Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Projekt

Ein Bypass für den Biberdamm

Bypass am Biberdamm zum Schutz der Aroniabeeren-Kultur
Theresia Wildfeuer
am Donnerstag, 27.05.2021 - 10:25

In Salzweg werden Natur und Landwirtschaft in Einklang gebracht. Gleichzeitig wird die Vernässung landwirtschaftlicher Flächen verhindert.

Salzweg Biber sind besonders geschützte Tiere. Sie verursachen aber immer wieder große Schäden in Land- und Forstwirtschaft. Dem BUND Naturschutz im Kreis Passau ist es jetzt gelungen, die Interessen von Natur und Bewirtschaftern im Bereich des Bärnbachs in der Gemeinde Salzweg in Einklang zu bringen. Es wurde ein Bypass für einen Biberdamm gelegt, um die Vernässung landwirtschaftlicher Flächen zu verhindern und dennoch den Lebensraum des Nagers nicht zu zerstören.

BUND räumt Probleme mit dem Biber ein

Die Wiederbesiedlung vieler Wasserläufe durch den Biber kann auch Probleme erzeugen“, räumt Karl Haberzettl, Vorsitzender der Kreisgruppe des BUND Naturschutz (BN) in Passau, ein. Dies habe auch der Passauer Langlebenhof erfahren, der zwei große Felder mit Aronia-Beeren in der Nähe des Bärnbachs in Salzweg bewirtschaftet. Der Anstau des Bibers habe zu einer erheblichen Vernässung der Flächen geführt, weil an dem Bach auf einer kurzen Strecke ein bachbegleitender Damm fehlt.

Grundstücksbesitzer und Pächter wendeten sich mit der Problematik an den BN, da sie den Biber nicht vertreiben wollten, schildert Haberzettl. Er begrüßt die positive Einstellung der Grundstücksangrenzer dem Biber gegenüber.
„Ziel der Beteiligten war es, auch für das Tier eine verträgliche Lösung zu finden“, erläutert Haberzettl. Schnelles Handeln sei dabei wichtig gewesen. Er habe daher zu einem Ortstermin mit dem bayerischen Biber-Fachmann Gerhard Schwab eingeladen.

Fünf Meter Rohr bringt jetzt den Durchbruch

Das Ergebnis der fachlichen Beratung: Man solle den Biberdamm nicht zerstören, sondern in diesem einen Bypass legen, der aus einem fünf Meter langen Wasserrohr mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern besteht, berichtet der BN-Kreischef. Mitglieder des BN bauten deshalb mit Grundstücksbesitzer Christian Böhm und Landwirt Florian Fischer vom Langlebenhof das Rohr fachgerecht in den Biberdamm ein, so dass der Wasserstand auf einer für Biber und Grundstücksnachbarn verträglichen Höhe bleibt. Geplant sei, einen Erdwall aufzuschütten, sobald die Fläche neben dem Bach etwas trockener und wieder befahrbar ist.

Es klappt, wenn alle an einem Strang ziehen

Der Grundstücksbesitzer Christian Böhm sagt: „Ich finde es in Ordnung, dass Tiere ihren Lebensraum haben.“ Man müsse einen Konsens finden, um die Interessen der Biber und der Anrainer, der Forst- und Landwirtschaft in Einklang zu bringen. Der Biber habe „einiges an Bäumen angefressen“ und hohe Schäden verursacht. Das Aronia-Feld sei überschwemmt worden und nicht mehr zu bewirtschaften gewesen.

Um dies zu vermeiden, habe man versucht, eine Lösung für Damm, Bach und Feld zu finden. Dank des Bypasses für den Biberdamm sei die Überflutung zurückgegangen. Der Biber habe ihn angenommen, so dass die Kompromisslösung bis jetzt „ganz gut gelungen“ sei.