Jahresrückblick

Corona, Borkenkäfer und ASP setzen Bauern zu

Gerhard Stadler, BBV-Präsident Niederbayern und Josef Wutz, BBV-Präsident Oberpfalz
am Mittwoch, 30.12.2020 - 08:51

Ostbayerns Landwirtschaft hatte 2020 an vielen Fronten zu kämpfen. Aber einiges konnte auch beeinflusst werden. Das betonen die BBV-Bezirkspräsidenten Gerhard Stadler (Niederbayern) und Josef Wutz (Oberpfalz) im Grußwort zum Jahreswechsel.

Liebe Bäuerinnen, liebe Bauern, im Jahr 2020 hat uns die Corona-Pandemie geprägt und vor große Herausforderungen gestellt. Geschlossene Grenzen und Ausgangsbeschränkungen sorgen bis zum heutigen Tag für erhebliche Verwerfungen auf den verschiedenen Märkten und beeinflussen die Wirtschaftlichkeit der Betriebe.

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Die Sonderkulturbetriebe wussten lange nicht, ob ihre Saisonarbeiter einreisen können. Zusammen mit Politik und Behörden gelang es hier, Lösungen herbeizuführen. Aber die Aufrechterhaltung der Produktion war fordernd genug.

Zu allem Überfluss sorgte dann der Fund eines ASP-infizierten Wildschweinkadavers in Brandenburg und die damit einhergehende Sperre auf wichtigen Drittlandsmärkten für zusätzlichen Druck und beförderte die katastrophale Lage auf dem Schweinemarkt. Kaum war die Nachricht bekannt, da wurden schon die Preise massiv nach unten getrieben. Verschärfend kam mit beginnendem Herbst wieder hinzu, dass Schlachtbetriebe oft nur eingeschränkt arbeiten konnten, weil Mitarbeiter wegen Corona in Quarantäne mussten. Mit der Forderung nach flexibleren Arbeitszeitregelungen und weiteren Maßnahmen versuchen wir hier den Verarbeitungsbereich zu unterstützen.

Lockdown und Einschränkungen

Der erneute Lockdown und die verordneten Einschränkungen verhindern eine Erholung, deshalb ist es überfällig, schwer betroffenen Betrieben, wie in anderen Bereichen auch, Coronahilfen zu gewähren.

Auch im Waldbereich gab es keine guten Nachrichten. Mit den niedrigen Holzpreisen konnten die Betriebe oft nicht einmal die Aufarbeitungskosten decken. Zumindest für Frischholz zeichnen sich hier allmähliche Verbesserungen ab und mit der Waldprämie und den neuen Förderrichtlinien bei Aufforstungen konnte eine gewisse Entlastung und Unterstützung erreicht werden.

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Nicht weniger fordernd ist für uns die Düngeverordnung. Hier gelang es zumindest mit der neuen Bundesverwaltungsvorschrift und deren Umsetzung in Bayern die rote Gebietskulisse zu halbieren. Wichtig ist jetzt, dass in allen Grundwasserkörpern eine Regionalisierung stattfindet, fehlende Daten möglichst schnell ergänzt und die roten und gelben Gebiete weiter eingegrenzt werden. Auch für Einzelbetriebe mit nachweislich nachhaltiger Bewirtschaftung müssen Ausnahmen möglich sein. Viele weitere Baustellen, gerade bei Ackerbau und Tierhaltung wären noch zu nennen.

Erfolge gab es heuer bei der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Mit zusätzlich 30 Mio. Euro bei der Landwirtschaftlichen Krankenkasse konnte die Erhöhung des LKK-Beitrages auf ca. 1,7 % statt 6 % begrenzt werden. Auch der Beitragszuschuss zur landwirtschaftlichen Alterskasse in den unteren Einkommensklassen wurde erhöht und die Einkommensgrenzen wurden angepasst.

Landwirtschaft ist systemrelevant

Das Jahr 2020 hat deutlich gezeigt: Die Landwirtschaft ist systemrelevant. Es macht keinen Sinn, unsere heimische Land- und Forstwirtschaft mit Auflagen und Verboten immer weiter einzuschränken und dann die notwendigen Lebensmittel mit geringeren Standards aus dem Ausland zu importieren. Auch innerhalb der Wertschöpfungskette muss die Erkenntnis reifen, dem Erzeuger eine angemessene Vergütung zukommen zu lassen, ansonsten sägt man sich den Ast ab, auf dem man selber sitzt.

Viele Herausforderungen begleiten uns noch ins neue Jahr, insbesondere wenn es um die Zukunftsausrichtung unserer Betriebe geht. Wir werden uns im Bayerischen Bauernverband weiterhin mit allen Kräften für unsere Bäuerinnen und Bauern einsetzen und wünschen Ihnen für 2021 Gesundheit, Glück und viel Erfolg in den Familien und auf den Betrieben.
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