BBV-Tagung

Dickow: „Halten wir zusammen“

Melanie Bäumel-Schachtner
am Mittwoch, 16.09.2020 - 09:28

Dingolfing-Landau: Zum ersten Mal hat nach Corona im Landkreis wieder eine BBV-Tagung stattgefunden.

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Die Ortsbäuerinnen- und Ortsobmännertagung im Landkreis Dingolfing war eine „Premiere“: Zum ersten Mal hat nach Corona im Landkreis wieder eine BBV-Tagung stattgefunden. Und zum ersten Mal stand die Veranstaltung auch im Schatten des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die am gleichen Tag erstmals in Deutschland bei einem Wildschwein nachgewiesen wurde.

Die rund 50 Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner, die sich mit Corona-Sicherheitsabstand und Hygieneregeln im Saal des Gasthauses Apfelbeck versammelt hatten, wurden über drei Stunden lang umfassend informiert.

Landwirtschaft bleibt systemrelevant

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„Ich freue mich, dass wir unter Sicherheitsregeln wieder zusammenkommen können“, hieß Bezirks- und Kreisbäuerin Irene Waas die Gäste und Ehrengäste willkommen. Sie erinnerte, dass der BBV heuer Grund zum Feiern hat: Am 7. September 1945, also vor 75 Jahren, wurde er in München gegründet. „Besonders stolz sind wir, dass der erste Vorsitzende, Präsident durfte er sich damals von den Amerikanern aus nicht nennen, Josef Sturm aus der Gemeinde Moosthenning war“, blickte Waas zurück. Ziel damals sei die Sicherstellung der Lebensmittel gewesen. „Auch heute ist die Landwirtschaft absolut systemrelevant“, machte sie deutlich. „Und wenn wir zusammenhelfen, dann steht der Verband auch in den nächsten 75 Jahren noch gut da.“

Die Ortsbäuerinnen seien auch während des Lockdowns vernetzt geblieben und haben eine Whats-App-Gruppe gegründet. Besonders freute sich Waas, dass das lange geforderte Schulfach zur Alltagskompetenz nun in den Lehrplan Einzug gehalten hat. Es wird „Schule fürs Leben“ heißen und in zwei Projektwochen in allen Schularten eingeführt werden. Susanne Schreiner-Janning, Geschäftsführerin des BBV-Bildungswerkes Niederbayern und Oberpfalz, zeigte auf, wie der BBV in diesen Zeiten Veranstaltungen halten kann, „auf denen sich alle wohlfühlen“.

E-Learning ersetzt nicht die realen Kontakte

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Zuerst habe sehr viel digital stattgefunden, doch E-Learning-Seminare ersetzen nicht die realen Kontakte. Nach wie vor gebe es interessante Vorträge online, zum Beispiel in naher Zukunft über das Kenia-Projekt des BBV, oder über Agrarpolitik. Schreiner-Janning warb jedoch ebenso für Präsenzveranstaltungen, die unter dem Hygienekonzept des BBV durchgeführt werden.

Dazu gehören unter anderem genügend Abstand in großen Sälen, Maske auf, sobald der Platz verlassen wird sowie regelmäßiges Lüften. Außerdem muss jeder, der eine Veranstaltung besucht, sich vorher anmelden. Möglich sind zur Zeit Vorträge und Kochvorführungen. Werkkurse sowie Präventions- und Gesundheitskurse bedürfen der Rücksprache mit der BBV-Geschäftsstelle.

Dickow: ASP wird zu großen Problemen führen

BBV-Kreisobmannn Friedhelm Dickow fand lobende Worte für das Konzept: „Man merkt, man hat sich Gedanken gemacht – nehmt das an, bildet euch weiter“, rief er auf. Zum ersten ASP-Fall in Deutschland befürchtete er gravierende Auswirkungen. Es werde Einschnitte und Probleme bei der Vermarktung von Schweinefleisch geben. Um die Auflagen im Tierwohl erfüllen zu können und die Ställe an die Anforderungen anzupassen, forderte der Kreisvorsitzende eine Änderung des Baurechts. In Sachen Düngeverordnung zeigte er sich überzeugt, dass aus den grünen Gebieten schnell auch rote Gebiete werden.

Landrat Bumeder machte in seinem Referat klar, dass Corona eine Pandemie sei, „die wir ernst nehmen müssen“.

Pandemie war schwere Zeit für den Landkreis

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Der Landkreis Dingolfing-Landau sei in einer besonderen Situation: Hier sei der größte Anteil an Gurkenanbau und der größte Anteil an Erntehelfern. Leider habe es im Juli im Mamming Ausbrüche in zwei Betrieben mit hohem Infektionsgeschehen gegeben. Es sei um 1000 Personen gegangen, die unter schwierigen Bedingungen betroffen gewesen seien. „Wir waren gefordert, Maßnahmen umzusetzen, die für den Betrieb, aber auch für die Verwaltung sehr schwierig waren“, machte Bumeder klar. Es seien alle anderen Betriebe mit Saisonarbeitern auch durchgetestet worden, insgesamt 4800 Menschen. Der Landkreis sei extrem gefordert gewesen, „wir haben vier Teststationen eingerichtet und über 20.000 Bürger getestet – ein Fünftel der Bevölkerung“, erinnerte er. Dabei habe es glücklicherweise vor allem negative Testergebnisse gegeben, die den Landkreis vor weiteren Maßnahmen geschützt haben.

Sechs Wochen später habe man den Ausbruch „mit einer großen Gemeinschaftsleistung geschafft“. Dies sei nur Hand in Hand mit den betroffenen Betrieben, den betroffenen Erntehelfern, der Bevölkerung, den Ehrenamtlichen und den Verwaltungen möglich gewesen.
Der betroffene Landwirt fand dennoch bittere Worte für den Ablauf der Maßnahmen und die Medienberichte und sprach von „Rufmord und Psychoterror.“ Seine Anwälte arbeiten auf Hochtouren, ließ er verlauten: „Ich werde alles ans Licht der Öffentlichkeit bringen.“
Umso wichtiger ist deshalb wohl auch der Appell des Kreisobmannes am Ende der Veranstaltung zu bewerten: „Halten wir zusammen, lassen wir uns nicht auseinanderdividieren“, rief Friedhelm Dickow die Ortsbäuerinnen und Ortsobmänner auf.