leute müssen Sie finden und erkennen bevor sie Sie suchen.“ Erfolgreiches Social-Media-Marketing bedeute Arbeit, „denn nur ein kreativer Account mit Mehrwert für die User sorgt für eine dauerhaft gute Reichweite“.

In guter Kommunikation mit dem Kunden bleiben

Ihr Fazit: „Direktvermarkter verkaufen nicht nur ihre Produkte, sondern vermarkten sich auch selbst. Die Leute wollen nicht nur gute, hochwertige, regionale, tiergerecht erzeugte, feine, besondere, kreative, ausgefallene, selbstgemachte, ökologische, traditionelle und leckere Produkte, sondern auch die Story dazu erfahren.“

Gute Möglichkeiten bietet nach Überzeugung der Expertin die eigene Hofwebsite. Dort könne man durch Hintergrundinfos, Bildmaterial und die Verlinkung zu Partnern das eigene Image verbessern, die Verkaufsprozesse beschleunigen, sich und seinen Betrieb nach eigenen Wünschen darstellen, die Reichweite erhöhen und Professionalität ausdrücken.

Soziale Medien brauchen Zeit, aber lohnen sich

Wie die Kundenkommunikation in der Praxis aussieht und Erfolg bringt, wurde an zwei Beispielen aus dem Landkreis Neumarkt deutlich. Die Bio Vollwert Bäckerei Wehr aus Stöckelsberg im und das Kloster Plankstetten sind in der digitalen Vermarktung echte Vorreiter.

Thomas Wehr, der die Familienhistorie der Bäckerei in der fünften Generation fortsetzt, sprach von Leidenschaft zum Handwerk und einer regionalen Wertschöpfung vom Feld bis zum fertigen Brot. In der Backstube in Stöckelsberg stehen nur Knetmaschinen und Öfen, alles andere erfolgt per Hand. „Die Verfeinerung des Teiges, das Abwiegen und Formen ist bei uns Bäckerstolz.“ Man setzt auf regionale Wertschöpfung und das Getreide wird von Landwirten aus Franken und der Oberpfalz bezogen. Emmer wird beispielsweise nur zehn Kilometer von der Backstube entfernt angebaut und sogar selbst gemahlen.

2020 entschied man sich nicht nur für eine Straffung des Sortiments („spart Aufwand und Zeit“), sondern auch für digitale Geschäftsmodelle über Social Media, konzipierte eine Website, von Carolin Nuscheler als „das eigene Wohnzimmer im Netz“ bezeichnet, und startete Werbeaktionen.

Soziale Netzwerke liefern Blick hinter die Kulissen

Aussagekräftige Bilder und Videos auf Facebook und Instagram sorgen für einen Blick hinter die Kulissen, zeigen wie eine Backstube funktioniert. Dies alles koste zwar viel Zeit „aber man ist in aller Munde“, so der Bäckermeister. Und Wehr ist sicher, dass er mit diesem neuen Weg Brotfans für das Thema begeistert hat. „Jeder kann es schaffen den Mehrwert zu generieren, es lohnt sich“, betonte er.

Wie sich der Prozess im Kloster Plankstetten entwickelte, erläuterte Frater Andreas, der den Rat gab bei der Entwicklung der Kundenkommunikation auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Jahr nach der Umstellung der klösterlichen Landwirtschaft auf Ökolandbau (1994) ging man daran, das erste Corporate Identity und Corporate Design zu entwickeln, setzte ein regionales Autarkiekonzept um, eröffnete die Klosterschenke und den ersten Hofladen (40 Quadratmeter), führte eine Kundenbefragung durch und ließ 2000 zur Neueröffnung des auf 140 Quadratmeter erweiterten Hofladens eine Unternehmens- und Marketingstrategie erarbeiten.

Nachhaltigkeit im Kloster an vorderster Stelle

Weitere Schritte waren der Aufbau der Klosterwebsite (www.kloster-plankstetten.de) und der Beginn des mobilen Verkaufs mit eigenen Klostermarktwägen. 2007 wurde der Onlineshop (www.einkaufen-im-kloster.de) eröffnet, 2015 die Unternehmens- und Marktstrategie aktualisiert. Mittlerweile gehören auch digitale Netzwerke wie Facebook und Instagram dazu.

Nachhaltigkeit steht im Kloster an vorderster Stelle. Die handwerkliche Arbeit konzentriert sich darauf, erstklassige Grundnahrungsmittel anzubieten und ausschließlich Lebensmittel aus ökologischem Anbau zu verkaufen. Qualität habe aber ihren Preis und so sei der faire Preis Voraussetzung für eine ökologische Wirtschaftsweise. „Wir wollen aufgrund unserer Tradition Verantwortung für die Schöpfung übernehmen“, betonte Frater Andreas. Qualität sei wichtig für die Kundenbindung