Protest

Diese Klatsche braucht es nicht

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Christian Melis
am Dienstag, 09.02.2021 - 09:31

Der Bauernverband kritisiert bei einer Mahnwache in Ganacker eine Verbotsstrategie beim Insektenschutz, die nicht wirken werde.

Zu einer Mahnwache am Feuer haben sich Vertreter des Bauernverbandes mit ihrem Präsidenten Walter Heidl sowie viele Landwirte am Sportplatz Ganacker getroffen, um ihren Protest gegen das geplante Insektenschutzgesetz kundzutun. Dieser geht auf das im Jahr 2019 von der Bundesregierung beschlossene Aktionsprogramm „Insektenschutz“ zurück, weshalb vor einem Jahr auch große Protestaktionen bundesweit stattgefunden hatten. Zeitgleich zur Mahnwache fanden Protestkundgebungen in ganz Deutschland statt, wie BBV-Präsident Walter Heidl wissen ließ.

„Sei dabei und protestiere mit uns bayernweit gegen das geplante Insektenschutzgesetz, vor allem gegen zusätzliche Verbote auf FFH-Flächen und Vogelschutzgebieten“, lautete die Losung am Montagabend. Der Teilnehmerkreis war klein, und dennoch wurden die Schutzmaßnahmen und Auflagen in diesen Pandemie-Zeiten peinlich genau eingehalten. Teilnehmerliste, Mindestabstand und FFP2-Masken waren selbstverständlich, und sogar die Polizei Landau stattete der Veranstaltung einen Besuch ab, um nochmals die Auflagen zu überprüfen.

Mehrere Hundert Hektar in der Region betroffen

Unter den Teilnehmern waren BBV-Kreisobmann Friedhelm Dickow, Bezirksbäuerin Irene Waas und BBV-Geschäftsstellenleiterin Ingrid Ecker. Selbst betroffen von den einschneidenden Veränderungen durch das Insektenschutzgesetz ist beispielsweise Johann Saxstetter aus Frontenhausen, der das Gesetzesvorhaben als Quasi-Enteignung bezeichnete. Er hat landwirtschaftliche Flächen im Vilstal, die davon betroffen wären. Laut Ingrid Ecker gibt es mehrere hundert Hektar Ackerland, quer durch den Landkreis, die von dem neuen Gesetz tangiert werden. Bewusst traf man sich in Ganacker, unweit vom Wiesenbrütergebiet Unteres Isartal, wie Landwirt und BBV-Funktionär Josef Hiergeist erklärte.
„Wir haben heute ein Mahnfeuer entfacht, weil etwas beschlossen werden soll, das uns Landwirten sehr weh tun wird“, sagte BBV-Kreisobmann Dickow eingangs. „Das Insektenschutzgesetz ist etwas was wir nicht verstehen.“ Man wolle Insekten schützen, aber nicht immer nur mit Verboten. „Wir wollen das so machen, dass es auch etwas bringt, für den Landwirt und die Insekten!“

Verbotsstrategie, die gar nichts bringen kann

Was das Bundesministerium mache, sei eine Verbotsstrategie, die überhaupt nicht wirken werde. Es sei in den Augen der Landwirte eine Enteignung der Felder und Wiesen. Das habe schwerwiegende Folgen gerade für den Ökolandbau. Landwirte, die noch Kulap-Prämien erhielten, werden demnächst nichts mehr erhalten, sagte er. Wenn kein Pflanzenschutz erlaubt sei, sei nur noch Öko machbar. Das werde dann aber auch nicht mehr gefördert. „Darüber ist man sich eigentlich noch gar nicht so recht bewusst. Wir Landwirte im Königsauer Moos sind vielleicht noch weniger betroffen als die Landwirte, die Ackerflächen in einem Vogelschutzgebiet haben.“ Es gebe zum Beispiel viele Obstanbaugebiete in FFH-Gebieten. „Uns Landwirten hat man erklärt, da kann man Landwirtschaft betreiben wie vorher auch, und jetzt auf einmal kommt diese große Klatsche. „Ja was machen wir denn, wenn unsere Ernten bedroht sind von Schädlingen?“

Zum Thema Insektenschutzgesetz setzen sich Bauernpräsident Walter Heidl und der Bauernverband vor den entscheidenden Beratungen für Korrekturen ein:

Bei Walter Heidl werden Erinnerungen wach

BBV-Präsident Heidl könne sich noch gut erinnern an eine Podiumsdiskussion in Cham im Jahre 2004. Bei der Ausweisung der FFH-/Natura2000-Gebiete sei vom damaligen Umweltminister Schnappauf betont worden, es dürfe weiterhin ordnungsgemäß gewirtschaftet werden, es gebe keine Einschränkungen für die Bauern. Damals war Heidl noch niederbayerischer BBV-Präsident. „Fakt ist jetzt: Genau in diesen Vogelschutz- und FFH-Gebieten verbietet man den Pflanzenschutz. Dagegen wehren wir uns aktiv."

Für Landwirt Saxstetter fielen dem Insektenschutzgesetz viele Agrarumweltmaßnahmen zum Opfer, die so oft und gern beworbene Zusammenarbeit von Umwelt und Landwirtschaft werde damit zerstört, sagte auch Landwirt Sebastian Dickow. Die Kosten verblieben bei den Landwirten, diese seien zwar für die Pflege der Flächen zuständig, dürften darauf aber nichts mehr machen. „Da muss unbedingt nachgebessert werden,“ so Sebastian Dickow.